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Trump und MAGA ist eine Variante von Faschismus

Trumps offizielles POTUS Foto

In unserer letzten Podcast Episode “Neues Zeitalter des Krieges” (Öffnet in neuem Fenster) haben wir auf die 14 Merkmale des Faschismus von Umberto Eco hingewiesen, die er in seinem Essay “Der ewige Faschismus” (Öffnet in neuem Fenster) formuliert hat. Der Essay wiederum basiert auf eine Rede, die er am 25. April 1995 in Italien zum Jahrestag der Befreiung vom italienischen Faschismus gehalten hat - also weit vor der politischen Karriere von Donald Trump.

Am 19.03. erklärte uns der Journalist Tilo Jung in der Talksendung “Maischberger”, (Öffnet in neuem Fenster) dass sowohl Russland wie auch die USA eine gemeinsame faschistische Agenda hätten und sie somit kurz vor einer ideologischen wie auch möglichen militärischen Verbrüderung stehen könnten. Die mahnenden Aussagen Tilo Jungs wurden mit großem Raunen und Erstaunen im Studio wahrgenommen, so als ob diese Bewertung der aktuellen Situation vollkommen abwegig sei.

Das möchte ich zum Anlass nehmen, die 14 Merkmale des Faschismus von Eco mit der aktuellen Politik, dem Sprechen und Handeln Trumps und seiner MAGA-Bewegung inkl. dem Playbook des “Project 2025” (Öffnet in neuem Fenster) der Heritage Foundation abzugleichen.

Merkmal 1: Der Kult der Tradition: Faschistische Bewegungen betonen eine mythische Vergangenheit und traditionelle Werte.​

Die MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) propagiert eine idealisierte Vergangenheit, die als Gegenmodell zu einer angeblich dekadenten Gegenwart dient.

Für viele MAGA-Anhänger sind die 1950/60er Jahre der Inbegriff dieser glorreichen Vergangenheit – eine Zeit wirtschaftlicher Stabilität, traditioneller Geschlechterrollen und klarer gesellschaftlicher Hierarchien (“Mad Men” lässt grüßen). Das war übrigens auch die Zeit, in der Donald Trump selbst sozialisiert wurde.

Diese nostalgische Rückschau ignoriert jedoch zugleich die furchtbare undemokratische Realität von Rassentrennung, Geschlechterdiskriminierung und sozialer Ungerechtigkeit. Indem MAGA also diese verklärte Vergangenheit als ideales Modell für die Zukunft präsentiert, blendet sie bewusst die historischen Kämpfe um Gleichberechtigung und Bürgerrechte nicht nur aus, sondern möchte diese gesellschaftlichen Fortschritte wieder vollständig zurückdrehen. Frauen sollen beispielsweise wieder stärker in traditionellen Rollen als “Mütter” und “Hausfrauen” gesehen werden, während LGBTQ+-Rechte als Bedrohung einer „natürlichen Ordnung“ dargestellt werden.

Parallel dazu wird eine stark chauvinistisch-nationalistische Identität gefördert, die sich gegen alle äußeren Einflüsse abschotten will. Die Idee von „America First“ basiert zudem auf der Annahme, dass Migration, Globalisierung und liberale Werte die eigene, hermetisch geschlossene nationale Kultur bedrohen. Dies zeigt sich beispielsweise in Trumps Rhetorik über Einwanderung, in der Migranten nur als „Invasoren“ inszeniert werden, die ausschließlich das Land schwächen wollen.

Noch tiefer in die Vergangenheit gehend, werden die Gründerväter der USA als unfehlbare Helden verklärt, ohne dass ihre menschenfeindlichen Widersprüche – wie ihre Haltung zur Sklaverei – kritisch reflektiert werden, im Gegenteil, die Trump Administration arbeitet aktiv daran die Kritik an der Sklaverei zu marginalisieren. Das geht sogar soweit, dass man die Sklaverei als eine “lohnenden Erfahrung” (Öffnet in neuem Fenster) für die Black Community in angepassten Schulbüchern positiv umdeuten will. Die Verteidigung von Konföderierten-Statuen (Öffnet in neuem Fenster) oder die Glorifizierung des Wilden Westens sind weiterhin Ausdruck eines selektiven Geschichtsbildes, das dazu dient, ein homogenes, weißes Amerika als Norm zu etablieren. Jegliche kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen wird als Angriff auf die nationale Identität gewertet und aktiv politisch bekämpft.

Merkmal 2: Ablehnung der Moderne: Faschisten lehnen die Aufklärung und den Rationalismus ab, betrachten diese als Ursprung moralischen Verfalls.​

Trump-Beraterin Kellyanne Conway prägte einst den Begriff "alternative Fakten" (Öffnet in neuem Fenster), um eindeutige Falschinformationen der Trump Administration nicht nur zu rechtfertigen, sondern vollständig als “wahr” umzudeuten. Dies stellt natürlich einen unmittelbaren und fundamentalen Angriff auf den Rationalismus als Grundlage politischer Entscheidungen dar. Politik kann dann nicht mehr faktenbasiert gemacht werden, was für anti-aufklärerische Ideologien innerhalb einer noch bestehenden Demokratie fast schon eine Voraussetzung ist um damit durch zu kommen.

Der Klimawandel wird wahlweise entweder geleugnet oder als eine „Erfindung der Linken“ abgetan, um die fossile Industrie und traditionelle Wirtschaftszweige zu schützen. Trump selbst behauptete sogar, dass der Klimawandel ein „Hoax“ sei, den China erfunden habe, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen.

Die COVID-19-Pandemie lieferte ein weiteres Beispiel für die Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse: Virologen und Mediziner wurden als „Teil der globalen Eliten“ diffamiert, die angeblich nur die Freiheitsrechte einschränken wollten. Masken- und Impfpflichten wurden nicht auch als mögliche Maßnahmen zur öffentlichen Gesundheit gesehen, sondern als klarer Versuch, die Bevölkerung zu kontrollieren. Das Ergebnis war eine politische Mobilisierung gegen grundlegende Schutzmaßnahmen, selbst wenn dies auf Kosten von zahlreichen Menschenleben ging.

Ein weiteres zentrales Feindbild in dieser Ideologie ist der Säkularismus und die Trennung von Kirche und Staat. MAGA strebt eine Rückkehr zu einer stark christlich fundamentalistisch geprägten Gesellschaft an, in der moralische Werte von religiösen Dogmen bestimmt werden. Dort glaubt und hofft man sogar auf eine reinigende Apokalypse! (Öffnet in neuem Fenster)

Progressive Gesellschaftsentwicklungen wie LGBTQ+-Rechte, Feminismus oder die Gleichstellung verschiedener Religionen werden als „Verfall der Werte“ betrachtet. Stattdessen wird ein Narrativ geschaffen, das den christlichen Fundamentalismus als letzten Schutz gegen eine vermeintlich moralisch verkommene Moderne inszeniert. Diese Haltung zeigt sich in der Bekämpfung von LGBTQ+-Rechten, der Verschärfung von Abtreibungsgesetzen und der Stärkung konservativer christlicher Institutionen in der Politik. Dazu empfehlen wir ausdrücklich die gesamte Arbeit von Annika Brockschmidt (Öffnet in neuem Fenster).

Die Moderne wird somit nicht als Kontinuum oder logische Weiterentwicklung der Gesellschaft, sondern als reine Bedrohung wahrgenommen. Rationalismus, Wissenschaft und Aufklärung gelten als klare Feinde, die das „wahre Amerika“ schwächen wollen. Emotionale Wahrheiten, religiöser Fundamentalismus und eine rückwärtsgewandte Gesellschaftsordnung ersetzen also wissenschafts- und faktenbasierte Politik. Damit wird zugleich die Grundlage einer pluralistischen Demokratie angegriffen.

Merkmal 3: Der Kult des Handelns um des Handelns willen: Aktion wird über Reflexion gestellt; Denken gilt als Zeichen von Schwäche.​

Trump trifft häufig spontane politische Entscheidungen und kommuniziert sie ohne Umwege und Absprache mit Experten oder seinem Kabinett direkt über seine Social Media Accounts (z. B. plötzlicher Abzug von Truppen aus Syrien, Handelskriege mit China).

Statt langfristige politische Strategien zu entwickeln, bevorzugte er schnelle, dramatische Gesten, die immer Aufmerksamkeit erregen (Man könnte hier fast schon von einer Art “Wrestling-Politik” sprechen, wobei die Kampfstrategie Steve Bannons “Flooding the Zone with Shit (Öffnet in neuem Fenster)” auch sehr gut passt).

Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Verwaltungsmitarbeitende werden oft als „schwach“ oder „unnötig kompliziert“ abgetan, während „Macher“ und „Patrioten“ als die wahren Helden inszeniert werden. Auch Trumps Haltung gegenüber der Pandemiebekämpfung, seiner Handelspolitik oder Klimawandel zeigt eine völlige Ablehnung von Reflexion und eine Vorliebe für Aktion um der Aktion willen (z. B. „Wir brauchen keine Experten, ich vertraue meinem Bauchgefühl“).

Der Bau der Mauer zu Mexiko wurde als Symbol für Handlungsstärke präsentiert, obwohl Experten bezweifelten, dass sie illegaler Migration überhaupt wirksam entgegenwirken würde. Statt einer durchdachten Wirtschaftspolitik wurden impulsive Zölle eingeführt, die auch am Ende den eigenen US-Unternehmen schadeten. Entscheidungen wie der Angriff auf den iranischen General Soleimani geschahen plötzlich, oft ohne Konsultation des Pentagons oder einer Strategie für die Folgen.

Verhandlungen und Kompromisse werden also als Zeichen von Schwäche dargestellt, während konfrontative oder unilaterale Aktionen bevorzugt werden.

Merkmal 4: Ablehnung kritischer Analyse: Kritisches Denken und intellektueller Diskurs werden als subversiv betrachtet.​

Trump und viele MAGA-Vertreter haben wiederholt den menschengemachten Klimawandel infrage gestellt oder als "Hoax" (Schwindel) bezeichnet. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht der eigenen Ideologie entsprechen, werden als Teil einer „linken Agenda“ dargestellt.

Während der COVID-19-Pandemie wurde wissenschaftlicher Rat oft ignoriert oder bekämpft. Anthony Fauci und andere Experten wurden öffentlich als Feinde markiert, und Maßnahmen wie Maskenpflicht oder Impfungen wurden ideologisch kategorisch abgelehnt.

Universitäten und wissenschaftliche Institutionen werden oft als „linksliberale Indoktrinationsstätten“ bezeichnet, wodurch kritisches Denken als Bedrohung für konservative Werte dargestellt wird - bei gleichzeitigem Propagieren von “Free Speech”, was nur auf den ersten Blick widersprüchlich ist, denn die Rechte gelten ja nur für die eigene Gruppe und nicht universalistisch für alle Menschen.

Anstatt Wahlniederlagen anzuerkennen, stellt MAGA den gesamten Wahlprozess infrage. Wenn Gerichte gegen Trump oder MAGA-Interessen entscheiden, wird das Justizsystem als „politisiert“ dargestellt, selbst wenn die Entscheidungen auf Fakten und Recht basieren. Trump stellte sich selbst stets als Opfer eines Systems dar, das gegen ihn arbeite. Das führte dazu, dass rationale Kritik als Teil eines angeblichen „Angriffs“ auf konservative Amerikaner gesehen wird.

Merkmal 5: Angst vor Unterschieden: Faschismus fördert Angst und Ablehnung gegenüber dem Fremden oder Anderen.​

Trump begann seine Wahlkampagne 2015 mit der Behauptung, dass Mexiko „Drogen, Kriminalität und Vergewaltiger“ in die USA schicke. Migranten, die vor Armut oder Gewalt fliehen, werden als „Invasoren“ bezeichnet, um kontinuierlich Angst zu schüren.

Trumps Einreiseverbot für Bürger mehrerer muslimischer Länder (2017) wurde als Schutzmaßnahme gegen Terrorismus verkauft, obwohl es keine konkreten Beweise für eine besondere Bedrohung gab.

MAGA-nahe Medien und Politiker behaupten oft, dass die Demokraten gezielt Migranten ins Land lassen, um die „weiße Mehrheitsbevölkerung“ zu ersetzen.

Programme zur Förderung ethnischer Vielfalt werden als „Anti-Weiß“ dargestellt, Proteste gegen Polizeigewalt wurden als Gefahr für den „American Way of Life“ inszeniert und transgeschlechtliche Menschen werden als Gefahr für Kinder oder als Beweis für eine „moralische Degeneration“ ausgestellt.

Kritische Journalisten werden auch gerne mal als „Feinde des Volkes“ (Öffnet in neuem Fenster)bezeichnet, um ihre Berichterstattung zu diskreditieren.

Merkmal 6: Appell an soziale Frustration: Faschismus spricht oft eine frustrierte Mittelschicht an, die sich durch ökonomische oder politische Veränderungen bedroht fühlt.​

MAGA richtet sich stark an ehemalige Industriearbeiter aus dem Rust Belt (Pennsylvania, Ohio, Michigan, Wisconsin), die durch Globalisierung und Automatisierung ihre Jobs verloren haben. Trump versprach ihnen, diese Arbeitsplätze „zurückzubringen“, oft durch protektionistische Maßnahmen. (Öffnet in neuem Fenster) Entweder man produziere in den USA oder man werde mit Zöllen dafür bestraft.

Statt komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären, macht Trump Migranten, China und die Demokraten für die wirtschaftlichen Probleme und die grassierende Ungleichheit im Land verantwortlich. Migranten werden stets als Konkurrenten um Jobs dargestellt („Sie nehmen euch die Arbeitsplätze weg“) und gleichzeitig wird behauptet, dass sie ja nur faul seien und das Sozialsystem belasten würden.

Trumps Anhänger fühlten sich zeitweise um ihre „gerechte Wahl“ betrogen. Die gesammelte und durch Trump und seine Anhänger immer wieder angeheizte Frustration führte schließlich am 6.1.2021 zu einem direkten Angriff auf demokratische Institutionen (Sturm auf das Kapitol (Öffnet in neuem Fenster)).

Merkmal 7: Obsession mit Verschwörungen: Es besteht eine Fixierung auf angebliche feindliche Komplotte, oft verbunden mit Fremdenfeindlichkeit.​

Trump behauptete wiederholt, dass die Wahl 2020 „gestohlen“ wurde (die “Big Lie” (Öffnet in neuem Fenster)), obwohl keine Beweise für großflächigen Wahlbetrug existieren. Eine geheime Koalition aus Demokraten, Wahlbeamten, Richtern, Medien und ausländischen Mächten (oft China oder Venezuela) hätten die Wahl manipuliert. Es wurde außerdem behauptet, dass „illegale Einwanderer“ und „nicht registrierte Wähler“ massenhaft für die Demokraten abgestimmt hätten.

MAGA-Anhänger glauben, dass eine geheime, nicht gewählte Elite (FBI, CIA, Gerichte, Demokraten, Republikaner des Establishments sogenannte „RINOs“, Wissenschaftler, Medien) innerhalb des US-Staates arbeitet, um Trump und seine Bewegung zu sabotieren. Regierungsbeamte und Richter, die gegen Trump entscheiden, werden als „Teil des Deep State“ diffamiert und FBI-Razzien, Anklagen oder Ermittlungen gegen Trump werden als nicht legitime Rechtsprozesse betrachtet.

Eine zentrale Verschwörungserzählung innerhalb der MAGA-Bewegung ist QAnon: Die Behauptung, dass eine geheime Elite (meist Demokraten, Hollywood-Stars und Milliardäre) ein weltweites Pädophilen-Netzwerk betreibe. Die Theorie besagt, dass Trump insgeheim gegen diesen Ring kämpft und eines Tages Massenverhaftungen („Der Sturm“) durchführen wird. George Soros (jüdischer Milliardär) wird als Drahtzieher vieler Verschwörungen dargestellt, was an klassische antisemitische Narrative erinnert. QAnon-Anhänger waren stark am Sturm auf das Kapitol beteiligt.

Darüber hinaus existiert in MAGA-Kreisen eine enorme Anhängerschaft der “Great Replacement Theory”, u. a. auch von Elon Musk mehrfach öffentlich artikuliert und für seine Kettensägen-Aktionen vewendet (Öffnet in neuem Fenster). Die Demokraten (oder „globale Eliten“) - so die Verschwörungslüge - würden gezielt die weiße Bevölkerung der USA durch Migranten ersetzen, um sich u. a. eine neue Wählerbasis zu schaffen. Rechtsextreme Medien und Politiker (z. B. Tucker Carlson von Fox News) haben diese Theorie reproduziert und verstärkt. Trump selbst spricht ständig von einer „Invasion“ an der Südgrenze. Leider bezogen sich einige Anschläge (z. B. der Massenmord in Buffalo 2022) genau auf diese Erzählung.

Trump behauptete zudem mehrfach, dass die COVID-19-Pandemie übertrieben oder erfunden wurde, um seine Wiederwahl zu verhindern. MAGA-Anhänger verbreiteten die Theorie, dass Impfstoffe Teil eines globalen Kontrollmechanismus seien. Trump bezeichnete COVID-19 als „China Virus“ und deutete an, dass es absichtlich von China entwickelt wurde.

Merkmal 8: Darstellung der Gegner als gleichzeitig stark und schwach: Feinde werden als übermächtig und zugleich als degeneriert dargestellt.​

“Black Lives Matter (BLM)” und “Antifa” werden als „radikale, gewalttätige Terrorgruppen“ beschrieben, die amerikanische Städte in Schutt und Asche legen wollen. Sie hätten angeblich das Ziel, eine „kommunistische Revolution“ in den USA durchzuführen. Gleichzeitig werden linke Aktivisten als verweichlichte „Woke“-Vertreter dargestellt, die nicht einmal eine echte Bedrohung seien. Konservative Medien machen sich oft über „woke Snowflakes“ lustig, die durch Kleinigkeiten getriggert werden. Wenn diese Gruppen so verweichlicht sind, wie können sie dann gleichzeitig Amerikas größte Bedrohung sein?

Die Demokraten werden als Teil eines „Deep State“ dargestellt, der die gesamte Regierung, Gerichte, Medien und Big Tech kontrolliert. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, eine groß angelegte Wahlfälschung durchgeführt zu haben, um Trump aus dem Amt zu drängen. Gleichzeitig werden Demokraten jedoch auch als unfähig und irrational beschrieben („Sleepy Joe“ für Joe Biden, „Crazy Nancy“ für Nancy Pelosi). Wie kann eine Partei gleichzeitig eine hochprofessionelle, weltumspannende Verschwörung durchführen und gleichzeitig aus inkompetenten „Snowflakes“ bestehen?

Trump und MAGA-Politiker beschreiben Migranten als „Invasoren“, die das Land überrennen und die amerikanische Kultur zerstören. Es wird suggeriert, dass Migration gezielt von „Eliten“ gesteuert wird, um die USA zu destabilisieren (siehe oben die „Great Replacement“ Verschwörungserzählung). Gleichzeitig werden Migranten als arm, ungebildet und wirtschaftlich abhängig dargestellt, die nur kommen, um Sozialleistungen zu beziehen. Häufig wird behauptet, dass sie unfähig seien, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Wenn Migranten also so schwach und hilflos sind, wie können sie dann eine „existenzielle Bedrohung“ für die USA darstellen?

Der „Deep State“ wird als eine mächtige Gruppe innerhalb des Staatsapparats beschrieben, die Präsidenten kontrollieren und sogar Wahlen stehlen kann. Er wird oft mit Geheimdiensten, Richtern und Militärführern verknüpft, die Trump angeblich aktiv sabotieren. Gleichzeitig wird der Staatsapparat als ineffizient, aufgebläht und unfähig dargestellt. Regierungsbeamte werden als „faule Bürokraten“ abgestempelt, die angeblich nichts zustande bringen. Wenn der Deep State also so mächtig ist, warum konnte Trump ihn nicht einfach besiegen? Und wenn der Staat so inkompetent ist, wie konnte er dann eine Wahl fälschen?

Die “Mainstream-Medien” werden als „totale Kontrolleure der öffentlichen Meinung“ beschrieben, die durch Desinformation Wahlen beeinflussen. Sie sind angeblich Teil eines groß angelegten Plans zur Manipulation der Bevölkerung. Gleichzeitig wird gesagt, dass diese Medien keine Zuschauer mehr hätten, bankrott seien und niemand ihnen mehr vertraue. Trump behauptete wiederholt, dass CNN und die New York Times kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch stünden. Wenn die Medien so mächtig sind, warum verlieren sie dann angeblich ihr Publikum?

Merkmal 9: Ablehnung des Pazifismus: Leben wird als ständiger Kampf gesehen; Pazifismus gilt als Schwäche.​

Trump und MAGA stellen sich als letzte Verteidiger gegen eine übermächtige Elite dar, die angeblich die Kontrolle über Amerika übernehmen will. In Reden betont Trump regelmäßig, dass „der wahre Kampf erst beginnt“ und dass seine Anhänger „bereit sein müssen, ihr Land zurückzuholen.“

Demokraten, Migranten, „Woke Culture“ und Medien werden nicht nur als politische Gegner gesehen, sondern als Feinde, die Amerika zerstören wollen. Dies erzeugt eine ständige Alarmbereitschaft unter MAGA-Anhängern und rechtfertigt aggressive Gegenmaßnahmen. Trump rief - wie schon mehrfach erwähnt - seine Anhänger direkt dazu auf, zum Kapitol zu marschieren und „stark zu sein“. Die Gewalt wurde von vielen MAGA-Anhängern später gerechtfertigt („Das war kein Aufstand, das war Patriotismus!“). Politiker wie Nancy Pelosi, Mike Pence oder Demokratische Gouverneure wurden zur Zielscheibe von Drohungen und Mordfantasien. Trump hat mehrfach signalisiert, dass „harte Männer“ bereit sein sollten, für Amerika zu kämpfen.

Trump kritisierte multilaterale Abkommen wie das Pariser Klimaabkommen oder das Iran-Nuklearabkommen als Zeichen von „Schwäche“. Seine „America First“-Politik basierte auf Konfrontation statt auf Kooperation. MAGA feiert das US-Militär und fordert eine massive Aufrüstung. Veteranen und Soldaten werden als „wahre Patrioten“ inszeniert und angeblich “schwache Elemente” aussortiert (Beendigung von Diversity-Initiativen im Militär und Löschung von ausgezeichneten Repräsentanten. (Öffnet in neuem Fenster))

Trump betont immer wieder, dass er „stark“ ist – im Gegensatz zu seinen „schwachen“ Gegnern. Männer, die für konservative Werte kämpfen, werden als Helden gefeiert, während Feminismus und LGBTQ+-Rechte als „Verweichlichung“ dargestellt werden.

Zudem ist die NRA (National Rifle Association) tief mit MAGA verbunden und propagiert Waffenbesitz als essenziellen Bestandteil des „Kampfes um Freiheit“. Trump sagte einmal: „Nur ein bewaffnetes Volk kann sich gegen eine tyrannische Regierung verteidigen.“ Die Vorstellung, dass Gewalt notwendig ist, um „böse“ Menschen aufzuhalten, wird als Argument gegen Waffenkontrolle benutzt.

Merkmal 10: Verachtung für die Schwachen: Es herrscht ein elitärer Massenzugang, der Schwäche verachtet.​

Trump stellt sich selbst als ultimativen „starken Mann“ dar: Er betont, dass er „hart verhandelt“, „niemals aufgibt“ und „niemals Schwäche zeigt“. Politische Gegner werden fast immer mit Begriffen wie „schwach“, „verweichlicht“ oder „inkompetent“ beschrieben (z. B. „Low-Energy Jeb“ für Jeb Bush). In der Trump-Rhetorik sind diejenigen, die Hilfe benötigen oder Mitleid erwarten, selbst schuld an ihrer Lage. Das ging soweit, dass er sogar mal seine Verachtung für Kriegsgefangene zum Ausdruck brachte. Trump sagte damals über den Kriegshelden John McCain: „Er ist kein Held. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“ Außerdem verspottete Trump 2015 einen körperlich behinderten Reporter (Serge Kovaleski), indem er dessen unkontrollierte Bewegungen nachahmte. Während der Corona-Pandemie stellte er Überlebende als „stark“ dar, während er indirekt andeutete, dass diejenigen, die starben, wohl einfach „schwächer“ waren.

Frauen, die politische Macht beanspruchen, werden oft als „hysterisch“ oder „unschön“ verspottet. Transgender- und nicht-binäre Menschen werden nicht nur abgelehnt, sondern oft verspottet oder kriminalisiert. Asylsuchende, insbesondere aus Mittel- und Südamerika, wurden als „faul“ oder „nutzlos“ abgetan, wenn Migranten aber mal erfolgreich sind (z. B. Unternehmer oder Sportler), wird dies als Beweis dafür genommen, dass „jeder es schaffen kann“ – und dass diejenigen, die Sozialhilfe benötigen, selbst schuld sind.

Auch in der Politik kommt dieses Menschenbild zum Ausdruck. MAGA-Politiker setzen sich für Kürzungen von Sozialprogrammen wie Medicaid und Nahrungsmittelhilfe ein. Bedürftige werden oft als „Schmarotzer“ dargestellt, die vom Staat leben, anstatt „hart zu arbeiten“. Die Vorstellung, dass jeder Erfolg durch persönliche Anstrengung erreicht werden kann, wird propagiert – auch wenn strukturelle Probleme ignoriert werden. Wer es nicht schafft, wird als faul oder unfähig betrachtet.

Merkmal 11: Kult des Heldentums: Jeder wird ermutigt, ein Held zu sein, oft verbunden mit einem Kult des Todes.​

Trump wird als unerschütterlicher Krieger gegen das Establishment inszeniert: Seine Anhänger sehen ihn als den „einzigen Mann“, der Amerika retten kann. Jede Kritik an ihm wird als „Angriff auf das Volk“ interpretiert.

Bei MAGA-Veranstaltungen gibt es oft religiöse Inszenierungen, in denen Trump mit Jesus oder biblischen Figuren verglichen wird. Einige QAnon-Anhänger glauben, dass Trump eine prophetische Mission hat, um „das Böse“ zu vernichten.

Viele MAGA-Anhänger sehen die Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol als echte Patrioten, die für die Wahrheit kämpften. Die verurteilten Inhaftierten wurden als „Gefangene im Krieg gegen das System“ verehrt. Trump hat zudem die Gefängnisinsassen des Kapitolsturms nicht nur als „politische Gefangene“ bezeichnet, sondern sie mit Tag 1 seiner zweiten Amtszeit vollständig begnadigt. Ashli Babbitt, die bei dem Angriff auf das Kapitol erschossen wurde, wurde zur Märtyrerin stilisiert. Trump bezeichnete sie als „unschuldige Heldin“.

Trump spricht oft von Soldaten und Polizisten als „den großartigsten Amerikanern“. Veteranen und Milizen mit radikalen Ansichten (z. B. die Proud Boys oder Oath Keepers) wurden in die MAGA-Bewegung fest integriert und sie werden als “letzte Bastion gegen eine tyrannische Regierung” benannt. Diese Gruppen seien schließlich bereit, sich für „die Rettung Amerikas“ zu opfern.

Zudem benutzen Trumpisten Begriffe wie „1776“ oder „Bürgerkrieg 2.0“, um anzudeuten, dass gewaltsame Revolution notwendig sein könnte. Steve Bannon und andere rechte Influencer fordern ihre Anhänger auf, sich „auf den Kampf vorzubereiten“. In rechten Telegram- und Twitter-Kanälen wird oft diskutiert, dass „es ohne Gewalt keine Rettung gibt“.

Donald Trump vergleicht sich auch oft mit historischen Figuren, z. B. mit Abraham Lincoln („Ich werde Amerika retten wie er“) und einige seiner Anhänger sprechen von ihm als „Krieger für das Volk“. Die Helden der Konföderation im Amerikanischen Bürgerkrieg werden logischerweise in MAGA-Kreisen oft glorifiziert. Viele MAGA-Anhänger sehen sich sogar als Erben dieser Tradition.

Merkmal 12: Machismo: Faschismus fördert eine Kultur der Männlichkeit und Intoleranz gegenüber nicht-konformen sexuellen Praktiken.​

Trump stellt sich selbst bei jeder Gelegenheit als ultimativen „starken Mann“ dar. In Debatten und Reden dominiert er durch laute, aggressive Sprache und Einschüchterung (siehe die Oval Office Situation mit Selenskji). Er nennt politische Gegner oft „verweichlicht“ oder „nicht männlich genug“.

Trump ist zudem ein verurteilter Sexualstraftäter und äußert sich regelmäßig abfällig und sexistisch gegenüber Frauen. Das historisch berüchtigtes Zitat aus einer TV-Aufnahme lautete: „Wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles tun… Grab ’em by the pussy.“.

Politikerinnen, die sich MAGA widersetzen, werden systematisch beleidigt oder verspottet. So ist Hillary Clinton für ihn eine „Nasty woman“, Stormy Daniels ein „Horseface“ und die Republikanerin Elisabeth Cheney wurde mit zahlreichen Beschimpfungen überschüttet. Sie sei “dumm”, eine “totale Loserin”, eine “verbitterte schreckliche Person”, eine “Verrückte” bzw. “Idiotin”, die nicht mehr “alle Tassen im Schrank habe”. So sagte er auch „Liz Cheney ist ein psychotisches Wrack. Sie ist krank und sollte nie wieder Politik machen.“

Neben den verbalen ständigen Attacken hat Trump den Supreme Court so besetzt, dass das Urteil Roe v. Wade gekippt wurde, wodurch viele Bundesstaaten Abtreibungen verboten haben. Die MAGA-Ideologie propagiert, dass Frauen „ihre natürliche Rolle“ als Mütter und Hausfrauen gefälligst wieder einnehmen sollten. Dass er erfolgreich politischen Druck auf Bulgarien ausübte, um den mehrfach unter Verdacht stehenden Sexualstraftäter und Frauenhass-Influencer Andrew Tate frei zu bekommen (Öffnet in neuem Fenster), hatte ich noch nicht erwähnt, oder?

Merkmal 13: Selektiver Populismus: Das Volk wird als homogene Einheit gesehen, deren Wille vom Führer interpretiert wird.​

MAGA konstruiert eine exklusive Definition von „Amerikanern“ und Trump spricht immer von „den echten Amerikanern“ oder „den Patrioten“ – gemeint sind dabei natürlich ausschließlich seine eigenen Anhänger, die vornehmlich als weiß, konservativ, christlich definiert werden. Demokraten, liberale Wähler, Migranten oder andere Minderheiten gehören hingegen nicht zu diesem „Volk“. Zugleich pflegt Trump einen Führerkult, indem er sich als einziger wahrer Vertreter des amerikanischen Volkes darstellt. So sagte er, dass er nur deshalb bei dem Attentat auf ihn mit dem Leben davon kam, damit er die USA retten könne. (Öffnet in neuem Fenster)

Auf der anderen Seite behauptet Trump immer wieder, dass jeder, der ihn kritisiert, nicht das „wahre Amerika“ repräsentiert. Republikaner, die sich gegen ihn stellen (z. B. der ehemalige Vizepräsident unter Bush Dick Cheney), werden als „RINOs“ („Republicans in Name Only“) bezeichnet. (Öffnet in neuem Fenster)

Trump behauptete 2020, dass die Wahl nur dann legitim sei, wenn er gewinnt. Seine Anhänger übernahmen diese Haltung: Jede Wahl, die MAGA nicht gewinnt, muss „manipuliert“ sein. Wahlergebnisse, die nicht in seinem Sinne sind, werden als „Betrug“ oder „Lügen“ dargestellt. Seine Anhänger glauben, dass damit das „wahre Volk“ betrogen wurde – egal, was Fakten oder Gerichte sagen.

Merkmal 14: Neusprech: Es wird eine vereinfachte Sprache verwendet, um komplexes Denken zu verhindern.

Trump benutzt eine extrem simple Sprache. Analysen haben gezeigt, dass Trump oft auf dem Sprachniveau eines Grundschülers spricht (Öffnet in neuem Fenster) (sehr kurze Sätze, einfache Wörter). Beispiel: „China bad. America good.“ (über seine Handelspolitik). Komplexe Zusammenhänge werden dabei auf wenige Schlagwörter reduziert. Politische Gegner erhalten abwertende Spitznamen und abstrakte Begriffe wie “Woke Culture” stilisiert er zur universellen Bedrohung.

Trumps Sprache zielt auf Gefühle statt auf Logik. So schreit er oft in seinen Reden („They are DESTROYING America!“), um entsprechende Wut weiter zu verstärken. Seine Social Media Posts sind nicht nur kurz, sondern zudem mit Großbuchstaben („RIGGED ELECTION! STOP THE STEAL!“) zugepflastert.

Er reduziert komplexe politische Debatten auf eine einfache Gut vs. Böse-Rhetorik. So spricht er oft in extremen Gegensätzen: „Patrioten vs. Verräter“, „Wir vs. die Feinde Amerikas“ und Demokraten werden nicht als politische Gegner, sondern als „Feinde des Volkes“ dargestellt.

Er bezeichnet den Klimawandel als „Fake Science“ oder „China-Hoax“. Migration als anthropologische Konstante (und Gründungsmythos des eigenen Landes) bezeichnet er ausschließlich als „Invasion“ oder „Verbrechen“. In der Außenpolitik unterscheidet er lediglich zwischen „Schwache Führer“ und „Starke Führer“.

FAZIT: Faschismus ja oder nein?

Wichtig ist, dass man die Merkmale des Faschismus von Umberto Eco nicht als eine Checkliste ansieht, bei der man am Ende ein eindeutiges Ergebnis erhält. Auch müssen mitnichten alle Merkmale erfüllt sein, um von Faschismus oder faschistischen Tendenzen zu sprechen. Eco regt mit diesen Merkmalen vielmehr an wachsam zu sein gegenüber faschistischer Ideologie, die natürlich mal mehr und mal weniger vehement daher kommt. Und was auch wichtig ist: Man spricht von Faschismus nicht erst dann, wenn die unfassbaren Greueltaten geschehen, die man oft direkt mit den nationalsozialistischen Verbrechen vergleicht. Und nein, Faschismus ist nicht identisch mit Nazismus, sondern vielmehr ist der Nazismus eine faschistische Variante mit dem singulären Merkmal einer besonders grausamen Praktik: Dem Holocaust. Das bedeutet im Umkehrschluss dann aber auch nicht, dass Faschismus erst dann der Fall ist wenn ein singuläres Schreckensereignis wie die Shoah stattfindet.

Ausgehend von der Ausgangsfrage ob Tilo Jung mit seiner Interpretation eines regierenden Faschismus Recht hat, würde ich sagen: Ja! Es liegen jedenfalls alle Merkmale für diese Ideologie vor und wir sehen zugleich, dass die Herrschaftsform des Autokratismus, die in der faschistischen Ideologie fest eingeschrieben ist, gerade Zug um Zug umgesetzt wird. Es hilft nicht hiervor die Augen zu verschließen, weil man sich vielleicht scheut drastische Urteile zu formulieren. Übrigens greift das in der Sendung formulierte Argument “Trump ist kein Faschist, weil er gewählt wurde” natürlich so überhaupt nicht. Faschismus ist eine Ideologie. Demokratie eine Herrschaftsform. Autokratie ist die bevorzugte Herrschaftsform der faschistischen Ideologie. So wie der Nazismus damals über demokratische Wahlen die Macht ergriffen hat, so scheint auch MAGA gerade die Demokratie als Herrschaftsform Zug um Zug abschaffen zu wollen.

Wer es also mit “Nie wieder Faschismus” wirklich ernst meint, bei dem müssten in diesem Jahr wirklich so alle Alarmsysteme aktiviert sein. Von daher ein großes Dankeschön an Tilo Jung, dass er das so deutlich in dieser Sendung in die Debatte eingebracht hat. Denn auch in Deutschland haben wir derzeit Kräfte, die mit dieser Ideologie wieder an die Macht wollen und auch unmittelbar von MAGA unterstützt werden (siehe JD Vance Musk und die AfD).

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