Das Motivations-Geheimnis der Pharaonen

Sie erschufen gewaltige Bauwerke. Doch wie waren die Arbeiter in der Lage, solche spektakulären Leistungen zu erbringen? Was hat diese Menschen so außergewöhnlich motiviert?

Die Ägypter stellten alles in den Schatten. Sie vollbrachten Unglaubliches. Mit der Cheops-Pyramide eines der höchsten Gebäude der Welt. An dem Monument allein arbeiteten Zehntausende, rund 20 Jahre lang. Doch wie hält man die Beteiligten bei Laune? Unterdrückung, Zwang und Ausbeutung können ebenso wenig diese grandiosen Ergebnisse erklären wie ausreichende Versorgung und üppige Entlohnung. Wie also motivierten die antiken Bauherren ihre Arbeitskräfte? Des Rätsels Lösung: Die Gottkönige von einst verfügten über eine äußerst effektive Motivations-Strategie …

1. Menschen schaffen Übermenschliches

Der Mensch ist von Natur aus träge. Daher braucht er schon einen guten Grund = Motiv, um aktiv zu werden.

In der Vergangenheit waren das biologische Gründe. Im Laufe der Menschheitsentwicklung kamen immer mehr hinzu – emotionale, territoriale, soziale, kulturelle, religiöse, politische, künstlerische und nicht zuletzt ökonomische. Für was es auch immer sein mochte, eines ist klar:

Nur enorm starke Motive bewegen Menschen zu außergewöhnlichen Taten. Anders ist dieses Phänomen nicht zu erklären.

Immer wieder wachsen wir ganz offensichtlich über uns selbst hinaus. Die Frage ist also:

Was treibt Menschen zu Höchstleistungen an? Wie zum Bau jener gigantischen Gebäude? Nicht nur die alten Ägypter hinterließen der Welt solche spektakulären Monumente. Atemberaubende Objekte aus den früheren Tagen der Menschheit finden sich überall auf dem Globus. Stonehenge. Machu Picchu. Göbekli Tepe. Das Kolosseum in Rom … allesamt ein Wunder menschlicher Schaffenskraft.

Was heute die Technik leistet, musste einst körperliche Muskelkraft erbringen. Man kann sich kaum vorstellen, wie es auf den Baustellen der Antike zugegangen sein muss.

Gängig ist das Bild von mächtigen Herrschern, die mit knallenden Peitschen hunderttausende Sklaven zwangen, die Arbeit zu verrichten.

Aber ist es tatsächlich möglich, durch Unterdrückung und Zwang Menschen zu solchen grandiosen Leistungen anzutreiben – und das über Jahre hinweg?

Hmmm. Viele sind der Meinung, dass nur Außerirdische in der Lage waren, die Pyramiden von Gizeh zu erbauen. Nun ja. Ich denke, es steckt etwas anderes dahinter. Und zwar:

Motivation. Eine Super-Motivation. Ansonsten sind diese Ausnahme-Leistungen nicht zu schaffen.

Beim Pyramidenbau wurden daher auch keine Sklaven eingesetzt, wie man heute weiß. Auch bei anderen historischen Monumenten war das nicht der Fall. Die beteiligten Arbeiter und Handwerker mussten besonders motiviert und loyal sein.

Das ließ mich nicht mehr los. Ich fragte mich:

Steckt hinter den Mega-Bauten tatsächlich eine solche Super-Motivation? Und wenn ja – was ist ihr Geheimnis?

In meinen vielen Reisen, Studien und Gesprächen habe ich verschiedene Hinweise auf diese mysteriöse Super-Motivation gefunden.

Das Rätsel hat sich mehr und mehr gelüftet. Und es verblüffte mich.

Die Super-Motivation besteht aus verschiedenen Faktoren, die eigentlich jeder kennt. Und die heute immer noch aktuell sind. Vielleicht aktueller denn je. Hier erfährst Du sie …

A. „Bedeutung, Ruhm & Ehre“

Bedeutung oder besser Bedeutsamkeit zu erlangen, ist eine wesentliche Triebfeder für menschliches Handeln. Bedeutend zu sein, wird mit Macht, Ruhm, Ansehen, Prestige und Wertschätzung gleichgesetzt. Bedeutsamkeit erreichten historische Machthaber nicht nur durch riesige Armeen, große Siege und ihren Reichtum, sie brauchten auch beeindruckende Ländereien, Schlösser und Burgen. Und wenn sie zudem in Sagen, Legenden und Liedern beschrieben und besungen wurden, hatten sie es tatsächlich geschafft. Neben spektakulären Schlachten, waren also insbesondere Mega-Bauwerke und nicht zuletzt die Kunst geeignete Formen, Bedeutsamkeit zu erlangen und zu festigen.

In Stein und Geschichten verankert zu sein, machte richtig Eindruck. Das hat sich lange gehalten – bis in unsere Zeit. Doch es gibt eine Verschiebung: Protzbauten beeindrucken nicht mehr – gute Geschichten schon.

Die damaligen Herrscher waren bereits ziemlich clever – sie versprachen ihren Unterstützern, eine ähnlich große Wertschätzung zu erfahren. Zudem empfanden es viele schon von sich aus als große Ehre, sich für bedeutende Menschen einzusetzen.

Anteil zu haben an etwas Bedeutendem, ist auch heute noch ein wichtiger Motivationsfaktor.

Das verleiht nämlich das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun, seine Zeit und Kraft nicht zu vergeuden – Sinn, Erfüllung und Anerkennung zu finden. Im Business stellt sich daher die Frage:

Vollbringen Unternehmen etwas Bedeutendes, an dem Menschen teilhaben wollen?

Die Vermittlung einer Bedeutung, die zu einer Super-Motivation führt, basiert nicht mehr auf wirtschaftlichen Versprechen wie „Karriere“, „Einkommen“ und „Incentives“. Auch „Position, Titel und Image“ – ehemals richtige Motivationsbooster – verblassen. Zudem wirkt „Größe“ (des Unternehmens) auch nicht mehr so wie einst.

Die Begriffe „Arbeit“, „Beruf“, „Job“ oder „Karriere“ wirken wie aus einer fernen, bald vergessenen Zeit. Jetzt und in Zukunft geht es um Engagement. Mit Sinn, Bedeutung und Erfüllung.

Denn:

Bedeutung erlangt man heute mit persönlichen, sozialen und ökologischen Themen. Nicht durch wirtschaftliche. Oder unternehmerische.

Menschen wollen sich einbringen, um anderen zu helfen, die Welt zu verbessern und um sich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Das müssen Unternehmen beantworten. Dabei werden jedoch vollmundige Recruiting-Behauptungen und Marketing-Kulissen schnell enttarnt und durchschaut.

Unternehmen müssen sich sehr genau überlegen, wie sie ihre „Story“ in Bezug auf persönliche, soziale und ökologische Bedeutsamkeit anlegen. Und wie emotional und authentisch ihre Erzählung tatsächlich ist.

So manches, was da heute schon dargeboten wird, kommt künstlich und unglaubwürdig daher. Die „hidden agenda“ ist zu offensichtlich. Darüber hinaus ist es in der Kommunikation wichtig, sich nicht ständig selbst als Erstes zu benennen.

Was heißt das?

Bedeutung und Wertschätzung erfährt man durch andere – nicht dadurch, dass man sich selbst krönt.

Viele Unternehmen haben das noch nicht richtig verinnerlicht.

Das ständige „Wir-sind-tun-machen-können-Gelaber“ ist bei Unternehmen immer noch an der Tagesordnung, findet aber immer weniger Zuspruch.

Es wirkt aufgesetzt, arrogant, angeberisch – und langweilt. Viel besser ist es, über das tatsächliche Engagement zu sprechen, besondere Botschaften auszusenden und eindrucksvolle Zeichen zu setzen. Ist es wirklich außergewöhnlich, wird es schon aufgegriffen und weitergesagt. Gerade heute.

Kommunikation bedeutet nicht, über sich selbst zu reden. Kommunikation bedeutet, von sich reden zu machen.

Heißt also nicht mehr: Tue Gutes und rede darüber. Sondern:

Tue Gutes und schweige. Dann werden andere darüber reden. Wenn es wirklich gut ist. 

Klar, in einer überfütterten Erregungs-Gesellschaft, in der wir alle leben, muss man Aufmerksamkeit schaffen. Unaufdringliche Aufmerksamkeit. Hier spielen die sozialen Medien die größte Rolle – denn sie sind ein Gemeinschafts-Raum, in den man sich integrieren kann. Man bringt sich in diese kollektive Sphäre allerdings nicht mit Werbung in eigener Sache ein, sondern mit inhaltlichen Impulsen, Zeichen oder Botschaften zu den Themen, die die User interessieren.

Man erzeugt heute keine eigene und isolierte Aufmerksamkeit mehr. Das ist viel zu schwierig und zu teuer. Man verstärkt die bestehende Aufmerksamkeit. Durch echtes Interesse am Interesse. Und schafft eine glaubwürdige Verbindung zur eigenen Botschaft.

Entscheidend dabei ist, dass man sich in das vorhandene und bereits aktive Aufmerksamkeitsfeld im „großen Gespräch“ = soziale Medien mit ehrlichem Beteiligungswillen am jeweiligen Thema einbringt. Denn es gilt:

Interesse weckt, wer Interesse hat.

Trittbrettfahrer, die ein angesagtes Thema nutzen, um nur auf sich selbst zu zeigen, werden schnell als solche enttarnt und bestraft. Die kollektive Sphäre = soziale Medien beobachte ich als äußerst empfindsam. Und:

Die sozialen Medien sind für ehrliche Emotionen und Werte äußerst empfänglich. Was in der virtuellen Welt vor allem zählt, ist Echtheit. Echtheit in der Kommunikation.

Und:

Im Netz ist ein Monolog nicht gefragt. Wer in den Medien kommuniziert, verlässt zudem die Intimität des Dialogs. Zugunsten eines öffentlichen, vielseitigen und in alle Richtungen gehenden Multilogs. Das bedeutet das Ende herkömmlicher Werbung und Public Relations.

Da im offenen Netz auch jeder Kritik üben kann, wird dort jedes Wort mehr als nur auf eine Goldwaage gelegt. Erfolgreich ist es daher, zu den bestimmenden Themen eigene – authentische und ungewöhnliche – Perspektiven beizusteuern. Weil:

Kommunikation ist Teilnahme. Und Inspiration.

Wer das ernst nimmt und die Geduld, die diese Form des Marketings benötigt, aufbringt, der hat sehr gute Chancen, Bedeutung in seiner Zielgruppe zu erlangen. Allerdings:

Man sollte sich in die sozialen Medien gut dosiert einbringen, ansonsten droht man als permanenter „Senfdazugeber“ im kommunikativen Abseits zu enden.

Kurz: Ehrliches, Seltenes und Sinnvolles sind eine gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Netz-Kommunikation.

Mit Authentizität, Aufrichtigkeit, Engagement und Interesse kann man im Netz viel erreichen. Auch sollte man einstecken können. Und Durchhaltevermögen besitzen. Dann ist die Chance groß, Fame = Bedeutung zu erlangen.

B. „Glaube, Vision & Loyalität“

Glaube versetzt Berge, sagt schon der Volksmund. Und ja:

Vor allem der Glaube an einen höheren Zweck weckt im Menschen ungeahnte Kräfte.

Aber – warum?

Klar ist:

Der Glaube ist eine besonders starke und äußert emotionale Form der Überzeugung.

Und der Glaube an einen höheren Zweck schöpft aus dieser erhabenen Überzeugung enorme Kraft.

Der höhere Zweck bedeutet, das eigene Tun in den Dienst einer größeren Sache zu stellen.

Wie bspw. ein gemeinschaftliches Ziel zu erreichen – was nichts anderes zeigt, als dass man seinen eigenes Ego überwunden hat. Für viele ein befreiender und erstrebenswerter Gedanke. Viele Herrscher glaubten zudem, dass sie durch den Dienst für einen höheren Zweck zugleich von höheren Mächten mit Privilegien im Jenseits oder gar mit Unsterblichkeit belohnt werden würden. Was sie auch ihren Mitstreitern in Aussicht stellten. Eine Mega-Ansporn. Ein Grund, weshalb Religionen eine immense Motivationskraft entfalten.

Wirkt das auch im Business?

Ja – gerade im Business kann ein höherer Zweck enorme Leistungspotenziale entfalten.

Denn er vermittelt das, was ich unter Punkt A bereits beschrieben habe – Sinn, Bedeutung und Erfüllung. Ein höherer Zweck verleiht dem eigenen Handeln auch mehr Wichtigkeit, erhebt einen über die Kleinteiligkeit des Alltags.

Im Business kennt man den (höheren) Zweck unter dem Schlagwort „Purpose“. Allerdings verstehen die meisten Unternehmer darunter eine Marketing- & PR-Strategie. Der höhere Zweck wird selbst ein Mittel zum niederen Zweck.

Natürlich übernehmen Unternehmen soziale und gesellschaftliche, mittlerweile auch zunehmend ökologische Verantwortung. Aber meist eben nur insoweit, als dass es ihren Interessen der Wachstumssteigerung und Profitmaximierung dient. Das wird zunehmend kritisch hinterfragt und vor allem die junge Öffentlichkeit zwingt zum Umdenken. Wirtschaftliche Systeme dürfen gesellschaftliche und ökologische Systeme nicht mehr dominieren, sondern müssen sich in sie integrieren – und in diesen zu einer Balance statt zu einem Ungleichgewicht wie bisher beitragen.

Unternehmen werden immer politischer agieren (müssen). Nicht als Lobbyisten ihrer Eigeninteressen, sondern als gestalterische Kraft. Für einen höheren – gemeinschaftlichen – Zweck.

Was bedeutet das für Marken?

Nun:

Bisher repräsentierten Marken ein Image- und Leistungsversprechen. Heute müssen Marken eine Haltung vermitteln.

Selbstverständlich wird die glaubwürdige Verpflichtung zu einem höheren Zweck und dessen konsequente Umsetzung auch zu Profit führen müssen, keine Frage. Aber die Reihenfolge ist eine andere. Ebenso die Beweggründe für unternehmerische Entscheidungen.

Die bisherige Wachstumsmetapher lautet: Vermehrung und Vergrößerung. Was auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen gleichzeitig zu Verringerung und Verkleinerung führt. Diese Form von Fortschritt ist nicht mehr haltbar. Daher brauchen wir eine neue Wachstumsmetapher – eine, die auf Ausgleich, Verbesserung und Vervollkommnung setzt.

Und wo bleibt da der Profit?

Man muss nicht auf ihn verzichten. Denn:

Man kann Gutes tun und trotzdem Profit erwirtschaften. Es ist eine Frage der Gewichtung. Eine Frage einer neuen Reife.

Ein höherer Zweck im Business wird nicht mit dem Glauben an höhere Mächte begründet (das wäre unglaubwürdig), sondern mit einer Vision.

Eine Vision vermittelt das Bild eines größeren Zusammenhangs und schafft eine emotionale Richtung.

Klar geht es bei einer Vision um ein Ziel. Doch eine Vision ist mehr als ein Blick darauf – eine Vision lässt die Zukunft in der Gegenwart „erscheinen“.

Oder wie ich es gerne sage:

Eine Vision beschreibt nicht die Zukunft. Eine Vision verändert sie.

Ein höherer Zweck und die Vision davon führen bei Menschen zu einem starken emotionalen Bezug und einer Bereitschaft zum persönlichen Engagement. Denn:

Die Vermittlung eines höheren Zwecks durch eine Vision schafft eine innere Bindung und emotionale Verpflichtung zum Unternehmen. Das kennen wir als Loyalität. Und die ist mächtig.

Loyalität hat den Vorteil, dass sie dauerhaft ist. Ein wichtiger Bestandteil in der Super-Motivation.

2. Nutze die Super-Motivation – jetzt

Bedeutung, Ruhm, Ehre, Glaube, Vision und Loyalität – das alles ist uns ja nicht fremd. Wir kennen es in der einen oder anderen Form.

Worin liegt dann das Geheimnis der Super-Motivation?

Das wahre Geheimnis der Super-Motivation ist, ihre Mechanismen wirklich umzusetzen. Und zwar nicht als Mittel zum Zweck. Sondern als eine Bestimmung.

Das hat sich bewährt. Und was in der Antike funktionierte, funktioniert auch heute noch. Wir Menschen ticken immer noch gleich. Auch, wenn wir andere Begriffe nutzen, so sind diese Verhaltensweisen nach wie vor dominant. Entscheidend war und ist nach wie vor:

Wer Motivation wecken will, benötigt Ehrlichkeit, Emotion und Überzeugung.

Wichtig ist zudem, dass Wertschätzung und der höhere Zweck für alle gleich relevant ist und für jeden dieselbe Bedeutung hat. Ansonsten funktioniert es nicht. Alles in allem:

Der stärkste Motivationsfaktor ist für mich, den Menschen das Gefühl zu geben, Teil von etwas Bedeutendem zu sein. Einem höheren Zweck im Sinne einer Bestimmung zu dienen. Vermittelt durch eine Vision. An die sie glauben. Das ist nicht zu toppen.

Mit dieser gigantischen Kraft ist es möglich, jederzeit dieselben herausragenden Leistungen zu erbringen wie einst die Erbauer der größten Monumente der Welt.

Fantastisch, nicht wahr?

Finde ich auch. Euer Schwarzmann Teaserbild & Illustration: Daniel Tong/unsplash

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