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Schottische Schlachtfelder

Geschichte •• Ausflugsziele •• Hier standen sich einst feindliche Heere gegenüber: Heutzutage kämpfen Denkmalschützer auf den alten, schottischen Schlachtfeldern gegen Bauanträge und Infrastrukturprojekte – und gegen das Vergessen.

Im ehemaligen Rathaus der kleinen Gemeinde Prestonpans östlich von Edinburgh wurde gerade ein neues Museum eröffnet. „Es war ein hartes Stück Arbeit, doch die Mühe hat sich gelohnt“, sagt Arran Johnston vom Scottish Battlefields Trust. Das Museums-Projekt diene nun als Vorbild für zahllose andere Städten und Gemeinden: „Prestonpans hat Modellcharakter für ganz Schottland.“

Der Name Prestonpans steht in Schottland stellvertretend für eine der bedeutsamsten Schlachten des 18. Jahrhunderts. „The Battle of Prestonpans“ im Jahr 1745 markiert den Beginn des letzten großen Aufstands der Highlander gegen den englischen König. Über die Schlacht ist in Geschichtsbüchern nachzulesen, sie ist Gegenstand des Schulunterrichts in Schottland; jahrhundertelang hatte das ehemalige Schlachtfeld Bestand - allen Neubausiedlungen und Straßenneubauten zum Trotz, die das Umland veränderten.

Doch dem historischen Erbe der Region drohte zuletzt das Aus. In der kleinen Stadt in East Lothian prallten verschiedene Interesse geradezu beispielhaft aufeinander: Infrastrukturprojekte und die industrielle Nutzung rückten immer näher an die historischen Stätten heran und bedrohten ihren Fortbestand.

Prestonpans ist kein Einzelfall. Im Jahr 2014 wurde daher die Vereinigung Scottish Battlefields Trust gegründet, die sich für den Erhalt der alten Schlachtfelder in Schottland engagiert. „Die Lage muss sich unbedingt verbessern“, sagt Johnston.

Dabei ist die Rechtslage eigentlich klar: Das Denkmalschutzamt Historic Scotland führt eine Liste von 40 Stätten, die von nationaler Bedeutung sind und daher als besonders schützenswert gelten. Doch die Praxis sieht vielerorts anders aus. Das zeigte sich zuletzt in Culloden nahe der Stadt Inverness in den Highlands.

So, wie Prestonpans den Anfang des Aufstands der Highlander markiert, steht Culloden für dessen Ende: Am 16. April 1746 trafen die Highlander mit ihrem Anführer Bonnie Prince Charlie bei Culloden auf das englische Heer. Die Schlacht endete mit einer Niederlage für den schottischen Prinzen. Die Highlands wurden fortan von London aus dominiert, und die traditionelle Lebensweise der Clans ging zu Ende.

Ein viel besuchtes Besucherzentrum nahe Inverness erinnert an diesen für Schottland schicksalhaften Moment. Felsbrocken mit den Namen der an der Schlacht beteiligten Clans markieren die Standorte von Massengräbern.

Inzwischen allerdings wurden Bauanträge für Wohnsiedlungen und Ferienappartements eingereicht. Das sei ein Weckruf gewesen, sagt Johnston. „Wenn es uns nicht gelingt, Culloden zu schützen, dann ist hier nichts mehr heilig.“

Der bisherige Schutz der historischen Flächen hat sich aus Sicht von privaten Denkmalschutz-Gruppen als unzureichend erwiesen. Kleine, örtliche Bürgerinitiativen mussten gegen große Projekt- und Bauentwickler antreten und waren damit sowohl finanziell als auch personell überfordert. Der Trust wünscht sich daher eine Rechtsänderung, die Bauplanern das Leben schwerer machen würde. Eine entsprechende Petition wurde allerdings unlängst vom schottischen Parlament abgelehnt.

Dabei wollen sich Anwohner und Geschichtsinteressierte der Zukunft gar nicht verschließen. Die alten Schlachtfelder könnten als kommunale Grünflächen oder Orte der Erinnerung und nicht zuletzt als touristische Sehenswürdigkeit eine neue Bestimmung erhalten. „Wir wehren uns nicht gegen jedweden Bauantrag“, sagte Clea Warner vom National Trust mit Blick auf die Baupläne für das Schlachtfeld von Culloden. Es gelte lediglich, die schleichende Landnahme und die optische Veränderung der Stätte zu verhindern.

Das Bewusstsein für die geschichtsträchtigen Orte in Schottland ist hoch. Sie prägen die Identität des Landes und tragen zum Nationalgefühl vieler Schotten bei. Das zeigte sich zuletzt beispielhaft in der Ortschaft Golspie in der Grafschaft Sutherland an der Nordostküste.

Golspie liegt an der Strecke der Klassiker-Autorundtour North Coast 500. Künftig soll im Ort ein Monument an die Schlacht von Littleferry aus dem Jahr 1745 erinnern. Auch ein ausgewiesener Informations-Pfad über das einstige Schlachtfeld ist geplant. Zur Einweihung des Monuments seien viele Anwohner gekommen, sagt Johnston. Es gebe genügend Menschen, die sich für die Geschichte vor ihrer Haustür interessierten. Man müsse ihnen nur die Sorge nehmen, dass der Erhalt der alten Stätten Geld und Zeit koste.

Nach dem Scheitern der Petition sucht der Trust nun nach anderen Wegen, das Gedenken an die alten Schlachtfelder wach zu halten. Er dokumentiert beispielsweise Anwesen, die in Zukunft wenigstens auf der offiziellen Liste der Denkmalschützer stehen sollten. Dazu zählt für Johnston das Schlachtfeld von Ancrum Moor im südschottischen Jedburgh, das aus dem 16. Jahrhundert stammt.

Der englische König Heinrich VIII. wollte damals aus machtstrategischen Gründen unbedingt seinen Sohn mit der schottischen Prinzessin Maria Stuart verheiraten und schickte dazu gleich eine ganze Armee nach Norden. In Schottland war man von dieser „ruppigen Brautschau“ (Rough Wooing) wenig angetan. Im Jahr 1545 kam es zu Schlacht.

Johnston hofft, dass sich künftig mehr Menschen für ihre lokale Geschichte engagieren und ihre Bedeutung erkennen. „Wir reden hier nicht nur von historischen Stätten, sondern auch von Symbolen der

Aussöhnung und Verständigung“. Diese seien angesichts der aktuellen Kriegslage in Europa wichtiger denn je.

Der Scottish Battlefields Trust hat auf seiner Website eine Liste mit schützenswerten, historischen Schlachtfeldern zusammengestellt. scottishbattlefields.org

Die Schlacht von Prestonpans

Anno 1745

In den Jahren 1745 und 1746 unternahmen die Schotten unter ihrem Anführer Bonnie Prince Charlie einen letzten Versuch, ihren eigenen König an die Macht zu hieven, denn sie wollten nicht länger von London aus regiert werden. Die Schlacht von Prestonpans war die erste große Schlacht dieses Aufstands und endete mit einem Sieg der Highlander. Daran erinnert ein neues Museum, das im Jahr 2022 in der Stadthalle von Prestonpans eröffnet wurde. Die kostenfreie Ausstellung ist familienfreundlich ausgerichtet. Sie zeigt u.a. zeitgenössische Berichte sowie Waffen, die auf dem Schlachtfeld gefunden wurden. Im Oktober 2022 ist eine Sonderausstellung über die Wikinger zu sehen. battleofprestonpans1745.org

Pinkie Cleugh

Anno 1547

Der englische König Heinrich VIII. hatte sechs Ehefrauen, von denen die Hälfte die Ehe nicht überlebten. Er war auch sonst in Heiratsdingen nicht zimperlich. So hatte er sich in den Kopf gesetzt, dass sein Sohn unbedingt die schottische Prinzessin Maria Stuart heiraten sollte. Doch daran bestand von Seiten der Schotten kein Interesse. Also rückte Heinrich VIII. zur Brautwerbung mit einer ganzen Armee an. Am 10. September 1547 kam es an den Ufern des Flüsschens Esk in Musselburgh, einem heutigen Vorort von Edinburgh, zur Schlacht. Dort traf die moderne englische Armee auf Kontrahenten mit Ausrüstung wie aus dem Mittelalter. Die Schlacht von Pinkie Cleugh endete mit einer vernichtenden Niederlage für die Schotten. Maria Stuart bekam Heinrich VIII. trotzdem nicht: Sie wurde heimlich nach Frankreich geschmuggelt.

Stirling Bridge

Anno 1297

Der Fluss Forth plätschert bei der Old Stirling Bridge gemächlich dahin. Nur wenige Meter stromaufwärts wurde im Jahr 1297 eine wichtige Schlacht geschlagen: Der schottische Freiheitskämpfer William Wallace besiegte dort das Heer des englischen Königs Edward I. Die Hollywood-Filmstudios verfilmten diese Geschichte mit Mel Gibson als William Wallace in der Hauptrolle. („Braveheart”). Die Schlacht war von weit reichender Bedeutung. Sie läutete nach Ansicht von Historikern das Ende des Mittelalters auf den britischen Inseln ein. Die Old Stirling Bridge ist eine beliebter Aussichtspunkt. In der Ferne ist der Turm des Wallace Monuments zu sehen, das dem schottischen Freiheitskämpfer gewidmet ist.

Bannockburn

Anno 1314

Es waren wahrlich zwei ungleiche Gegner, die im Jahr 1314 im Flüsschen Bannockburn ADD in den Highlands aufeinander trafen: Auf der einen Seite standen die Schotten mit ihrem Anführer Robert the Bruce, auf der anderen Seite die um ein Vielfaches überlegene Armee des englischen Königs Edward II., der Schottland seinem Reich einverleiben wollte. Die Schlacht dauerte zwei Tage, und endete mit einem Sieg für Robert the Bruce. Das machte ihn zum unangefochtenen Anführer der Schotten. Wenige Schlachten haben den schottischen Nationalstolz derart beflügelt. Zum 700. Jahrestag im Jahr 2014 wurde unweit des Schlachtfelds ein Besucherzentrum eröffnet. nts.org.uk

Culloden

Anno 1746

Ein Besucherzentrum unweit der Stadt Inverness informiert über die dramatischen Ereignisse jener Tage, als der schottische Prinz Bonnie Prince Charlie den englischen König zu einer letzten großen Entscheidungsschlacht herausforderte. Danach war in den Highlands nichts mehr wie zuvor. Die traditionelle Lebensweise der Clans wurde für lange Zeit unterdrückt. Große Felsbrocken auf dem ehemaligen Schlachtfeld erinnern an die Namen der Gefallenen: Culloden war die letzte Landschlacht, die jemals auf britischem Boden ausgetragen wurde. Sie endete mit einer vernichtenden Niederlage für die schottischen Clans, von der sich diese nie wieder erholten. nts.org.uk

Killiecrankie

Anno 1689

Der Schreck muss riesengroß gewesen sein: Im Jahr 1689 jagten aufständische Schotten die Soldaten des englischen Königs unweit des Ortes Killiecrankie durch die bewaldeten Hänge. Der Anblick der heranstürmenden Schotten war wohl derart furchteinflößend, dass sich ein englischer Soldat ein Herz fasste und mit einem gewaltigen Sprung über den Fluss Garry hinwegsetzte, um sich am anderen Ufer in Sicherheit zu bringen. Ein kleines Besucherzentrum und Café direkt an der Landstraße B8079 erinnert an den „Leap of Killiecrankie”, wie der gewagte Sprung genannt wird. Schautafeln informieren über die Tiere und Pflanzen der Umgebung. Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, kann am Flussufer entlang spazieren und der schottischen Geschichte nachspüren.

Battle of Aberdeen

Anno 1644

Es wird viel berichtet über die Schlachten zwischen Engländern und Schotten, und dabei wird oft vergessen, dass sich die Schotten untereinander auch nicht immer wohlgesonnen waren. In den Jahren 1639 bis 1653 herrschte ein Bürgerkrieg. In diesen Zusammenhang gehört auch die Schlacht von Aberdeen im Jahr 1644. Dort kämpften die Unterstützer des Königs Charles I. gegen die Anhänger des Parlaments. Auch religiöse Reibereien spielten eine wichtige Rolle. Hierfür bestimmend waren die so genannten Convenanter, eine protestantische Bewegung, die Politik und Religion mischte. Charles I. wurde schließlich im Jahr 1649 hingerichtet, und England erklärte sich zur Republik unter Oliver Cromwell.

The Battle of Flodden

Anno 1513

An Auld Alliance – eine alte Allianz verband lange Zeit Schottland und Frankreich. Sie wurde im Jahr 1295 erstmals besiegelt. Beide Staaten wollten mit einer engen militärischen und diplomatischen Zusammenarbeit England im Zaum halten. Doch diese Allianz sorgte dafür, dass Schottland im Jahr 1513 in einen Krieg hineingezogen wurde, den es nur verlieren konnte. Als Heinrich VIII. die Hand nach Frankreich ausstreckte, fühlte sich der schottische König James IV. an den alten Treueeid gebunden. Er eilte zur Hilfe und marschierte nach England ein. Bei der darauffolgenden Schlacht von Flodden nahe der englisch-schottischen Grenze fielen er und mit ihm ein großer Teil seiner Armee. Die Verluste waren so gewaltig, dass sie in den Folgejahrenzu politischen Verwerfungen in Schottland führten

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