Recovery Interview Nr.15 mit Lara
Hallo ihr lieben, in dieser Beitragsreihe stelle ich Betroffenen und Angehörigen von psychischen Erkrankungen ein paar Interview-Fragen, wie sie mit den Erkrankungen umgehen, was ihnen hilft und gebe ihnen eine Stimme. Ich bin anna, Selbstbetroffene und freiberufliche Autorin und beschäftige mich mit mentalen Themen. Besonders Recovery, der Weg zur Genesung, Entstigmatisierung und das Meistern des Alltags mit psychischen oder chronischen Erkrankungen, finde ich wichtig. Und zu erkennen: Du bist nicht allein! Diese Reihe ist for free und als Ergänzung zu meinen üblichen Content zu sehen. Ich denke wir können alle viel auch von anderen lernen und mitnehmen.
Wer möchte, kann sich die Interview-Vorlage am Ende des Interviews im SafeSpace runterladen und mir ausgefüllt mit Foto per Mail an good.days.will.come@outlook.de (Öffnet in neuem Fenster) zuschicken. Vielleicht erscheint dein Interview dann auch bald hier.
Heute habe ich Lara im Interview.
Wer bist Du, wo kommst Du her und wie alt bist Du? Wenn Du magst, gebe deine Pronomen an. Und wenn ihr mehrere seid (bezieht sich auf multiple Persönlichkeiten), dann das natürlich auch.
Hey, ich bin Lara, 21 Jahre alt und komme aus Berlin.
Was ist deine Behinderung/Erkrankung?
Ich leide seit über 6 Jahren an verschiedenen psychischen Erkrankungen. Diagnostiziert sind bei mir eine Borderline Persönlichkeitsstörung, Anorexia Nervosa, PTBS, dissoziative Krampfanfälle und eine rezidiverende Depressive Störung.
Würdest Du Deine Erkrankung gerne sichtbar oder unsichtbar machen?
Ich denke grundsätzlich würde ich meine Erkrankungen gerne eher unsichtbar machen, da ich das Gefühl habe, dass sich durch das Wissen über diese Erkrankung oft das Bild verzerrt. Jedoch gibt es auch Momente in denen es hilfreich für andere sein kann, das wie es mir und anderen geht zu verstehen, wenn es sichtbar ist.
Was machst Du beruflich oder wie gestaltest Du deinen Alltag?
Ich bin derzeit Arbeitsunfähig, arbeite derzeit in meinem Alltag aber intensiv daran, wieder arbeitsfähig zu werden.
Wie geht es Dir zur Zeit und was beschäftigt Dich?
Meine Gefühlswelt ist ein Auf und Ab. Eine wilde Achterbahnfahrt. Mich beschäftigen gerade viele wichtige/existenzielle Themen. Zum Beispiel meine Wohnsituation und mein gesundheitlicher Zustand. Aber auch viel die Beziehungen in meinem Leben.Ich bin ehrenamtlich beim DRK tätig, im Sanitätsdienst und Katastrophenschutz. Außerdem mache ich sehr gerne Sport, und wieder Sport machen zu können ist ein Ziel für mich.
Was bedeutet für Dich Recovery? Und wo würdest Du sagen, stehst Du zur Zeit?
Für mich bedeutet Recovery, sich mit dem Auseinander zu setzen, was die Erkrankung ist und so gut wie möglich damit lernen im Alltag zu leben. Außerdem zu akzeptieren dass die Erkrankung bzw Symptome davon möglicherweise ein lebenslanger Begleiter sein werden. Sich sozusagen auf einer gesunden Ebene, mit seiner Erkrankung anzufreunden. Ich selbst denke dass ich auf einem guten Weg bin, ich weiß dass es noch ein langer Weg wird, aber ich bin mir sicher, dass er machbar ist. Ich kann auf vielen Ebenen schon erkennen und akzeptieren aber auf vielen Ebenen fällt es mir noch schwer.
Was ist für dich ein gutes Helfernetzwerk?
Mein Helfernetzwerk besteht aus vielen professionellen Menschen, wie Betreuern und Therapeuten, aber auch einige tolle Menschen in meinem Umfeld sind eine sehr große Stütze für mich.
Am meisten will ich meiner Schwester danken, sie ist und war immer für mich da, obwohl sie meist nicht verstehen kann warum ich denke, fühle und handle, wie ich es tue.
Zu welchem mentalen Thema fehlt Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft?
Ich finde sehr zu dem Thema Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen, das sind zwei eher komplexe aber sehr häufige Themen, die zu oft missverstanden werden.
Wenn Du Skills nutzt: Was sind deine Lieblinge?
Ich arbeite sehr viel mit Achtsamkeit und kognitiven Skills, da man sie immer dabei hat. Aber auch gerne mit Metall Igelbällen und ähnlichen motorischen Skills. Bei Dissoziationen verwende ich auch sehr gerne kühlpacks.
Notfalltasche: Was muss bei Dir immer mit?
Ein kleiner metalligelball, Kaugummis, Notfallnummern, evtl Bedarfsmedikation.
Dein Lebenstraum oder größere Ziele, gibt es da etwas, das Du erzählen möchtest?
Mein Traumberuf ist und bleibt Notfallsanitäterin. Ich liebe das Thema Notfallmedizin und meine bisherigen Erfahrungen unterstützen diesen Wunsch sehr.
An welchen Orten fühlst Du Dich sicher?
Ich fühle mich derzeit nirgends wirklich sicher, wenn man von einem Ort ausgeht, es sind eher die Menschen die den Ort für mich sicher machen.
Was würdest Du Betroffenen (von psychischen Erkrankungen) gerne sagen?
Dass ich weiß, wie es sich anfühlt einen Kampf gegen sich selbst führen zu müssen, aber dass sich dieser Kampf lohnen kann. Er ist hart und alles andere als angenehm, aber welcher Kampf ist das schon? Findet zu euch selbst zurück und erkennt euren Wert, der Weg wird sich lohnen, egal wie lang er sein mag!
Was würdest Du Nicht-Betroffenen gerne sagen?
Gebt den betroffenen Menschen Zeit. Ich weiß es ist schwer Geduld zu haben, vorallem wenn es um jemanden geht, den man liebt. Bietet den betroffenen ein Ohr und eine Schulter, gebt ihnen das Gefühl, dass sie diesen Kampf nicht alleine kämpfen müssen, das kann ihnen schon ungemein helfen. Schaut nicht weg, psychische Erkrankungen SIND REAL.
Was ist dein Mantra oder Spruch, der Dir Kraft gibt?
Ich vergesse schöne Sprüche viel zu schnell haha.
Ich möchte nur mal noch Danke sagen, an alle die psychische Erkrankungen ernst nehmen und versuchen den betroffenen zu helfen, das ist für uns unglaublich wichtig!
Wo kann man Dich finden?
Insta: recovery.lari
Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für deinen weiteren Weg!
Wer möchte, kann sich die Interview-Vorlage am Ende des Interviews im SafeSpace runterladen und mir ausgefüllt mit Foto per Mail an good.days.will.come@outlook.de (Öffnet in neuem Fenster) zuschicken. Vielleicht erscheint dein Interview dann auch bald hier.