Schwarzer Humor - gefährlich oder legitim?

Lesedauer: 5 Minuten

Der ein oder andere von euch hat sicher schonmal von den Comedy-Hits „South Park" , „Family Guy“ oder „American Dad“ gehört. Hierbei handelt es sich um animierte Serien mit feinster gesellschaftskritischer Satire und viel schwarzem Humor. Doch scheint genau diese Art von Humor, Kritikern dieser Serien ein tiefer Dorn im Auge zu sein. Wenn beispielsweise suggeriert wird, dass alle Schwarzen eine Bassgitarre im Keller haben, alle Japaner suizidgefährdet sind oder alle Juden einen Sack voller Gold um den Hals tragen, dann finden das vielleicht erstmal sehr viele Zuschauer lustig,  aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass diese Witze auf Kosten von Minderheiten gemacht werden und andere - vor allem jüngere Menschen - in ihrem Sprachgebrauch und ihrem Handeln beeinflussen können. Aufgrund dieser Problematik habe ich mich mal mit der Frage auseinandergesetzt, ob derart düsterer Humor unserem gesellschaftlichen Klima schadet und ob man solche Serien möglicherweise tabuisieren oder gar verbieten sollte.

Zu Beginn meiner Ausarbeitung mit diesem Thema war es mir wichtig herauszufinden, was genau uns Menschen überhaupt unterhält. Nach einiger Zeit des Recherchierens bin ich für mich schlussendlich zu einer glasklaren Antwort gekommen: Unsere Gesellschaft will Fiktion. Nehmen wir als Beispiel doch einfach mal das südkoreanische Netflix-Wunder mit dem Namen „Squidgame":

Warum schauen sich eigentlich über 100 Millionen Haushalte weltweit eine Darstellung von verschuldeten Menschen an, welche in ihrer Verzweiflung Kinderspiele auf Leben und Tod durchführen? Was unterhält uns daran, zuzusehen, wie diese armen Schweine in ihr Verderben rennen und sich gegenseitig zerfetzen? Wahrscheinlich habt ihr euch noch nicht damit beschäftigt, warum uns Menschen so etwas unterhält - warum wir eine Begeisterung für Filmbösewichte aufbauen können, obwohl diese die schlimmsten und grausamsten Taten vollbringen. Zur Philosophie gehört unter anderem,  gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen; und darum lohnt durchaus die Frage, wieso uns der Konsum dieser teilweise abartig brutalen Handlungen und Figuren ein für uns nicht ganz erklärbares Gefühl der Befriedigung schenkt.

Unterhält uns Menschen sowas etwa, weil wir es so toll finden, wenn andere umgebracht werden oder weil wir selbst vor Gewalt triefende Sadisten sind? Unterhalten uns Actionszenen, weil wir selbst so einen Hunger nach solchen Extremsituationen haben?  Ich denke wir sind uns einig, dass dies nicht der Grund für unsere Auswahl an Unterhaltungsmedien ist. Es liegt wohl eher daran, dass gerade Gesellschaften wie die unsere, welche glücklicherweise größtenteils Friedenszeiten erlebt haben, ein unbewusstes aber großes Verlangen danach besitzen, sich in Szenarien, Welten oder auch Figuren hineinzuversetzen, welche uns in unserem realen Leben nicht begegnen können und denen wir meistens auch überhaupt nicht begegnen wollen (dem Joker, Harley Quinn oder Darth Vader würde man schließlich nicht unbedingt abends auf der Straße begegnen wollen).

Doch was hat das alles nun mit schwarzem Humor und Sprache zutun? Warum finden denn jetzt so viele diese schmutzigen, teils diskriminierenden Witze so lustig? 

Ich stelle mal in den Raum,  dass der Anteil an Menschen, die sich von schwarzem Humor entertainen lassen und gleichzeitig Rassisten oder Homophobe sind, sich ungefähr deckt mit dem Anteil, der gewalttätige Filme guckt und wirklich den Drang hat irgendwelchen Leuten die Fresse einzuhauen. Für viele ist diese Art Humor schlichtweg einfach unterhaltend, gerade weil Stereotypen, Rassismus, Frauen- oder LGBTQ feindliche Haltungen für jeden normal tickenden Menschen einfach absurd und lächerlich sind.  Sich selbst in die Rolle eines Idioten zu begeben, der in seinem Freundeskreis seinen rumänischen Kumpel einvernehmlich mit "Zigeuner" beleidigt,  ist für viele eben nichts weiteres als ein fiktionaler Unterhaltungsdrang. Und jenen Drang leben wir Menschen eben durch Musik, Filme, Serien, Videospiele, Humor oder Sprache aus. Und solange aufgrund unseres Entertainments im privaten Raum keine anderen Menschen zu Schaden kommen, müsste jede Art dieser fiktiven Unterhaltungsformen doch eigentlich legitim sein, oder nicht? Ich könnte es mir jetzt leicht machen und mich bequem hinter dem mächtigen Schlagwort der Kunstfreiheit zurücklehnen, aber so einfach ist es eben auch nicht.  Bei kontroversen Debatten gibt es keine einzig richtige Meinung. Jeder Mensch trifft für sich persönlich eine moralisch-gesellschaftliche Abwägung zwischen Vor-, Nachteil, Nutzen und Risiko.

Man muss sich natürlich auch die andere Seite der Medaille anschauen, da es leider eine Minderheit von nicht allzu intelligenten Menschen gibt, welche sich Gewaltfilme, Spiele, Songs oder eben auch schwarzen Humor zum Vorbild nehmen, um andere Menschen verbal oder im schlimmsten Fall körperlich zu verletzen. Denn natürlich hat die Figur des Jokers einen Einfluss auf jenen Jungen gehabt, der sich als diese Comicfigur verkleidet und wie wahnsinnig in einem Kino herumgeschossen hat; und natürlich haben Rapper wie Kollegah und Bushido oder eben auch die Macher von South Park und Family Guy einen Einfluss auf den Sprachgebrauch ihrer Fans. Doch sollte man jetzt wirklich die Schuld den künstlerischen Werken zuschustern, wenn eine kleine Minderheit von Idioten deren Kunst missbraucht oder missversteht und nicht den Unterschied zwischen Fiktion und Realität erkennen kann?  Ist es jetzt die Lösung wegen dieser Minderheit alle Filme oder Spiele mit Gewalt, und alle Komiker, Musiker und Drehbuchautoren, welche sich "Witzen unter der Gürtellinie" bedienen zu canceln, obwohl doch 99,9% unserer Gesellschaft in der Lage sind, diese Kunst als Fiktion zu verstehen?

Meiner Meinung nach wäre das nicht fair. Denn für viele Menschen in unserer Gesellschaft sind diese fiktionalen Unterhaltungsmedien - egal in welchem Genre - eine wichtige Stütze in unserem Leben, welche uns diese beschissene Welt ein wenig erträglicher machen. In der moralischen Abwägung wiegt für mich die Vernunft der großen Mehrheit mehr als die Unvernunft der kleinen Minderheit - trotz der Kollateralschäden, die man durch diese in Kauf nehmen muss.

Ich glaube, der beste Weg, um sich dieser Problematik zu stellen, ist, wenn die Künstler, Schauspieler, Eltern, oder auch einfach wir als Gesellschaft  transparent aufklären und deutlich machen, dass es einen großen Unterschied zwischen Kunst und Realität gibt, bis es auch im Schädel des letzten Deppen angekommen ist. 

Eine Gesellschaft ohne schwarzen Humor brauchen wir aber sicherlich nicht.

Das war's erst mal!

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