Carearbeit, Erwerbsarbeit, gar keine Arbeit und Vereinbarbeit äh Vereinbarkeit – Ein Blick auf eine Familie, 10 Jahre und drei Kinder
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Familien des 21. Jahrhunderts stehen vor der Herausforderung, Carearbeit und Berufstätigkeit zu vereinbaren. Carearbeit umfasst alle Tätigkeiten, die zur Betreuung, Erziehung und Pflege von Familienmitgliedern leisten – von der Babyzeit, zur Kinderbetreuung bis hin zur Pflege älterer Angehöriger. Diese Arbeit ist oft unsichtbar, überlebenswichtig und wird nicht monetär entlohnt. Als ich mit 20 2006 zum Studieren nach Stuttgart zog, arbeiteten die Mütter meiner neuen Freundinnen “nicht”, die Väter leiteten und arbeiteten in mittelständigen Betrieben oder bei Bosch oder beim Daimler. Da, wo ich herkam, Pirna, Sachsen, Tor zur Sächsischen Schweiz, kannte ich keine einzige Mutter, die nicht arbeitete. Ich habe auch noch nie gehört, dass eine davon das in Frage stellte. Das war DDR-gegeben. So war es. Was ich aber oft hört, von meinen Freundinnen aus Stuttgart, war, dass das gar nicht gehen würde. Arbeit und Kinder in den ersten Jahren. Sie kannten es alle, vorm Mittag von der Schule nach Hause zu kommen und frisch gekochtes Essen auf dem Tisch auf sie wartend. Meine Mutter kam spätnachmittags vom Büro heim. Zum Abendbrot wurde Brot aufgeschnitten und ein paar Scheiben Käse ausgelegt, eine Gewürzgurke dazu, vielleicht eine kleine Tomate, eine Tasse Tee. Den Rest der Zeit war ich auf mich allein gestellt.
“Du wurdest für 95% Deiner Arbeit nicht bezahlt”
Es gibt verschiedene Modelle der Rollenverteilung, wie Carearbeit innerhalb von Familien aufgeteilt wird. Zu den häufigsten gehören:
“Traditionelles” Modell: Die Mutter übernimmt die Hauptverantwortung für die Carearbeit, während der Vater als Hauptverdiener fungiert.
Dual-Earner-Modell: Hier arbeiten beide Elternteile in Vollzeit und teilen sich Carearbeit.
Teilzeit- oder Job-Sharing-Modell: Eltern arbeiten in Teilzeit oder teilen sich eine Anstellung, um mehr Zeit für die Carearbeit zu haben.
Wir haben die ersten sieben Jahre “traditionell” aufgeteilt, allerdings mit Aufgaben, die mein Mann nach Feierabend und am Wochenende übernahm und mit meiner Freiberuflichkeit, die ich on top ausführte und abends/nachts/nach der Eingewöhnung schreibend am Schreibtisch oder Schreibkurse leitend in Bibliotheken stand.
Ich habe diese sieben Jahre klar alles kommuniziert, was ich von meinem Mann brauche, ihm alles vorgegeben, wie er “helfen” kann, mich “über die Unterstützung gefreut”. Oder geärgert, je nachdem wie der Tag mit zwei unter zwei so lief und ob ich nachts geschlafen habe.
“Du wurdest für 95% Deiner Arbeit nicht bezahlt”, hat es mein Mann gestern beim Gespräch, wie wir finanziell weitermachen, so “nebenbei” gesagt.
50:50 auf der Insel
Als unsere Jungs vier und zwei wurden, verlor mein Mann seinen Job, mit dem ersten Lockdown ich meinen – ein toller Zeitpunkt, um zu uns zu kommen, dachte sich unsere Tochter. Kurz bevor sie geboren war, begann mein Mann eine neue Vollzeitstelle. Hier war ich – mit neuem Baby, frisch von der Intensivstation, packte Umzugskisten, fuhr mit Zweiwöchigem für den dritten Geburtstag meines Sohnes auf einen Ponyhof, drei Wochen später für den 5. Geburtstag meines ersten Sohnes in einen Indoorplayground und blickte zwei Wochen darauf in die Augen meines Mannes in unserer neuen Wohnung in Berlin, der sein Handytaschenlampe anmachte, weil keine Glühbirnen an der Decke hingen. Das hatte “ich” wohl nach Babygebären, Geburtstage feiern, Umzug vorbereiten und ausführen, Sperrmüll entsorgen, Wohnungen in Berin besichtigen und auf dem Boden sitzend stillend wohl übersehen.
Ich weiß nicht, wie ich solch Rohbau an mir halten konnte. Wie ich da reingerutscht bin, solche Entscheidungen zu treffen, wo ich doch Ruhe gebraucht hätte nach der Klinik. Keinen Umzug. Aber ich glaube fünf Jahre gefühlt allein entscheiden und abrackern, rauben dir dein Gehirn.
Als die Prinzessin krabbelte und klar war, dass unser Sohn auch in die neue Kita nicht wollte, reichte es mir. Das, was ich vorher ohne Murren für uns geregelt hatte, klagte ich nun ein. “Du musst Teilzeit gehen, ich kann nicht mehr!”
Nicht alles haben können
In Deutschland sind circa 80% der Eltern verheiratet, und etwa 16% von ihnen haben das alleinige Sorgerecht. Familiäre Strukturen beeinflussen, wie Carearbeit verteilt und geleistet wird. Mir war jetzt klar: ich will 50:50! Dass das klare Kommunikation erfordert und relativ unemotional ablaufen muss, um zu klappen, ignorierte ich. Ich träumte nur noch davon, dass mir endlich jemand alles abnimmt: das Windeltasche packen, Buggy vorbereiten, Baby, Kleinkinder angezogen, heimlich auf dem Spielplatz weinen oder im Supermarkt, wenn einer Pipi muss nicht auszurasten, wenn das Personal sagt, es gäbe keine Kundentoilette.
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