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#001 Startschuss

Hinweis: Dies ist die gratis Text-only-Version des CM MAGAZIN. In der 🎧-Version diskutieren heute Chris und Holgi über die Artikel.

Da unterhältste Dich so am Rande mit Holgi über dies und das und PLOPP fällt ein Magazin raus. Sachengibt's. Moin und auf auf mit der ersten Ausgabe des CM MAGAZIN. Schön, dass Du da bist. Ich habe dieses Projekt jetzt mal ganz optimistisch mit zwei führenden Nullen durchnummeriert. Bei einer pro Woche währen das in etwa 19 Jahre. Puh.. schauen wir mal.

Holgi und Chris:

Heute mit folgenden Themen: 

  • Von software-definierten Dingen
  • Mit einem (wie ich finde) sagenhaften Organisationswerkzeug
  • Schwere Antriebsstränge (die Effizienz!)
  • Drucker und was ihnen in schlechten Zeiten unerwartetes widerfahren kann.

Los geht's!

##Wir leben in der Software-definierten Zukunft

Holger und Chris diskutieren: (die kompletten Artikeldiskussionen in der 🎧-Ausgabe)

"Nikon hat für sein spiegelloses Flaggschiff Z 9 die neue Firmware 1.10 veröffentlicht. Sie erlaubt unter bestimmten Bedingungen um bis 5mal längere Serienaufnahmen."

(Quelle: https://www.photoscala.de/2022/01/07/nikon-z-9-firmware-update-verbessert-serienbildleistung/)

Software verspeist Hardware zum Frühstück. So oder so ähnlich haben wir das in den letzten Jahren alle schonmal gelesen. Und dass Nikon jetzt den Puffer der Serienbildfunktion der Z9 per Software-Update von 3 auf 15 Sekunden aufgebohrt hat zeigt das ziemlich deutlich. Die Zeiten, in denen Software-Updates bei Geräten schlicht nicht vorgesehen waren und wenn doch, dann einzig und allein zur Behebung von Fehlern, diese Zeiten sind weitgehend vorbei.

Die Firmen, die das durchziehen, profitieren gleich mehrfach davon. Die Produkte landen früher am Markt, denn die Entwicklung muss nicht abgeschlossen sein. Features, die ursprünglich nicht versprochen waren, können später noch geändert werden, ohne in Haftung gehen zu müssen. Außerdem ist die Sache psychologisch attraktiv, denn die Kunden haben nach einem Feature-Update das Gefühl, ein besseres Produkt in Händen zu halten.

Im Fotobereich begann das in meiner Wahrnehmung 2009, als Canon mit der 5D Mark II zwar das lang ersehnte Full-Frame-Video brachte, das aber nicht manuell kontrolliert werden konnte. Da kam die neue Firmware zwar erst auf massiven Druck der Kunden, aber es scheint, dass die Branche was draus gelernt hat.

Und nicht nur die Fotobranche. Eigentlich hat Apple das mit dem iPhone vorgemacht. Das Gerät bietet mit seinem Hardwaregerüst aus Inputs (Touch, Mikrofon, diverse Sensoren, ..) und Outputs (Bildschirm, Lautsprecher, Haptik, ..) den Rahmen für Millionen unterschiedliche Anwendungsfälle, die zwar die Hardware nutzen, letztendlich aber sonst fast vollständig über Software definiert werden.

##Hölle zugefroren: Verkehrsministerium und die Elektromobilität

[als Mitglied hier Chris und Gästen beim Diskutieren zuhören]

"Volker Wissing verlässt überraschend die Linie seiner Partei: Der FDP-Minister setzt nun auch voll auf batterieelektrische Pkw und erteilt E-Fuels eine Absage. Auch für mehr Tempo 30 zeigt er sich offen."

(Quelle: https://www.spiegel.de/auto/volker-wissing-verkehrsminister-warnt-vor-kauf-von-autos-mit-verbrennungsmotor-a-2eda9591-7832-44be-8609-375fb89b3c5c)

Kommen wir zum Mobilitäts-block. Und Hohohoppla, was für ein Knall Mitte Januar. Den Artikel musste ich tatsächlich mehrfach lesen. Aus Ungläubigkeit. Aber es stimmt, der FDP-Verkehrsminister verlässt ganz offiziell die Verbrenner-Linie, findet Elektroautos super, möchte die E-Fuels für den Flugverkehr reservieren und selbst beim Tempolimit scheint er die bisherige Linie seiner Partei nicht mitzugehen.

Im Augenblick suche ich noch nach dem Haken. Das kann doch nicht...

**Update**: Alles zurück, falscher Alarm. Nur einen halben Tag später hat Herr Wissing auch schon wieder zurück gerudert. Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Ich wünrsche mir nur sehr, dass seine ersten Äußerungen seine tatsächliche Einstellung offenbaren und das Zurückrudern "nur" durch panische Anrufe aufgebrachter Lobbyisten verursacht war.

##Vier Jahre Hybrid

[als Mitglied hier Chris und Gästen beim Diskutieren zuhören]

"To make a long story short, I now drive a Hyundai IONIQ Hybrid. I did not buy it but instead went for a leasing contract over 4 years. This won’t really help me in terms of cost, but it solves B (speed of change) as it buys me time. And it takes care of C (re-sellability) because I get to hand it back at the end of those four years. It’s a compromise in terms of the issues it solves, but given all the factors it feels like it was the right thing to do at this point. And if you’re now rolling your eyes and file me as a tree hugger, let me give you some facts:"

(Quelle: https://soapbox.chrismarquardt.com/2017/07/11/hyundai-ioniq-hybrid-mobility-future/)

Das schrieb ich vor über vier Jahren. Au weia, und ob das Ding ein Kompromiss war. Gute vier Jahre später ist das Leasing rum und das Fahrzeug ist seit letztem Sommer wieder bei Sixt. Über mein aktuelles Fahrzeug schreibe ich nächste Woche mehr. Nur soviel: es ist elektrisch.

Wichtige Erkenntnisse:

a) Die Kosten fürs Leasing (mein erstes Mal) waren zu hoch und hinterher gehört's mir nicht mal. Aus Cashflow-Gründen war es schon sinnvoll, nach der Anzahlung waren die Raten sehr günstig. War natürlich schon vorher alles berechnet, trotzdem bleibt hinterher irgendwie halt etwas Leere. Egal, abgehakt.

b) Der IONIQ war im Vergleich zu allem davor ein relativ modernes Auto mit einigen Premieren für mich. Abstandstempomat, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, Aktive Kollisionsvermeidung hatte ich davor alles nicht. Das hat sich 2017 schon etwas nach IT'S DA FJUUTSCHA angefühlt.

c) Die Sinnhaftigkeit des Antriebs: Beim Hybrid fahre ich ständig zwei komplette Antriebsstränge spazieren. Gewicht erhöht den Verbrauch. Der Verbrennungsmotor mit Tank und Getriebe wiegt. Der Elektromotor mit Batterie und Getriebe wiegt auch. Wäre im Nachhinein sinnvoller gewesen, auf nur eine Antriebstechnik zu setzen.

d) Der Verbrauch. Ja, das waren schon mal unter 5 Liter, im Sommer, in der Innenstadt im Stop-and-Go, wo hauptsächlich der elektrische Antrieb zählt. Aber der Durchschnitt übers Jahr mit der einen oder anderen Langstrecke liegt dann halt doch eher um die 6 Liter Super auf 100 km. Die Versprechungen des niedrigen Verbrauchs mögen im Sommer zutreffen aber Rollwiderstand, Luftwiderstand und Gewicht lassen sich halt nicht wirklich wegdiskutieren.

e) Ganz vorne steht aber das hier: Rekuperation mit Batterien ist ALLES. Im Kopf war mir das schon immer klar. Jede noch so kleine Verzögerung setzt kinetische Energie frei. Diese über einen Generator (den eh verbauten Antriebsmotor) in Strom umzuwandeln und damit die Antriebsbatterie zu laden ist der eigentliche Geniestreich. Ich würde jetzt nur zu gerne wissen, wie viele Megawattstunden ich während der letzten 30 Jahre die Umwelt verheizt habe. Global warming anyone? (mag dazu mal jemand ein paar Berechnungen anstellen?) Zu sehen, wie sich set Ladestand der Batterie bei einer Bergabfahrt langsam erhöht, hat mir ein tiefes beGREIFEN beschert. You simply get it.

Im Rückspiegel war die Hybrid-Überbrückung aus meiner Sicht zwar nötig, wegen Cashflo und Fahrzeugverfügbarkeit. Würde ich's nochmal so machen? Eher nicht. Letztendlich hat das Hybridfahrzeug nur genau eine einzige Sache wirklich gut bedient: Die Reduktion der Reichweitenangst, kombiniert mit dem Gefühl, etwas grüner zu sein.

Reichweitenangst ist heute, mehr als vier Jahre danach, tatsächlich kein Argument mehr.

##Werkzeug: Airtable

[als Mitglied hier Chris und Gästen beim Diskutieren zuhören]

(Quelle: https://airtable.com/)

Zum Abschluss möchte ich euch noch kurz mein derzeitiges Lieblingswerkzeug zeigen. Projekte mit strukturierten Daten, wie z.B. diese Publikation, bekommen entweder ein komplettes CMS oder wenn sie noch klein sind, werden sie gerne erstmal per Spreadsheet organisiert. Die Erfahrung zeigt, dass es dann aber gerne mal zu Unordnung und Informationsdopplungen kommt, besonders wenn nicht alle Verknüpfungen von Hand sauber nachgetragen werden. Über die Zeit schleichen sich Inkonsistenzen ein und das rächt sich irgendwann. Eins haben einfache Tabellen für sich: Sie sind schnell erstellt und kosten nix.

Am anderen Ende des Komplexitäts- und Preisspektrums steht die relationale/redaktionelle Datenbank mit Tabellen, Datensätzen, Verknüpfungen und Formeln. Dafür ist dann aber Datenbankdesign und Entwicklungsaufwand fällig und die kosten wieder Zeit und echtes Geld.

Ich habe da vor kurzem Airtable gefunden. Das bewegt sich in der Mitte dazwischen und löst gleich mehrere Probleme. Verknüpfungen zwischen Tabellen können nicht nur erstell werden, sie bleiben konsistent, unterschiedliche Datentypen erlauben eine einfache Strukturierung und das Tool wächst mit den Anforderungen. Eine Tabelle hält z.B. die geplanten Ausgaben mit Status und Themenblöcken, eine andere Tabelle hält die Themenblöcke. Beide sind in beide Richtungen miteinander verknüpft, sortierbar und filterbar. Damit ist ein leichtgewichtiges CMS schnell mal selbst gebaut.

Der Haken: Alles spielt sich in der Wolke ab und kostet ab einer gewissen Größe monatlich Geld. Die Gratisversion ist allerdings recht großzügig ausgelegt. Die günstigste Bezahlversion kostet dann ab 10 USD im Monat. Die Daten können per API abgerufen und bearbeitet werden, es gibt umfangreiche Integrationen und eine sehr aktive Community.

Ja ok, Cloud. Ja ok, Abo. Trotzdem ist hier der Nutzen aus meiner Sicht so groß, dass ich darüber erstmal hinweg sehen möchte. Auf dass es sich bewähren möge.

PS: Es gibt auch verschiedene mehr oder weniger gute Clone (manche davon ganz schön dreiste Kopien). Ich habe ein paar ausprobiert und bleibe zunächst mal beim Original.

[Transparenz: Dies ist ein unabhängiger Erfahrungsbericht. Airtable ist weder Sponsor noch gibt es sonstige Verbindungen, weder finanzieller, noch anderer Art]

##Chips und Drucker

Holger und Chris diskutieren: (die kompletten Artikeldiskussionen in der 🎧-Ausgabe)

"We value you as a customer and a constant user of Canon products. Due to the persistent global shortage of semiconductor components, Canon is currently facing challenges in sourcing certain electronic components that are used in our consumables for our multifunction printers (MFP). These components lead e.g. B. Features such as the detection of the remaining toner level. In order to ensure a continuous and reliable supply of consumables, we have decided to deliver consumables without semiconductor components until normal supply is restored. There is no negative impact on print quality when using consumables without electronic components, but certain additional functions, such as e. B. the detection of the toner level may be impaired."

(Quelle: https://boingboing.net/2022/01/08/forced-by-shortages-to-sell-chipless-cartridges-canon-tells-customers-how-to-bypass-drm-warnings.html)

Über den Kundennutzen von DRM lässt sich trefflich streiten. Mir ist zumindest kein Fall bekannt, bei dem DRM den Kund:innen einen echten Nutzen gebracht hätte. Die Druckerhersteller versuchen das mit den Tinten schon länger. Das Spektrum reicht da von einfachen Nudges ("Das ist keine Originalpatrone, bist du sicher?") bis zu Druckerpatronen mit Regionalcode, um Grauimporte aus dem günstigeren Ausland zu erschweren.

Dass jetzt Canon wegen der Chipkrise die Kunden darüber aufklären muss, dass es schon ok sei, die Warnungen auch bei deren aktuell chiplosen Patronen wegzuklicken ist schon irgendwie ironisch.

Das war die erste Ausgabe. Falls es euch gefallen hat, sagt es bitte weiter.

Schöne Woche, Chris

PS: Du kannst dieses Magazin gratis lesen, aber gerne auch finanziell unterstützen. Dafür bekommst Du dann zu vielen Artikeln zusätzlich noch zum Hören Diskussionen zwischen Chris und seinen Gästen. Diese Woche: Holger Klein.

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