Der Newsletter | 01.22

Willkommen zur Premiere!

Dies ist dann der erste Newsletter von prompd.news – mit neun Blips aus unterschiedlichen Forschungsbereichen. Wir haben das ausgewählt, was aus unserer Sicht momentan für das Design besonders interessant ist. Ein kleiner Querschnitt also aus der großen Welt der Innovation – bzw. der Innovationsmöglichkeit. Denn neue Erkenntnisse machen ja bekanntlich noch keine Innovation. Dazu bedarf es mehr – zum Beispiel des Designs, das den Transfer in die Anwendung wuppt.

Eine Bitte an dieser Stelle: Schicken Sie den Newsletter weiter, wenn der Inhalt Sie überzeugt. Gefällt Ihnen unsere Auswahl nicht, dann kritisieren Sie uns hemmungslos. Schreiben Sie uns! Schließlich wollen wir ja besser werden.

Den nächsten Newsletter schicken wir Ihnen Ende Februar.

Bis dahin alles Gute, bleiben Sie gesund und inspiriert. Es grüßt Armin Scharf

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BLIP 1 > WERKSTOFFE

Taugen Rezyklat-Kunststoffe?

Funktionelle Bauteile aus Kunststoffen lassen sich durch Rezyklate ersetzen – wenn man es richtig macht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Darmstädter Fraunhofer-Institutes LBF. Zusammen mit Bosch und Bosch-Siemens-Hausgeräte untersuchte man, ob ein aus Rezyklaten hergestellter Spülmaschinen-Basisträger dauerhaften Anforderungen standhält. Dieses rund zwei Kilogramm schwere Bauteil nimmt wichtige Aggregate auf, fixiert die Seitenwände und über zwei dicke Zapfen auch die Frontklappe. Genau diese beiden Elemente hatte man bei den Prüfungen besonders im Blick. Das Rezyklat stammt von Gehäusen ausgedienter Autobatterien und wurde mittels Additiven in Festigkeit und Optik verbessert.

Probekörper, die man 100.000 Belastungszyklen unterzog, zeigten keine Unterschiede zu Neumaterial. Vor allem bezüglich der plastischen Verformbarkeit verhielt sich Rezyklat und Neumaterial gleichwertig. Auch die reale Anwendung wurde geprüft, die Belastbarkeit der Zapfen unterschieden sich nur in Nuancen.

Das Potenzial? Bei einer Jahresproduktion von 3 Millionen Spülmaschinen, so das LBF, spart man 2.500 Tonnen Rohöl.

www.lbf.fraunhofer.de

Foto: Ursula Raapke / Fraunhofer LBF

BLIP 2 > TERMINTIPP

Kunststoffe im Kreislauf?

Die Kunststoffwirtschaft steht unter Druck – zukünftig wird nur erfolgreich sein, wer sich aktiv für die Kreislaufführung engagiert und das Ziel der CO2-Neutralität ernst nimmt. Das Technologieland Hessen informiert am 1. Februar mit einem Halbtages-Event, bei dem sowohl das Wuppertal-Institut wie auch Unternehmen Einblicke in die Kreislaufwirtschaft bieten.

Kunststoff – Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

01.02.2022 | 13:00-17:00 | kostenlos, online https://www.technologieland-hessen.de/termine/kunststoff-kreislauf

BLIP 3 > KI

Kamera-Schuh statt Blindenstock

Das niederösterreichische Unternehmen Tec-Innovation hat mit „InnoMake“ bietet Sehbehinderten und Blinden einen Schuh an, der mittels Ultraschall-Sensoren per Vibration oder Akustik vor Hindernissen warnt. Allerdings liefert „InnoMake“ bezüglich Art und Richtung des Hindernisses keine Informationen. Das soll in Zukunft eine kamerabasierte Weiterentwicklung tun. Dafür hat das Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen der TU Graz nun Deep-Learning Algorithmen entwickelt, die Kamerabilder aus der Schuhspitze analysieren und Hindernisse klassifizieren. Dank leistungsstarker Prozessoren arbeiten die komplexen KI-Algorithmen auch in mobilen Devices. Während Tec-Innovation an einem entsprechenden Schuh-Prototypen arbeitet, denkt man an der TU bereits weiter: Die gesammelten Erkenntnisse sollen in einer speziellen Navigationskarte zusammengeführt werden und so per Schwarmwissen möglichst vielen Sehbehinderten im Alltag helfen.

https://www.tugraz.at/institute/icg/home/

Foto: TU Graz

BLIP 4 > TEXTILIEN

Energie aus Körperwärme

Am Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT) in Jena arbeitet man zusammen mit der Weimarer ITP GmbH sowie dem spanischen Textilproduzenten E. CIMA an einem thermoelektrisch ausgerüsteten Textil. Die Dünnfilmbeschichtung aus aluminiumdotiertem Zinkoxid ertüchtigt textile Gewebe dazu, aus der Differenz zwischen Haut- und Umgebungstemperatur entsprechend des Seebeck-Effekts Strom zu produzieren. Die Leistungen sind zwar gering, doch reichten sie laut den Forschenden aus, um Akkus zu laden und Gesundheits-Wearables zu versorgen.

Umgekehrt können die Textilien per Peltier-Effekt auch aktiv kühlen. Bei Versuchen ließen sich Temperaturen um bis zu 12° C reduzieren, damit bieten sich für Schutzkleidungen ganz neue Perspektiven. Denn die Textilien sind anders als bisherige Kühlwesten leicht, flexibel und luftdurchlässig, bieten als hohen Tragekomfort. Dieser Kühleffekt ist auch für medizinische Anwendungen oder für Transportszenarien interessant.

www.leibniz-ipht.de

Foto: Leibniz IPHT

BLIP 5 > 3D-TECHNOLOGIEN

Mikro-Optiken neu produzieren

Mit der 3D-Mehrphotonen-Lithografie lassen sich optische Bauteile samt Blenden im Submillimeterbereich herstellen. Entwickelt am 4. Physikalischen Institut der Uni Stuttgart, wird die Technologie nun von der ausgegründeten Printoptix GmbH weiterentwickelt. Das Verfahren ermöglicht beispielsweise Optiken mit Durchmessern von 125 Mikrometern, die dann in Mikro-Endoskopen für kardiologische Untersuchungen zum Einsatz kommen. Die Bandbreite reicht von Optiken zwischen 10 um und 2 mm Durchmesser, die mit unterschiedlichsten Substraten (LEDs, Sensoren, optische Fasern) kompatibel sind. Die Produktionskosten orientieren sich dabei nicht automatisch an der Komplexität der Optik.

www.printoptix.com

Foto: Printoptix

BLIP 6 > TERMINTIPP

Biokunststoffe und anderes

Rund um den aktuellen Stand in der Entwicklung und Anwendung biobasierter Kunststoffe und Recyclingstrategien informiert das Fraunhofer CCPE am 24. Februar im Halbtages-Online-Workshop „Kunststoffe von morgen – wie sollen sie sein?“. Anmeldeschluss: 17. Februar

24.02.2022 | 14:00-16:00 | online

https://s.fhg.de/dN2

BLIP 7 > ROBOTIK

Roboterfüße für besseren Halt

Der Fin-Ray-Effekt wurde erstmals vor rund 25 Jahren an Fischflossen entdeckt und anschließend in die technische Welt übertragen. Jetzt wurde der biomechanische Effekt nochmals optimiert: Statt die Querverstrebungen des dreieckigen „Fingers“ im 90-Grad-Winkel zu positionieren, wählten die Forscher der Christian-Albrechts-Unik in Kiel (CAU) viel kleinere Winkel bis hinunter zu 10 Grad. Das Ergebnis ist faszinierend: So konstruierte Greifarme können empfindliche Objekt noch leichter fassen und verbrauchen dabei rund 20 Prozent weniger Energie. Dann machten sich die Forschenden um Prof. Dr. Stanislav Gorb daran, auch Roboterfüße zu entwerfen, die auf runden Untergründen sicheres Fortbewegen ermöglichen. Als Test ließen sie einen sechsfüßigen Roboter auf zwei parallelen Rohren und auf steinigem Untergrund laufen. Während diese Füße noch weiche Materialien nutzen, geht es nun darum, einen Werkstoff zu finden, der einerseits flexibel genug für die Kontaktflächenanpassung ist, andererseits aber robust und langlebig nutzbar ist.

www.sgorb.zoologie.uni-kiel.de

Foto: Poramate Manoonpong

BLIP 8 > WERKSTOFFE

Verpackung aus Verpackungsmüll

Fünf Studenten des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben einen mehrstufigen Recyclingprozess entwickelt, der die einzelnen Materialien von Multilayerverpackungen trennen und neu nutzen kann. Dafür hat das Team im letzten Jahr den „chemPLANT-Wettbewerb“ für junge Verfahrensingenieure gewonnen. Das „RepoPak“ genannte Verfahren nutzt das gewonnene Material zur Produktion gleichnamiger Transportboxen, die stabil, faltbar, sortenrein und vor allem im Kreislauf führbar sind. Die Boxen lassen sich mit Sensoren und Transpondern ausrüsten und auch mit Drohnen ausliefern. Insgesamt bietet das System ein hohes Potenzial für CO2-Einsparung, eine hohe Verwertungsquote des Mülls. Die Box wiederum zeigt gegenüber Einwegkartons ein um 90 Prozent geringeren Energiebedarf. Noch etwas ist interessant: Laut den Berechnungen des Teams würde sich eine Aufbereitungsanlage in 2,5 Jahren amortisieren.

www.kit.edu

Foto: Team RepoPak

BLIP 9 > LESEN!

Strengt euch an!

Der Titel macht stutzig. Und erste recht die Subline „Warum sich Leistung wieder lohnen muss“. Hört sich nach FDP an, ist aber anders gemeint, denn Wolf Lotter wäre nicht Wolf Lotter, wenn er einer althergebrachten Floskel das Wort reichen würde. Nein, Lotter, bekannt aus Brand Eins, definiert in dem schlanken Buch Leistung um. Und zwar vom stupiden, fleißgesteuerten und oftmals sinnentleerten Abrackern hin zu einem motivierenden und engagierten, wirkenden Tun. List sich gut und hurtig. Außerdem fordert es auf, mal nachzudenken. Über sich und um das, was Qualität bedeuten kann – auf allen Ebenen natürlich. Lesen!

Wolf Lotter: Strengt euch an! Ecowin Verlag, 2021, 126 Seiten gebunden, 18 Euro

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