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ein ganzes Jahr…

Skizze von Lisa Rammensee (Öffnet in neuem Fenster) zum Titel von “Flieg, Hummelchen, flieg!” (Öffnet in neuem Fenster)


… vor einem Jahr haben die Mädchen und ich im Zug nach Berlin gesessen und die Pfingsttage mit verschiedenen Menschen verbracht.

Vor einem Jahr, da waren es auch noch drei Wochen bis zu Fritzis Todestag und ich hatte dafür einen Termin bei unserer Kiezpiercerin ausgemacht.
Wir hatten uns die Wochen davor gut geplant und auch für den Geburtstag keine 14 Tage später waren wir vorbereitet.
Ein Fest am Strand neben dem Spielplatz.
Eis um die Ecke, Picknick.
Eine Freundin hat ganz viele Hummelmuffins und eine Torte organisiert, alle haben sich eingebracht und ich hatte überhaupt keine Zeit, traurig zu sein.

Hinterher sagte eine andere Freundin zu mir, wir hätten so wenig über Fritzi gesprochen und das stimmt. Ich konnte nicht weinen.
Ich konnte nicht loslassen und nicht zulassen, auch noch den Schmerz der anderen zu sehen. Gefühlt habe ich jede*n Einzelne*n und das war schon alles, was ich ertragen konnte.

Als wir vor einem Jahr im Zug nach Berlin saßen, wusste ich, dass Fabian später nachkommen würde und wir haben uns mit der Freundin getroffen, die Fritzi an unserem Fest ein paar Wochen später so vermisst hat.
Und genau dieser habe ich heute eine Nachricht geschrieben, die ich wirklich nicht schreiben wollte. Denn sie heiratet bald und ich wäre so gern dabei gewesen. Allein, ich kann es nicht, so, wie ich gerade bin..

Vor einem Jahr, da habe ich mir ein Loch in meine Nase stechen lassen, um sichtbar und spürbar zu machen, dass etwas nie wieder anders sein wird:
Fritzi fehlt.
Es wird jedes Jahr weh tun.
Jeden einzelnen Tag in einem jeden Jahr
und es werden immer nur mehr.

An ihrem Geburtstag haben wir es schön gemacht und ich habe gleichzeitig gespürt, dass ich kein Fest für ein Kind feiern kann, dass nicht mehr da ist. Dieses Fest war gut, um zu wissen, dass wir an diesen besonders schweren Tagen niemals allein sein werden und dennoch: Ich werde an diesen Tagen Ablenkung brauchen.
Für mich funktioniert die Idee nicht, dass mein Kind auf einer Wolke sitzt und Muffins isst - mit all den anderen toten Kindern.
Ich möchte gern glauben, dass seine Energie mich begleitet und das einzig Richtige, dass ich tun kann, ist, gut für mich selbst zu sorgen.

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