Liebe Liebenden!

Ich habe euch letztes Wochenende vernachlässigen müssen. Ich will euch ja nicht langweilen, aber meine private Adresse, meine private Telefonnummer und - für besonders Begriffstutzige - ein Screenshot von Google Maps wurde erneut in die rechte "Szene" (?) getragen. Mal wieder bei Twitter, wobei ich zugeben muss, dass es auf anderen Plattformen wohl auch nicht so einfach ist. Bei Instagram ist mein Profil geschützt, Facebook habe ich nicht. Und - als hätte ich es geahnt - habe ich mir genau für diese Zeit eh die erste Auszeit seit zwei Jahren genommen. Drei Wochen mal woanders sein. Erst zwei Wochen in Greetsiel und seit heute in irgendwo hinter dem Deich. Mit einem riesigen Garten voller Kirschen und einem älteren Paar, das erst seit zehn Jahren aus den USA wieder zurück ist. Da werde ich sicher noch spannende Geschichten erfahren.

Ich bin unterwegs mit meiner Zora (ich glaube, so sollte das schwarze Brompton-Klawitter heißen? was meint ihr?) erstmalig länger auf Tour - über 400 Kilometer an menschenleeren Deichen liegen hinter uns. Liebe Menschen haben mich besucht und ich habe gelernt: Urlaub haben heißt für manche Menschen eben nicht, gute Laune zu haben. Ich habe viel gelesen und nachgedacht, auch über dieses Lohnarbeitssystem, die Statuten von Macht (Dienstwagen olé) - habe mich mit Rassismus, der Welt von morgen und meinem Kinderbuch beschäftigt. Ein Freund hat mir nochmal etwas geholfen, es besser zu strukturieren - vor 2022 wird es aber nicht erscheinen, ich will das genießen. Denn ja: Der Hass macht mich beizeiten platt und das Rechtssystem, das wir in D haben, fühlt sich in den Momenten, wo mich dieser Hass trifft, sehr ungerecht an. Dennoch habe ich JEDEN Tag meine Bettdecke fest umarmt, wirklich laut gedacht, wie demütig und dankbar ich für all das bin. Ich könnte ohne den Hass, aber letztlich hält auch er mich nicht davon ab, weiterzumachen.

Ich bin nunmal: 

Es sind schon zu viele tolle Stimmen verstummt, weil sie gehetzt worden sind. Und ich kann das verstehen. Aber ich habe etwas fatalistisch das Gefühl, dass ich nichts zu verlieren habe. Aber ja, ich werde weniger Privates preisgeben, auch um meine Eltern zu schützen. Ich werde keine Fotos mehr machen, die Rückschlüsse auf meine Aufenthaltsorte geben. ICH werde mich einschränken (müssen), solange ich als Opfer wie eine Täterin behandelt werde. Denn auch bei den letzten beiden Shitstorms von rechts kamen sie wieder, die Vorwürfe, die ich den Shit nach dem Storm nenne - und die mich oft viel härter treffen. "Katja, du bist aber auch sehr...!" - "Warum tust du dir das an?" - "Ich könnte das ja nicht!". Uff.

So. Nach vorne geblickt und aufgerichtet. Was war da in den zwei Wochen "eigentlich off"?

Zunächst einmal hat ein toller Mensch mich an ein echt schon älteres Interview erinnert - als ich noch ganz klein war quasi. Da hat mich das Handelsblatt ein paar Dinge gefragt. Und mir wurde heute nochmal nahegelegt, dass ich mir manchmal einfach auch selbst zuhören sollte. Aber urteilt selbst.

https://www.handelsblatt.com/karriere/the_shift/rolemodel-katja-diehl-mobilitaets-expertin-das-verbiegen-macht-krank/25554474.html?ticket=ST-2755293-KgsF2qdUmuja211Pf29Z-ap3

Übrigens:

Dann ist mein Talk auf der Woche der Umwelt online, ich war danach ECHT zufrieden mit mir, weiß aber nicht mehr genau, was ich alles gesagt habe. Vielleicht muss ich mir das tatsächlich auch selbst nochmal anschauen (eigentlich hasse ich das ja).

https://www.youtube.com/watch?v=PZR-B2Wi_2I

Auf der Woche der Umwelt geschah auch endlich etwas, was das fossile Patriarchat schockiert zurückließ.

Genau DAS ist es, was mich aufrecht hält: Eine feste Umarmung unter Frauen :)

Nach allem, was übrigens so geschehen ist, möchte ich euch das Buch "Gegen den Hass" von Carolin Emcke ans Herz legen. Ich lese es seit 2017 immer und immer wieder, um mich rückzubesinnen, welche Mechanismen hinter dem Falschen stecken, und das auch wir wichtig sind, diese zu unterbrechen.

Ich hatte dazu die Idee, in diesem Brief auch wöchentliche Videos einzubinden zu dem, was ich grad lese, würde euch das interessieren?

Ein sehr lustiger Mensch hat mir mit den Worten: "Alles nicht so wild Katja!" übrigens das hier geschickt:

Ich musste tatsächlich lachen.

Nun gut ihr Lieben - ich danke euch sehr für euren Support. Ich freue mich, wenn ihr mich weiterempfehlt. Das Lohnarbeitssystem schließt immer noch verlässlich meine Arbeit als lohnenswert aus. Was heißt: Ich muss damit Geld verdienen. Wenn ihr mich als Moderatorin - Speakerin - Abo empfehlt, dann seid ihr meine Held:innen.

Genießt die Sonne - mache ich jetzt auch! Eure Katja

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