Und was noch? 

Die Tatsache, dass ich Dienstagabends in aller Regel noch nicht weiss, was ich Mittwochmorgens schreibe, ist mir eben - als ich mich für diese Zeilen an den Schreibtisch setzte - erst bewusst geworden. 

Ich habe keine Ahnung, worum es heute gehen wird. Und diese Erkenntnis lässt mich darüber nachdenken, was denn eigentlich meine wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten 35 Jahren sind.

Was ist mir klar geworden, was ist wichtig (für mein Leben), was will ich eigentlich hinterlassen und was möchte ich meinen Kindern mitgeben? 

Hier also heute - auch für mich überraschend - eine Art Mindmap zum How-to-live-happy. 

1. Im Jetzt sein Ja ich weiss, ich bete das wirklich rauf und runter. Gefühlt im jedem einzelnen Text erzähle ich euch, dass es immer nur den jetzigen, gegenwärtigen Moment gibt. Wir können nicht im Gestern leben und auch nicht im Morgen. Diese Erkenntnis ist nicht neu - aber so wichtig, dass man sie sich immer wieder ins Bewusstsein holen sollte.

Du hast einen anstrengenden Morgen, die Kinder schreien und werfen mit Cornflakes nach sich? Der Hund bekommt Durchfall von dem Quark-OSaft-Gemisch, welches das Tischbein herunterquillt und was er dort abgeleckt hat? Egal!! Wird das wirklich in 5 Wochen oder 5 Jahren noch eine Rolle spielen? Oder wirst du nicht viel eher vermissen, wie süss sie damals da saßen, in ihren Pyjamas, unschuldig guckend und dir mal wieder ein Schokobrötchen statt Obst zum Frühstück aus den Rippen geleiert haben? Siehst du? 

2. It's all about the perspective, baby Eine Erkenntnis, die erstmal völlig banal klingt, für mich aber wahrscheinlich den größten Unterschied macht: Die Änderung des Blickwinkel. Und zwar auf zweierlei Weise: Erstens nehme ich immer erstmal an, dass jeder Mensch (!) erstmal gute Intentionen hat - auch wenn er mich gerade nervt. Jeder handelt aus bestem Wissen und Gewissen. Für SICH - nicht gegen mich. Das hilft schon mal sehr, mit mehr Verständnis auch in schwere Situationen zu gehen, bzw. aus diesen Situationen heraus. Und zweitens bedeutet Perspektivwechsel auch anzuerkennen, dass ich zwar nicht immer etwas an einer Situation oder einer Aussage oder einem Streit ändern kann - aber ich kann IMMER ändern, wie ich darauf reagiere. 

3. Verantwortung Das führt mich unweigerlich zum dritten Punkt: Ja, auch wenn es echt manchmal nervt: DU bist IMMER und zu 100% und ausnahmslos für dich selbst und deine Gefühle verantwortlich.

Wenn du dich aus irgendeinem Grund nicht gut fühlst - dann kannst du noch soviel im Aussen ändern - es wird sich im Inneren nichts tun. 

Es ist leicht die "Schuld" im Außen zu suchen - aber es hilft dir nicht.

Und wisst ihr was: Das sind - auch wenn es nicht so scheint - erstmal tolle Neuigkeiten, weil das bedeutet, dass wir die Lösung in uns tragen. Das wir gar nicht im Aussen suchen müssen. Das alles schon da ist, auch das Glück, unabhängig davon, was passiert. 

4. Vergleich killt Apropos innen und aussen: Immer dann, wenn du nicht mehr den Maßstab "Macht es mich selbst glücklich, will ICH es wirklich" für Entscheidungen heranziehst sondern eher: "Wie wirkt das wohl? Das ist besser für xy" (oder anderes) bist du wieder im Aussen statt im Innen. Siehe Punkt 3.

Und das passiert tatsächlich auch immer, wenn du anfängst dich mit anderen zu vergleichen. Er hat ein schöneres Auto? Sie ist viel erfolgreicher im Job? Die Familie wirkt viel glücklicher, während sie entspannt über den Jahrmarkt schlendern? Ja - Vielleicht hat er dafür all seine Ersparnisse aufgebraucht und isst nur noch Nudeln mit Ketchup, sie hat dafür 18 Stunden am Tag gearbeitet und ist echt oft allein und die Familie hatte vielleicht Minuten vorher ein großes emotionales Drama. 

Vergleich bringt keinem etwas. Es macht dich nicht größer andere klein zu machen und es macht dich auch nicht kleiner andere zu glorifizieren. Nochmal: Was zählt bist du und dein Glück, dein Gefühl, dein Innen. 

5.  Makro/Mikro Apropos Außen: Manchmal ist es gar nicht der eigene Tag, der einen in den Wahnsinn treiben möchte, sondern das ganze Drumherum. Pandemie hier, Krieg in Europa (Es ist so unfassbar, so schwer und so falsch, dass mir die Worte fehlen), der Stellenwert der Familien da, Querdenker, Gaspreise, Steuererklärungen, Bürokratie, Daueregen, teure Miete...ersetzt es durch was ihr wollt. Der Weltschmerz fühlt sich machmal allgegenwärtig und erdrückend an. Wie ein riesen Monster, welches dich unter sich begraben möchte.

Dieser Makrokosmos kommt dann noch auf den Mikro-Kosmos, also deine persönliche kleine Welt hinzu. Das Ganze paart sich dann noch mit dem schlechten Gewissen, etwa so: "Ich hab es doch so gut, wie kann ich mich da noch über meinen Kleinscheiss beschweren!"

Aber weisst du: Obwohl es natürlich es unfassbar tragisch und schlimm ist, dass es Kinder gibt, die gerade in Kriegsgebieten Angst haben müssen und verzweifelt sind, darfst du dennoch traurig sein, wenn sich dein Kind z.B. ein Bein bricht weil es vom Baum gefallen ist. Klingt egoistisch und kalt und grausam. Und ist es auch. Es ist eine super priviligierte Sichtweise. 

Aber es bringt eben auch niemanden etwas, wenn dich der Weltschmerz erdrückt. Hilf, wo auch immer du kannst, aber hilf auch (!!!) dir selbst.

6. Wieso ist Veränderung eigentlich so scheisse schwer? Wenn du daran jemanden die Schuld geben willst, dann (Achtung, Punkt 3) deinem eigenen Reptiliengehirn. Wenn du dir jetzt denkst: Wie bitte? Ich erkläre es kurz: Das is der Teil in dir, der - vereinfacht gesagt - noch immer denkt dass gleich ein Säbelzahntiger um die Ecke kommt und dich fressen will und der Teil. der deshalb permanent dagegen ankämpft, dass du die Sicherheit deiner Normalität verlässt. Also sagt es dir immer wieder: "Wie du willst etwas Neues ausprobieren? Etwas anders machen als vorher? Ne ne ne, lass' und mal lieber beim Altbekannten bleiben! Ist sicherer". Also schaue ich erst gar nicht, ob es vielleicht besser wäre, abends statt zu netflixen eine Weiterbildung zu machen. Oder ähnliches. In der Komfortzone ist es sicher, behaglich, warm - und langweilig, einengend und starr. Wir Menschen sind für Veränderung gemacht. Wir wachsen, wir lernen, wir altern. Also - Danke, liebes Reptiliengehirn, du warst sehr nützlich und ich weiss du willst nur das Beste, du weisst es nicht besser. Aber ab sofort übernehme ich. 

7. Trampelpfade Und wie mache ich das? Übernehmen? Ich ändere die Laufwege. 

Also: Ich erzähle mir (zum Beispiel!!) jahrelang: "Ich bin nicht gut genug um ein Weitsprungprofi zu werden! Schließlich bin ich in der Schule mal gesprungen und nur 50cm weit gekommen. Das sind also ja meine Erfahrungen! Und Erfahrungen sind wahr und haben Recht". Nach kurzer Zeit dann wird diese Aussage sicher zu meiner eigenen Wahrheit. Ich glaube sie. Mein Gehirn verknüpft dann: Weitsprung ist gleich Niete. Dieser Pfad ist leicht zu gehen, wie eine gepflasterte oder geteerte Straße im Gehirn. Ich kenne den Weg. 

Trotzdem weitzuspringen oder anzunehmen, dass ich durch Übung gut in Weitsprung werden könnte, ist dann erstmal ein Weg durch unbeständiges Gelände. In etwa ein vermooster Waldweg voller Gestrüpp, durch den man kaum durchkommt. Aber, und hier ist der Punkt: Je öfter ich DIESEN neuen, Gestrüpp-vollen Weg gehe, desto leichter lässt er sich überwinden. 

Durch die Wiederholung weite ich also die Grenzen meiner Komfortzone aus und schaffe Veränderung. 

Der Preis - den es sich aber lohnt zu zahlen, schließlich geht es hier um den Traum Weitsprung-Weltmeiter zu werden (kann durch alle ersetzt werden) - ist dabei eben anzuerkennen, dass die alten Trampelpfade ausgedient haben und die neuen zu erschaffen. Kann eine Menge Arbeit sein. Je nachdem wie tief die Glaubenssätze....ääähhh... Trampelpfade so sitzen. 

Ach, und man braucht dafür Mut. 

8. Vertrauen versus Angst Das Angst kein guter Ratgeber ist sollte inzwischen klar sein. Die Grundlage allen Erfolgs und jeder Veränderung ist also das Gegenteil: Vertrauen. Oder genauer: Selbstvertrauen. 

Die Verbindlichkeit sich selbst gegenüber und der Glaube daran, dass man es schaffen kann, nein WIRD vernichtet automatisch jeden Zweifel und jede Ungeduld. Und auch das ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Ein weiterer - aber sehr wichtiger Trampelpfad. 

9. Leg den Perfektionismus ab Easy as that. Vor ca 10 Minuten wusste ich noch nicht, was hier heute stehen wird. Jetzt bin ich bei Punkt 9. 

Es gibt keinen Perfektionismus. Niemand ist perfekt.

Stell dir mal vor du würdest nie Fehler machen? Wie langweilig wäre das? Und wie sehr würde das (zum Beispiel) deine Kinder unter Druck setzten (alles immer richtig machen zu müssen)? 

Lass Erfahrungen zu. Fehler oder Neustarts sind keine Schande. Es gar nicht erst zu versuchen schon eher: Reue ist schlimmer als Scheitern.

10. Triff deine Wahl! Ich höre schon die Stimmen: Ist das echt eine Erkenntnis? Die Antwort ist: Hell, yes!!!! 

ENTSCHEIDE dich! Und damit meine ich nicht Dinge wie: "Ziehe ich den roten oder blauen Pulli an?" ....sondern entscheide dich, wie du leben willst. 

Wie will ich mich fühlen? Wer oder was will ich SEIN (nicht haben!!!) Heute? In diesem Moment? Und dann immer wieder, Tag für Tag, Schritt für Schritt.

Setze klare INTENTIONEN. Ich will jetzt glücklich sein, also ENTSCHEIDE ich mich es zu sein und handle so, dass ich es werde. Ich treffe quasi immer wieder die Entscheidung diese eine Sache zu machen, die dafür sorgen wird, dass ich auch in Zukunft noch glücklich bin.

Die Frage ist: Was kann ich jetzt tun um dahin zu kommen, wo ich hin will? 

Das bedeutet Intentionen zu setzen. Und das ist nicht zu unterschätzen, weil es uns gleichzeitig JETZT und MORGEN ans (selbstgewählte) Ziel bringt. 

11. DANKE Der Stellenwert von Dankbarkeit ist eigentlich die wichtigste Erkenntnis überhaupt. 

Ich bin JEDEN einzelnen Tag bewusst dankbar dafür, was das Leben mir schenkt. Selbst an den beschissensten Tagen. 

Es gibt immer etwas, wofür man danken sollte. Allein die Tatsache, dass ich morgens wieder meine Augen öffnen durfte und einen weiteren Tag habe. Oder dass ich ein warmes Bett habe. Für all meine Möglichkeiten. Für ein Lächeln.

..die Liste ist schier unendlich. Und auch dafür bin ich dankbar. 

Diese kleine "Übung" an jedem Tag schärft meinen Blick dafür, was wirklich zählt. Sie verlagert den Fokus hin zum Guten.

Das Dankbarkeit DER Gamechanger ist, ist eine Erkenntnis, die mein Leben wirklich ins Bewusste und Achtsame gerückt hat und dadurch leichter gemacht hat.

Okay, das waren elf Punkte und das hat Spass gemacht. Vielleicht mache ich das bald nochmal. 

Gibt ja noch mehr! Ich mache das weniger um euch von irgendwas zu überzeugen, sondern viel mehr um es mir selbst nochmal klar zu machen. Ihr wisst ja: Ich fasse durch verfassen.

Wichtig ist also: Die Liste ist nicht ausschließlich, es gibt sicher noch viel mehr. Und sie muss auch nicht in jedem Punkt unbedingt für alle gelten.

Ich kann dir nur raten: Schaffe dir deine eigene Liste, deinen eigenen Worte (Übernehmen von meiner ist ausdrücklich erlaubt) und überleg mal, was wirklich für dich zählt.

Und dann erzähl mir gern davon. Ich bin gepannt.

Nur Liebe. 

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