Queer Cinema Kinocharts 2020

Am Dienstag hat die Filmförderungsanstalt die Kinobilanz 2020  veröffentlicht. Erwartungsgemäß ist die Anzahl der Kinobesucher in  Deutschland dramatisch eingebrochen. Anlass genug das Abschneiden von  Filmen mit schwulen, lesbischen, bisexuellen, trans* und queeren Figuren  an der Kinokasse zu analysieren.

Johannes Jarchow | 4.3.2021

Die  beiden coronabedingten Kino-Shutdowns ab Mitte März bis Mai und ab  November bis heute und die deutliche Reduzierung der maximalen  Auslastung durch die Abstandsregelungen haben tiefe Spuren in der  Kinolandschaft hinterlassen. 2020 gab es rund 38,1 Mio. Kinobesucher.  Das sind 80,5 Mio. weniger als 2019 (-68 %). Der Umsatz brach um 706  Mio. Euro ein (-69 %). Wieviele Spielstätten die Einbußen überleben ist  noch unklar. Offiziell haben 6 Kinos dicht gemacht. Unter anderem das  traditionsreiche Collosseum in Berlin, welches seit den 1920er Jahren  betrieben wurde. Immerhin, weil zahlreiche Blockbuster ausfielen, stieg  der Marktanteil deutscher Produktionen auf den Rekordwert von 35  Prozent. Davon kann das queere Kino natürlich nur träumen.

Während 2019 noch über 700 Produktionen im Kino veröffentlicht  wurden, ging die Zahl 2020 um fast die Hälfte auf 408 zurück.  Erfreulicherweise blieb der Anteil von Filmen mit schwuler, lesbischer,  bisexueller oder trans* Thematik stabil, die LGBT-Quote stieg sogar um  1,1 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent. Allerdings gab es einen  siginifikanten Rückgang von Transgenderfilmen um 7,0 Prozent. Innerhalb  des Queer Cinema kamen Filme mit schwulen Haupt- und Nebenfiguren auf  56,3 Prozent Marktanteil (+5,5 %), lesbische Filme kamen auf 43,8  Prozent (-5,2 %). Die Zahl der Filme mit bisexueller Thematik nahm sogar  absolut zu und kam auf einen Marktanteil von 28,1 Prozent (+13,8 %).  Trans* waren 9,4% aller Queerfilme.

Die kommerziell erfolgreichsten Filme mit queerer (Neben-)Thematik waren ENKEL FÜR ANFÄNGER (0,5 Mio. Zuschauer) mit Heiner Lauterbach als schwulem Großvater, BIRDS OF PREY: THE EMANCIPATION OF HARLEY QUINN*(ebenfalls 0,5 Mio. Zuschauer), THE NEW MUTANTS (167.636 Zuschauer) und JUDY* (152.095 Zuschauer).

Insgesamt  kauften 2020 1,7 Mio. Menschen Kinotickets für einen Film mit queerer  Thematik. Das sind 10,4 Mio. weniger als im Vorjahr. Der Marktanteil der  LGBT-Filme an der Kinokasse fiel auf einen Negativrekord der letzten  vier Jahre von 4,4 Prozent. Das sind 5,8 Prozent weniger als 2019. Eine  ähnlich niedrige Queerfilmquote nach Kinobesuchern haben wir 2013  gemessen, wo der Anteil bei 3,9 Prozent lag.

Und  hier sind die zehn erfolgreichsten Filme mit mindestens einem schwulen,  lesbischen, bisexuellen, trans* und queeren Charakter:

1. Enkel für Anfänger* (532.344 Kinobesucher) 2. Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn* (502.627) 3. The New Mutants (167.636) 4. Judy* (152.384) 5. Narziss und Goldmund (76.103) 6. Berlin Alexanderplatz (53.771) 7. Als wir tanzten (42.248) 8. Futur Drei (32.012) 9. Enfant Terrible (19.566) 10. Kiss Me Kosher (19.188)

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Die  Top Zehn der erfolgreichsten Kinofilme mit schwuler, lesbischer,  bisexueller, trans* und queerer Hauptthematik und damit unsere  offiziellen Queer Cinema Kinocharts 2020 sieht wie folgt aus. Auf den  ersten Platz hat es euer Gewinner des DRAMAqueen USERawards 2020 geschafft. Ein doppelter Erfolg für Edition Salzgeber, die ALS WIR TANZTEN synchronisiert in die Kinos brachten. Glückwunsch!

Queer Cinema Kinocharts 2020

1. Als wir tanzten (42.248 Kinobesucher) 2. Futur Drei (32.012) 3. Enfant Terrible (19.566) 4. Kiss Me Kosher (19.188) 5. Kokon (12.147) 6. Ema* (10.549) 7. Wir beide (11.006) 8. Stage Mother (2.103) 9. Uferfrauen - Lesbisches L(i)eben in der DDR (1.666) 10. Im Stillen laut (1.407)

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