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Dein #Autokorrektur-Newsletter vom 10. April 2022

Ahoi ihr Lieben! Ich bin wieder für eine Woche im lauschigen ländlichen Raum. Heute Mittag habe ich noch eine Lesung vor Senior:innen halten dürfen und mal wieder bemerkt, wie tief die Ängste sitzen, wenn es um eine autofreiere Zukunft geht. Es waren dabei eher die Herren, die nach der Lesung zu mir kamen und mich auf mehreren Ebenen auf die Unzulänglichkeit meiner Mission ansprachen. Für mich ein echtes Geschenk, da ich daraus lernen. Kommunikativ Ängste vor Veränderung zu nehmen, die allen gut tun wird, ist schließlich mein Kerngeschäft. Was waren die Befürchtungen? Der Weg erzeugt Kämpfe. Während er das erläuterte, schlug der Herr eine beiden geballten Fäute gegeneinander. Er kritisierte, dass die Bewegung nicht in die Konzerne gerate, dass Greta Thunberg die eigentlich Schuldigen nicht erreicht habe - und machte ihr das zum Vorwurf. Er war richtig wütend, er habe das Land aufgebaut, sei im Jahr 1946 geboren und nun richte sich die Veränderung ausgerechnet gegen seine Generation. Wir kamen, das gebe ich zu, nicht wirklich zueinander. Ich habe ihm mein Buch geschenkt und er mir versprochen, es zu lesen. Ich konnte ihn nicht davon überzeugen, dass es mir um Miteinander geht und darum, dass alle gleiche Chancen erhalten, gut ohne eigenes Auto mobil zu sein.

Der nächste Herr machte sich etwas darüber lustig, dass der Nahverkehr aktuell gar nicht aufnehmen könne, dass alle einsteigen, die Kapazitäten reichten dafür nicht aus. Auch hier habe ich argumentiert, dass es dazu ja nicht käme, weil der Umstieg bislang ja schon nicht gelungen sei - obwohl es in vielen Bereichen Hamburgs gute Alternativen gibt, fahren viele noch Auto. Aber dieses Argument begegnet mir recht häufig. Dabei sehe ich das gar nicht als Problem, sondern als Folge autozentrierter Verkehrspolitik. Es kann nicht sein, dass wir den schlechten Status Quo, der industriell und politisch gewollt ist, als Hinderungsgrund annehmen, weiterhin nichts zu tun und nichts zu fordern.

Empfehlen möchte ich euch auf jeden Fall das Projekt, das diese Lesung heute organisiert hat.

https://www.oll-inklusiv.de/

Denn auch ich beginne durch das Leben meiner Eltern zu reflektieren, wie ich im Alter leben möchte. Solche Projekte, die alte Menschen aus der Einsamkeit holen, finde ich enorm unterstützenswert.

Im Projekt wurde auch eine App entwickelt, die die Interessierten auf dem Laufenden hält. Heute wurde dann noch ein weiteres Projekt verkündet, der Rikscha-Service  R'OLL on - Fahrrad-Taxis als konkreten Beitrag zu einer umweltbewussteren Mobilität. "Die Rikscha-Touren  richten ja zudem an alle, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind,  sowie auch an jene, die sich gar kein Auto leisten können. Die aber  trotzdem ihren Radius (und ihren Horizont) erweitern möchten. Für ein  Leben auf der Straße, an dem alle gleichberechtigt teilhaben sollen."

https://apps.apple.com/de/app/oll-inklusiv/id1520162726

Kleiner Fakteneinwurf:

Zum 1. Januar 2021 waren 48,2 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen – 14 Prozent mehr als 2011. 1. Januar 2022 waren es schon 48.5 Millionen Pkw. Unsere Pkw-Dichte liegt bei 717 Kfz je 1000 Einwohner. Das zeigt: Verkehrspolitik ist Autopolitik in Deutschland. 35 Prozent der Pkw sind auf Frauen zugelassen.

A propos: Habt ihr das hier mitbekommen?

https://www.spiegel.de/wirtschaft/ex-verkehrsminister-scheuer-liess-keine-rueckstellungen-fuer-maut-schadensersatz-bilden-a-09bb0bd8-54ce-4b5e-8bdf-12dc88022229

Weiterhin wichtig ist eure Unterstützung für unsere Petition Sofortprogramm für energetische Unabhängigkeit von Russland und Stärkung der Mobilitätswende.

Auch hier sehe ich mich wieder massiven Angriffen ausgesetzt. Die Petition sei Schaumschlägerei, Marketing für mein Buch und eh nicht sinnvoll. Dass die Menschen, die diese Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand gegen mich adressieren, selbst etwas tun, ist mir leider aber auch nicht bekannt :) Mich hat heute eine Direktnachricht bei Twitter erreicht, von einer Dame aus Mexiko, die unsere Anliegen super findet. Und sich mittels Übersetzertool bis zum Unterzeichnen durchgeklickt hat. Sollte uns Vorbild sein oder? Und wenn ihr das anders seht, dann schreibt mir gern! Viele haben deutlich gemacht, dass sie nicht zu 100 Prozent den Inhalten zustimmen, das erwarten wir auch gar nicht. Wir wollen schlicht erreichen, dass der Bundestag sich endlich allem Machbaren zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen widmet.

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2022/_03/_11/Petition_131775.nc.html

"Ich  kann dem normalen Pendler nicht erklären, warum er den Sprit von denen  subventionieren soll, die unbedingt mit 220 km/h unterwegs sein wollen  und damit mehr verbrauchen", sagte Kutschaty, der am 15. Mai als  Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in NRW antritt. "Ein rein  egoistisches Freiheitsgefühl geht so auf Kosten der Allgemeinheit",  sagte Kutschaty in Richtung FDP.

Losse-Müller, der am 8. Mai bei der Wahl in Schleswig-Holstein antritt,  sprach sich ebenfalls für ein Tempolimit aus. "Mit dieser Maßnahme  werden wir schneller unabhängig von russischen Energieimporten", sagte  er der Zeitung. "Und gleichzeitig löst das Tempolimit keine  wirtschaftlichen Verwerfungen in Deutschland aus."

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/tempolimit-165.html

Montag habe ich endlich mal in persona dem Beirat für Mobilitätsdaten beim Verkehrsminister "Winne" Hermann in Stuttgart beiwohnen können. Bisher war das nur virtuell möglich. Was gabs Neues? Es gibt im Ministerium jetzt sogar eine eigene Abteilung für Mobilitätsdaten, Abteilung 5 Mobilitätszentrale, vernetzte und digitale Mobilität. Das war ein Ergebnis aus den Koalitionsverhandlungen und folgte einer Empfehlung auch aus unserem Beirat heraus. Hier werden alle Themen der intermodalen, digitalen und vernetzten Mobilität gebündelt. Ziel: Interne Silos überwinden, Bündelung von Absprachen zur Geschwindigkeitsgewinnung.

Oberstes Ziel: Klimagerechte und innovative Steuerung von Mobilität durch Daten. Seit Ende März ist dieses Referat auch Mitglied im Datenraum Mobilität, auch das war eine Empfehlung aus dem Beirat. Ziel ist hier: Aktive Gestaltung und eigene Projekte dort einbringend.

Es gibt demnächst, natürlich - weil ist ja Stuttgart :) - einen Strategiedialog Automobilwirtschaft. Es wird angestrebt, „Weltmeister im Umsetzen“ zu werden, deutlich kein Plaudergremium zu sein, sondern konkrete Maßnahmen zu evaluieren. Fahrzeuge, Energie, Daten als Schwerpunkte.

Zudem entsteht ein l andesweites Verkehrsmodell. Verkehrspolitische Entscheidungen sollen evaluiert und bewertbar werden. Das Landesmobilitätsgesetz liegt als Referentenentwurf vor. Entwicklung und Betrieb einer zentralen Mobilitätsdatenplattform. Anwendungen und Services zur Generierung von Daten sind angedacht.

Intensiv war vor allem auch die Diskussion über Kund:innennutzen:

  •  Vom Ziel aus denken: Was hat Kund:in davon, welche monetären Vorteile gibt das Nutzen von digitalen Produkten?
  •  Wofür werden meine Daten genutzt (Mobilitätsgesetz sollte das aufnehmen)?
  •  Gründe für Digitalisierung benennen (verbesserte Verkehre, Klimaschutz, Einfachheit der Nutzung?
  • Wie erreichen wir die Bevölkerung? Welche Gatekeeper gibt es?

Tatsächlich gefallen mir viele Dinge, die in Baden-Württemberg angestoßen werden. Ich hoffe, dass vieles davon Nachahmer:innen findet.

Das landesweite Jugendticket zum Preis von 365 Euro soll zum 1.  März 2023 kommen. Darauf haben sich das Verkehrsministerium sowie die  Land- und Stadtkreise und die Verkehrsverbünde geeinigt. Das Land  übernimmt einen Großteil der anfallenden Kosten.

https://vm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/startschuss-fuer-landesweites-jugendticket-steht-fest/

Geleitet wurde die Sitzung von Elke Zimmer, da Winne Hermann coronapositiv ist. Alles Gute auf diesem Wege!

Lesetipp:

Andreas Knie: Das, was die Bundesregierung in Sachen Verkehr zurzeit an Politik anbietet, ist erbärmlich. Wir haben die Erfahrungen der Pandemie, wir haben die Klimakrise und wir haben Krieg. Die Menschen sind bereit, ihr Verhalten anzupassen und weniger Auto zu fahren.

Es wäre die Gelegenheit, ein generelles Tempolimit auf Bundesautobahnen von 100 Kilometern pro Stunde sowie flächendeckend  Tempo 30 in Städten einzuführen. Einmal im Monat gäbe es am Sonntag ein generelles Fahrverbot.

Stattdessen wird wie wild kompensiert,  was teuer erscheint, und dazu noch ein bürokratisches Monster zum  Transfer geboren. Das ist Politik im Stil eines teuren Populismus, die  den Menschen einfach nichts zutraut.

https://www.klimareporter.de/verkehr/teurer-populismus-oel-von-autokraten-und-berliner-asphaltwahn

Ein weiterer Vorwurf in Sachen Petition ist, dass ich eine Person sei, die lieber vom gemütlichen Sofa aus arbeitet, anstatt für die Verkehrswende auf die Straße zu gehen. Funny oder? Aber auch schon wieder egal :) Ihr könnt euch gern den 8. Mai in die Kalender schreiben. Dort wird von einem breiten Bündnis eine Woche vor der NRW-Wahl eine große Demo in Düsseldorf organisiert - und ich darf dort die "große Rede" halten. Bin ehrlich gesagt jetzt schon nervös, denn das wird wohl das größte Publikum, vor dem ich je stand.

https://verkehrswendejetzt.nrw/

Ansonsten freue ich mich auf den Livetalk bei YouTube und Twitter zum Thema "E-Scooter - Löung im Mobilitätsmix oder ewiges Ärgernis?" Ich denke, dass wir mit diesem Gespräch mal ein paar Mythen beseitigen können.

Und natürlich freue ich mich auf euch!

Mittwoch um 19 Uhr ist unser nächstes Videomeeting!

steady meeting Autokorrektur

https://us02web.zoom.us/j/87934693348?pwd=VmlENURHaW11dlkxNVNkMCsyRUxrdz09

Meeting-ID: 879 3469 3348

Kenncode: 939284

Hier noch ein paar Stücke über Autokorrektur:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/katja-diehl-autokorrektur-verkehrswende-102.html

https://mobility.edenspiekermann.com/article/reshaping-our-cities-and-urban-mobility-along-the-way

https://www.ksta.de/koeln/ehrenfeld/plaedoyer-fuer-das-rad-autorin-katja-diehl-diskutiert-in-koelner-buergerzentrum-39567232?cb=1649618103057&cb=1648466076857&

https://oe1.orf.at/player/20220408/675168

Ich hoffe, bis Mittwoch!

Schönen Restsonntag euch allen!

Eure Katja

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