Zum Hauptinhalt springen

Handout für Großväter - Sind Röcke für kleine Jungs schädlich?

Wenn der Opa sich um den Enkel sorgt, weil der ein Kleid trägt… Oder der Vater selbst? Oder Schwester, Oma, Bruder, Nachbarin… sich gar beide Eltern noch unsicher sind? Hier eine Handreichung :)

Weil’s in vielen Familien doch immer mal wieder Thema ist, schicken wir hier Material für die nächste Familiensitzung. Oder für einen Brief, zum Schicken, Vorlesen, Zuschieben, unauffällig oder demonstrativ. Und im Grunde freuen wir uns, DASS es Thema ist. Denn das zeigt ja, dass es hier und dort kleine Jungs gibt, die Kleider und Röcke tragen dürfen. Okay, cooler wäre, die würden gar nicht erst Anlass für ein Gespräch liefern. Cool wäre, wenn Kleider und Farben und Spielzeug und überhaupt… alles für alle da wäre unabhängig vom Geschlecht, Kinder selbst entscheiden dürften, und sich niemand drum scheren würde, dass Frauen und Mädchen heutzutage Hosen tragen. Unerhört, oder? Warum also nicht dieselbe Freiheit für deinen Enkel?

Um wessen Männlichkeit geht es hier?

Diese Frage muss erlaubt sein, und ich hoffe, der Opa kann sich darauf einlassen.

"Mein Vater kam heute mal wieder mit folgendem um die Ecke: Du weißt ja, da gibt es Fälle in der  Geschichte, wo Männer dann gestört waren, weil die Mutter ein Mädl wollte und den Bub so angezogen hat und so" - Hast du vllt einen Fachartikel o.ä. zur Hand, den ich ihm weiterleiten könnte?
rosa-blau überfülltes Kinderzimmer, erstellt mit Artbreeder, Nachrichtentext drüber.

Die gute Nachricht ist: Es schadet nicht – im Gegenteil. Es kann sogar eine wertvolle Chance sein, das Selbstbewusstsein und die emotionale Entwicklung des Kindes zu fördern.

Kinder entdecken die Welt – und sich selbst

Kinder sind neugierig und experimentieren mit allem, was sie umgibt – auch mit Kleidung. Für kleine Jungen ist ein Kleid oft nicht mehr als ein spannendes Stück Stoff, das sich anders anfühlt und aussieht als ihre übliche Kleidung. Es hat für sie zunächst keine tiefere Bedeutung. Sie ahmen vielleicht eine Schwester nach, möchten wie eine Märchenfigur aussehen oder finden einfach Gefallen an den Farben und der Form.

In dieser Phase der kindlichen Entwicklung geht es vor allem um das Erkunden von Identität und Ausdrucksmöglichkeiten. Das Tragen eines Kleides bedeutet nicht, dass ein Junge seine Geschlechtsidentität infrage stellt oder später psychische Probleme entwickeln wird. Vielmehr zeigt es, dass er sich wohl genug fühlt, um seine Interessen auszuprobieren – ein Zeichen dafür, dass er in einem unterstützenden Umfeld aufwächst.

Geschlechterrollen sind kulturell geprägt

Es ist wichtig zu verstehen, dass unsere Vorstellungen von „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ kulturell bedingt sind. In anderen Epochen und Kulturen war es völlig normal, dass Männer Röcke oder Kleider trugen – denken wir an die Schotten mit ihren Kilts oder die Tuniken im antiken Rom. Selbst in der westlichen Welt trugen kleine Jungen bis ins 19. Jahrhundert oft Kleider, bevor sie in Hosen wechselten.

Wenn ein Junge heute ein Kleid tragen möchte, bricht er also nicht mit einer universellen Regel, sondern hinterfragt lediglich gesellschaftliche Konventionen. Indem Eltern ihm diese Freiheit geben, signalisieren sie: „Du darfst so sein, wie du bist.“ Das stärkt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind und fördert die emotionale Bindung.

Psychologische Stabilität durch Akzeptanz

Foto eines Kindes in buntem Kleid
Kind in buntem Kleid.

Das Tragen eines Kleides hat keinen Einfluss auf die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität eines Kindes. Diese Aspekte entwickeln sich unabhängig davon und sind tief in der Persönlichkeit verankert. Viel entscheidender ist es, dem Kind beizubringen, stolz auf sich selbst zu sein – egal ob im Kleid oder in Jeans.

Ein starkes Selbstbewusstsein als Grundlage fürs Leben

Indem Eltern ihrem Sohn erlauben, ein Kleid zu tragen, wenn er das möchte, vermitteln sie ihm wichtige Werte: Offenheit, Toleranz und Selbstakzeptanz. Sie zeigen ihm, dass es in Ordnung ist, anders zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Dies stärkt sein Selbstbewusstsein und bereitet ihn darauf vor, später mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.

Kinder lernen durch solche Erfahrungen auch Empathie: Sie erkennen frühzeitig, dass Menschen unterschiedlich sind und dass Vielfalt etwas Positives ist. Das sind Fähigkeiten, die ihnen nicht nur im sozialen Miteinander helfen werden, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung.

Fazit: Vertrauen statt Angst

(Groß-)Eltern müssen keine Angst haben, ihrem (Enkel-)Sohn zu erlauben, ein Kleid zu tragen. Es schadet weder seiner psychischen Gesundheit noch seiner Identitätsentwicklung – im Gegenteil: Es fördert seine Kreativität und sein Selbstbewusstsein. Wichtig ist nur eines: Dass das Kind spürt, dass es geliebt wird – so wie es ist.

Indem Eltern ihrem Sohn diese Freiheit geben, setzen sie ein Zeichen für Offenheit und Toleranz – Werte, die unsere Gesellschaft dringend braucht. Und wer weiß? Vielleicht wird aus dem kleinen Jungen im Kleid eines Tages ein Erwachsener mit einem starken Charakter und einem offenen Herzen – genau das wünschen wir uns doch alle für unsere Kinder.

Bunte Grüße

Schicken

Almut & Sascha

PS. Falls du den Text weitergereicht hast, was war die Antwort? Wie ging es weiter? Hältst du uns auf dem Laufenden?

Mitmachen

Herzblut braucht Unterstützung:

Wenn Du wichtig und interessant findest, worüber wir schreiben, Du etwas mitnehmen kannst in Deinen bunten Alltag, dann freuen wir uns, wenn Du unsere Arbeit unterstützt und diesen Newsletter abonnierst. Du ermöglichst damit die Fortsetzung der Newsletter und die Recherche für unsere nächsten Texte. - Danke!

Hier die 4 Abo-Varianten, mit denen Du Mitglied werden (Öffnet in neuem Fenster) kannst in Almut und Saschas Wort & Klang Küche:

  1. Im Türrahmen (3€/Monat)

  2. Mit Küchenhocker (5€)

  3. Platz am Küchentisch (7€)

  4. Freie Sicht zum Herd (10€)

Die 4 Stufen der Unterstützung als Screenshot hier verlinkt. (Öffnet in neuem Fenster)6 Bücher von Sascha und Almut, gestapelt und aufgereiht (Öffnet in neuem Fenster)

Unsere Bücher können überall gekauft werden, wo es Bücher gibt, aber nur im Shop der Autorenwelt (Öffnet in neuem Fenster) bekommen Autor*innen einen Extraanteil vom Verkauf.

Kategorie Rosa-Hellblau-Falle

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von EqualCare & Sorgeverantwortung als Gradmesser der Demokratie und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden