Ankommen und Zurückschauen 

Da ist er schon wieder: Der Dezember. 

Es scheint als sei dieses Jahr, für viele oft eher Fluch als Segen, der laufende Beweis dafür, dass Zeit relativ ist: 2021 wollte und will gefühlt nie enden, dauert schon mindestens 1000 Tage und holt am Ende nochmal alles aus sich heraus. Gleichzeitig ist es verflogen wie ein Wimpernschlag. 

So sehr der Dezember eine Zeit des Wartens ist (Achtung, Klugscheisser Level 5156516: Advent = lateinisch adventus, was soviel wie „Ankunft“ bedeutet), so sehr ist dieser Monat auch gleichzeitig eine Zeit des Rückblicks. 

Predige ich also sonst gebetsmühlenartig, dass es weder sinnvoll ist mit dem Kopf in der Vergangenheit zu hängen noch zu grübeln und die ungewisse Zukunft zu zerdenken, sondern dass einzig und allein das JETZT zählt, so mache ich heute mal eine Ausnahme und möchte zurückblicken und nach vorn schauen. 

Traditionell schreibe ich im Dezember seit vielen Jahren eine Art persönlichen Jahresrückblick. Generell schaue ich dabei immer zwar auch kurz auf die Dinge, die weniger gut liefen...auf alle Erfahrungen und Herausforderungen... aber ich lege meinen Fokus zu jederzeit mehr auf das Gute. Auf die Momente die ich erinnern MÖCHTE. Auf die Momente, die mein Herz gefüllt haben. Auf die Momente, die bleiben.

Ich möchte das Gute aus jedem Jahr mitnehmen in die Zulunft und es so - sozusagen - zur Konstante machen. Diese (von mir bewerteten) Gefühle, Situationen, Momente sollen sich festigen um Nährboden zu werden für mehr. 

Ein Jahr ist ein bunter Strauß aus allen Möglichen, aus Ereignissen, Tagen, Momenten, Gefühlen. Ein Potpourri der Begebenheiten. Die Summe macht uns zu dem, wer wir sind. Also beginnt eigentlich an jedem Tag ein neues Jahr und ein neuer Tag ist immer ein neuer Anfang, der uns zu dem werden lassen kann, wer wir sein möchten.

Rückblick

Wenn ich nun also auf die vergangenen Monate zurückblicke ist es wie auch in den Jahren zuvor: Ich sehe die Herausforderungen (in diesem Jahr natürlich vor allem alles, was das große C mit sich brachte) - aber ich sehe vorallem auch, was ich dennoch geschafft habe. 

Auch wenn sich der Alltag sehr in den Vordergrund geschoben hat, wichtiger und platzeinnehmender war als je zuvor, habe ich es geschafft, wieder regelmäßig eins zu tun.... etwas, das mein großes Ventil und meine  Leidenschaft ist: Schreiben.

Mit (oder durch) diese Worte habe ich soviel lernen dürfen. 

Ich habe wahnsinnig viel gelernt über mich selbst, mein Selbstbild. Über Selbstliebe. Überforderung. Die Mutterrolle. Mentalload. Das Verantwortung abgeben manchmal schwieriger ist, als sie zu tragen. Es war (wieder) ein Jahr der Weiterentwicklung. Des Wachstums. Der persönlichen Entwicklung. Es hat mich in vielen Entscheidungen beeinflusst und ja, weitergebracht.

Wie jedes Jahr es eben tut. Wie jeder Tag es macht. Oder machen sollte.

Wir Menschen sind dafür gemacht zu wachsen. Wie alles andere um uns herum. Die Veränderung ist unausweichlich, Teil des Lebens, Teil des Seins. So wie die Jahreszeiten und der Wechsel von Tag und Nacht so müssen wir wachsen, um zu sein. 

Apropos wachsen: Auch meine Töchter sind so sehr gewachsen. In jeder Beziehung. Sie sind beide längst keine Babys mehr und entwickeln sich so rasant, dass ich sie - sollte es so weiter gehen - im nächsten Jahr zu einem Studium der Atomphysik anmelden muss und nach eigenen Wohnungen suchen.

Ihre Mama zu sein ist das Größte. In jedem einzelnen Jahr. 

An dieser Stelle sei übrigens gesagt, dass wir alle, wir Eltern einfach unglaubliches geleistet haben. Wir haben organisiert, weiter gemacht wenn nichts mehr ging, verstanden, aufgefangen, getröstet, gerettet und durchgehalten. Wir sind (für unsere Kinder) wahnsinnig stark. Wir dürfen stolz auf uns sein. Immer. Und in einer Pandemie ganz besonders. 

Seit diesem Jahr bin ich offiziell das, was ich eigentlich schon immer war. Autorin. Ich bin auch beruflich gewachsen, in allen Sinnen des Wortes. 

Ich bin das vierte Mal Tante geworden.

Ich hab einmal mehr an jedem Tag meine Zeile festgelegt und beginne in jedem Moment Stück für Stück näher zu kommen. 

Ich habe wunderbare Gespräche geführt und für mich epische Erinnerungen geschaffen. 

Es war ein langes Jahr. Mit Höhen und Tiefen. Eben wie jedes Jahr.

DAS möchte ich mitnehmen. Das Schöne, das Gute. Mitnehmen in jeden neuen Tag, in das neue Jahr, in jedes neue Jahrzehnt.

Deshalb gibt es auch nur einen einzigen

Vorsatz für das neue Jahr (und jeden Tag):

Ich möchte insgesamt immer versuchen die beste Version von mir selbst zu sein. Ich möchte immer weiter daran arbeiten mich zu verbessern.

Denn man kann eben immer nur bei sich selbst anfangen und so versuchen, das eigene Glück in die Welt hinauszutragen - um es eben zu verschenken.

Und ja natürlich, das klappt mal besser und mal schlechter. Und ja - es gibt Tage an denen ich mich abends selbst verurteilen könnte für die Art, mit der ich mit meinem Mann gesprochen habe. Oder dafür, welche Fehler ich im Umgang mit den Kindern hätte vermeiden sollen.

Aber ich weiss letzlich, dass perfekt nicht möglich ist und ich versuche daher mir selbst zu verzeihen und es dann einfach beim nächsten Mal besser zu machen.

Das ist alles was bleibt.

Ich nehme mir also vor, 

dass ich mich immer noch stundenlang über die schönen roten und lila Farben am Himmel freuen kann, morgens und abends, wenn die "Engel Kuchen backen".

dass ich immer noch einen kleinen Zuckerschock bekomme und schier ausrasten könnte, wenn meine Kleine so unfassbar niedlich "Stern-Nuppe!" ruft. Sie kann das Wort Sternschnuppe natürlich auch richtig sagen, aber sie macht diesen Spass immer. Nur, um mir eine Freude zu machen.

dass ich weiterhin stundenlang meiner Großen zuhören könnte, wenn sie erzählt, was die Pferde und Feen auf ihren selbstgemalten Gemälden gerade machen und wieso.

dass ich es weiterhin so sehr genießen kann im Kreis meiner Familie zu sein, mit meinen beiden Nichten, meinen zwei Neffen, Bruder, Schwester, Eltern und weiterhin soviel Spass habe.

dass ich meine Freunde so oft wie möglich sehen, sofern dies eben möglich ist und mit ihnen lachen kann.

dass ich weiterhin genau weiss, was ich vom Leben möchte und schätze, dass ich soviel, eigentlich alles schon habe.

dass ich weiterhin sehen kann, wie priviligiert ich bin und wieviel Glück ich habe so frei leben zu dürfen.

dass mir weiterhin die Möglichkeit bleibt, durch mein Hobby, durch das hier, soviele Menschen zu treffen und kennenzulernen und das es weiterhin immer mehr wird als "nur" ein Hobby: Dass ich weiter erkenne, dass es einen REALEN Wert hat und diesen den Worten gebe. (Übrigens eine DER Erkenntnisse aus diesem Jahr.)

dass ich weiter immer mehr Verbindung statt Spaltung, Einigung statt Vergleich finde. 

dass ich dankbar bin 

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Ach, liebe Leute, es gibt soviel, so viel mehr, was mich zum Lachen gebracht hat und Glück und Liebe geschenkt hat in diesem Jahr. 

Nun, am Ende des Jahres quillt mein Herz über vor Glück, Dankbarkeit und Stolz. Wir stehen da mit einer Familie, für die es sich lohnt alles zu geben und der Loyalität der besten innigsten Freundschaften.

So endet das Jahr genau wie es begonnen hat.

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Und euch allen? Euch wünsche ich nur das Beste für diese Zeit des Ankommens. Für diese Zeit zwischen "Warten auf Neues" und "Rückblick auf Altes". Für das neue Jahr. Glück in euren kleinen und großen Momenten, Gesundheit, Sonnenschein an jedem Tag, schöne Sekunden in jeder Minute und soviel Lebenin euren Tagen, wie es nur geht.

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