Grammatik für die Grundstufe (A1 bis B1) 029 – Ersatzinfinitiv
Herzlich willkommen bei “Lernen mit Uwe”.
Die Grammatik ist das Gerüst einer Sprache. Darum wollen wir gemeinsam die ersten Bausteine der deutschen Grammatik lernen.
In diesen Posts findet ihr Links zu den Videos auf meinem YouTube-Kanal und das Material zu den Videos. Druckt euch das Material am besten aus und bearbeitet es, während ihr das Video nach und nach anschaut. Wenn ihr etwas nicht verstanden habt, könnt ihr euch das Video einfach noch einmal anschauen.

Das Video zu diesem Thema findest du hier:
Grammatik für die Grundstufe 029 – Ersatzinfinitiv
Verben sind „Tu-Wörter“. Sie drücken Handlungen, Vorgänge und Zustände aus. Jedes Verb hat eine Grundform, den Infinitiv. Die Formenbildung des Verbs nennt man Konjugation.
Und wenn wir einen Satz bauen wollen, beugen wir die Verben normalerweise, also wir verändern sie je nachdem, was das Subjekt ist, z.B. ich gehe, du gehst, er geht, usw.
Und wir haben ja schon gelernt, dass wir die Zeiten Perfekt und Plusquamperfekt mit den Hilfsverben „haben“ oder „sein“ und dem Partizip Perfekt des Hauptverbs gebildet werden. Das ist aber nicht immer so. Es gibt auch Möglichkeiten, bei denen wir die Verben im Infinitiv benutzen, also z.B. gehen. Welche das sind, das ist unser Thema heute. In diesen Fällen sprechen wir von dem sogenannten Ersatzinfinitiv. Er ersetzt dann das Partizip Perfekt.
Verwendung/Bildung
Sätze mit Modalverben
Die Modalverben haben wir schon in den Folgen 5 bis 10 kennengelernt. Sehen wir uns nun an, wie wir Sätze mit ihnen bilden.
Hauptsätze im Präsens
Hier kommt das Modalverb auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Das Hauptverb kommt dann im Infinitiv ans Satzende.
Ich muss heute länger arbeiten.
Du möchtest einen Kaffee trinken.
Peter kann gut schwimmen.
Wir dürfen hier nicht parken.
Ihr sollt euer Zimmer aufräumen.
Sie wollen schon fahren?
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze ins Präteritum umformulieren wollen, müssen wir nur das Modalverb ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich musste heute länger arbeiten.
Hauptsätze im Perfekt
Wir haben in Folge 14 gelernt, dass wir das Perfekt mit den Hilfsverben „haben“ oder „sein“ und dem Partizip Perfekt des Hauptverbs bilden. Bei Sätzen mit Modalverb ist das nicht so.
Hier kommt das Hilfsverb zwar auch auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Aber das Hauptverb und auch das Modalverb kommen dann im Infinitiv ans Satzende, zuerst das Hauptverb und dann das Modalverb (Ersatzinfinitiv).
Ich habe heute länger arbeiten müssen.
Du hast einen Kaffee trinken wollen.
Peter hat gut schwimmen können.
Wir haben hier nicht parken dürfen.
Ihr habt euer Zimmer aufräumen sollen.
Sie haben schon fahren wollen?
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze in Plusquamperfekt umformulieren wollen, müssen wir nur das Hilfsverb ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich hatte letztens länger arbeiten müssen.
Sätze mit „nicht brauchen zu“
Das Verb „brauchen“ benutzen wir einmal, wenn mir etwas fehlt, dass ich dringend haben muss. Zum Beispiel: „Ich will einen Kuchen backen. Dafür brauche ich Mehl, Eier, usw.“ Hier gibt es den Ersatzinfinitiv nicht.
Wir benutzen das Verb „brauchen“ aber auch mit der Bedeutung von „nicht müssen“. Zum Beispiel: „Du musst heute nicht arbeiten.“ => „Du brauchst heute nicht zu arbeiten.“ Nur hier gibt es den Ersatzinfinitiv.
Wichtig ist, dass wir das Verb „brauchen“ dann immer mit einer Verneinung oder einer Einschränkung benutzen („nicht brauchen zu“).
Du brauchst heute nicht zu arbeiten.
Peter braucht heute keine Überstunden zu machen.
Wir brauchten uns kaum zu beeilen.
Nebenbei bemerkt:
Das Verb „nicht brauchen zu“ hätte auch gut in die letzte Folge mit dem Thema „Infinitiv mit und ohne zu“ gepasst. Aber heute beschäftigen wir uns sehr viel mit diesem Thema.
Hauptsätze im Präsens
Hier kommt das Verb „nicht brauchen zu“ auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Das Hauptverb kommt dann im Infinitiv ans Satzende.
Ich brauche heute nicht länger zu arbeiten.
Du brauchst keine Überstunden zu machen.
Ihr braucht euer Zimmer nicht aufzuräumen.
Sie brauchen für die Deutschprüfung kaum zu lernen.
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze ins Präteritum umformulieren wollen, müssen wir nur das Verb „nicht brauchen zu“ ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich brauchte heute nicht länger zu arbeiten.
Hauptsätze im Perfekt
Wir haben in Folge 14 gelernt, dass wir das Perfekt mit den Hilfsverben „haben“ oder „sein“ und dem Partizip Perfekt des Hauptverbs bilden. Bei Sätzen mit dem Verb „nicht brauchen zu“ ist das nicht so.
Hier kommt das Hilfsverb zwar auch auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Aber das Hauptverb und auch das Verb „nicht brauchen zu“ kommen dann im Infinitiv ans Satzende, zuerst die Präposition „zu“, dann das Hauptverb und zum Schluss das Verb „nicht brauchen zu“ (Ersatzinfinitiv).
Ich habe heute nicht länger zu arbeiten brauchen.
Du hast keine Überstunden zu machen brauchen.
Ihr habt euer Zimmer nicht aufzuräumen brauchen.
Sie haben für die Deutschprüfung kaum zu lernen brauchen.
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze in Plusquamperfekt umformulieren wollen, müssen wir nur das Hilfsverb ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich hatte letztens nicht länger zu arbeiten brauchen.
Sätze mit „lassen, sehen, hören“
Wie wir in der letzten Folge gesehen haben, benutzen wir bei diesen Verben oft den Ersatzinfinitiv, wenn wir das Perfekt oder das Plusquamperfekt bilden.
Hauptsätze im Präsens
Hier kommen die Verben „lassen, sehen“ oder „hören“ auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Das Hauptverb kommt dann im Infinitiv ans Satzende.
Ich lasse das Auto reparieren.
Du hörst deine Tochter rufen.
Peter sieht seine Mutter kommen.
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze ins Präteritum umformulieren wollen, müssen wir nur die Verben „lassen, sehen“ oder „hören“ ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich ließ das Auto reparieren.
Hauptsätze im Perfekt
Wir haben in Folge 14 gelernt, dass wir das Perfekt mit den Hilfsverben „haben“ oder „sein“ und dem Partizip Perfekt des Hauptverbs bilden. Bei Sätzen mit den Verben „lassen, sehen“ oder „hören“ machen wir das sehr selten so.
Hier kommt das Hilfsverb zwar auch auf die zweite Position, oft hinter das Subjekt. Aber meistens (in Verbindung mit einem anderen Verb) kommen das Hauptverb und auch die Verben „lassen, sehen“ oder „hören“ dann im Infinitiv ans Satzende, zuerst das Hauptverb und zum Schluss die Verben „lassen, sehen“ oder „hören“ (Ersatzinfinitiv).
Ich habe das Auto reparieren lassen. (immer Ersatzinfinitiv)
Du hast deine Tochter rufen hören. (selten: gehört)
Peter hat seine Mutter kommen sehen. (selten: gesehen)
Nebenbei bemerkt:
Wenn wir diese Sätze in Plusquamperfekt umformulieren wollen, müssen wir nur das Hilfsverb ins Präteritum setzen. Alles andere bleibt gleich.
Ich hatte das Auto reparieren lassen.
Lasst uns nochmal kurz zusammenfassen, was wir gelernt haben.
Den Ersatzinfinitiv benutzen wir für Sätze im Perfekt und Plusquamperfekt mit den Modalverben, dem Verb „nicht brauchen zu“ und den Verben „lassen, sehen, hören“.
Übung
Und jetzt wollen wir das Ganze einmal üben.
Ersatzinfinitiv, ja oder nein? – Schreibe die Sätze im Perfekt.
Wir haben hier zehn Sätze im Präsens. Und wir sollen diese Sätze jetzt ins Perfekt umformulieren. Bei einigen Sätzen brauchen wir den Ersatzinfinitiv, aber bei einigen brauchen wir ihn nicht.
1 Ich sehe meine Mutter kommen.
2 Am Samstag lässt Peter sein Auto reparieren.
3 Die Mutter sieht ihre Kinder im Garten spielen.
4 Ali muss die Hausaufgaben für den Deutschkurs machen.
5 Die Nachbarn bleiben auf dem Balkon sitzen.
6 Natascha lässt ihre Haare schneiden.
7 Meine Tochter lernt Klarinette spielen.
8 Unsere Kinder gehen im Winter gerne Schlittschuh laufen.
9 Peter hört seinen Nachbarn jeden Abend laut rufen.
10 Wir können von unserem Hotel das Meer sehen.
Alles richtig? – Sehen wir nach.
1 Ich habe meine Mutter kommen sehen.
2 Am Samstag hat Peter sein Auto reparieren lassen.
3 Die Mutter hat ihre Kinder im Garten spielen sehen.
4 Ali hat die Hausaufgaben für den Deutschkurs machen müssen.
5 Die Nachbarn sind auf dem Balkon sitzen geblieben.
6 Natascha hat ihre Haare schneiden lassen.
7 Meine Tochter hat Klarinette spielen gelernt.
8 Unsere Kinder sind im Winter gerne Schlittschuh laufen gegangen.
9 Peter hat seinen Nachbarn jeden Abend laut rufen hören.
10 Wir haben von unserem Hotel das Meer sehen können.
Das war es bis jetzt von mir. Ich hoffe, dass ich euch hiermit helfen konnte, euer Deutsch zu verbessern und die deutsche Grammatik besser zu verstehen.
Euer Uwe
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