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Die Meister der Texterkennung

Manchmal wissen wir gar nicht – oder es ist uns nicht bewusst – wozu wir, und speziell unser Gehirn, in der Lage ist. …

Wir Autoren möchten ja gern fehlerfreie Texte schreiben – was allerdings nicht immer gelingt, da man sehr oft die eigenen Fehler nicht mehr wahrnimmt. Und da gibt man dann einen zwei- oder dreimal überarbeiteten Text ins Korrektorat ... – und dann wurden zwei oder drei Fehler pro Seite entdeckt.

So mancher Autor fühlt sich damit schon sehr unwohl. Aber: Das ist ganz normal! Unser Gehirn sieht eben nicht alles, kann nicht alles und übersieht auch mal etwas ...

Unser Denkorgan ist nämlich erstaunlich flexibel und kann auch Texte verstehen, bei denen die Buchstaben durcheinandergewürfelt sind. Das liegt an der Art und Weise, wie wir lesen und wie unser Gehirn Sprache verarbeitet. Und da kann es ja schon mal vorkommen, dass der ein oder andere Fehler geflissentlich überlesen wird. Kein Drama! Und es ist der Grund dafür, warum ich immer dazu rate, Texte mehrmals und von verschiedenen Personen lesen zu lassen.

Unser Meister der Texterkennung kann auch Worte erkennen, die zwar die richtigen Buchstaben beinhalten, allerdings in einer völlig veränderten Reihenfolge. Gott sei Dank gibt es heute am PC ja die Autokorrektur, die so manche Verdrehung automatisch korrigiert und andere rot kennzeichnet, und damit vielleicht unserem Gehirn ein wenig Arbeit abnimmt.

 

Aber: Wie funktioniert das Lesen der Worte mit vertauschten Buchstaben?

Es gibt einige Möglichkeiten, wie unser Gehirn dies schafft:

  • Kontext und Erwartung: Beim Lesen nutzen wir nicht nur die einzelnen Buchstaben, sondern auch den Kontext des Wortes und des Satzes. Unser Gehirn versucht, Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen, welche Wörter wahrscheinlich folgen. Wir alle haben das mühevolle, langsame Lesen der ersten Stunden als Kind nämlich weit hinter uns gelassen – und unser Gehirn hat dazugelernt.

  • Wortform und -länge: Oft reichen der erste und letzte Buchstabe eines Wortes sowie die Länge des Wortes aus, um es zu erkennen. Auch wenn die Buchstaben dazwischen vertauscht sind, kann unser Gehirn das Wort meist sofort richtig zuordnen. Es gibt heute auch eine ganze Reihe von Handy- und PC-Spielen, die genau diese Eigenschaft trainieren lernen. Ich liebe es, diese Spiele zur Entspannung zu spielen und möglichst viele Worte aus einer scheinbar wahllosen Anzahl von Buchstaben zu bilden.

  • Erfahrung und Gewohnheit: Wir sind es gewohnt, Sprache in einem bestimmten Kontext zu lesen. Unser Gehirn hat gelernt, diese Muster zu erkennen und auch bei kleinen Abweichungen zu verstehen.

Hier ist ein kleines Beispiel, wie so ein Text aussehen könnte:

„Gmeäß eienr Sudtie enier Unvieritsät, ist es nchit wchitig, in wechler Rheeinfolge die Buschtaben in eienm Wrot snid, das Eizgnie was wchtiig ist, dsas der estre und der ltzete Bustachbe an der ritigchen Poistion sndi. Der Rset knan toalter Blidsönn sien, trodetzm knan man ihn onhe Probelme leesn."   

Obwohl die Buchstaben in fast allen Wörtern vertauscht sind, können die meisten Menschen diesen Text trotzdem relativ flüssig lesen.

Wichtig zu wissen ist dabei:

  • Diese Fähigkeit funktioniert am besten bei Wörtern, die wir bereits kennen. Bei unbekannten oder sehr langen Wörtern wird es schwieriger, auch in einer anderen Sprache ist es weit schwerer.

  • Auch der Kontext des Satzes hilft uns, die Bedeutung der Wörter schnell zu erschließen.

Unser Gehirn ist also ein wahrer Meister der Texterkennung, selbst wenn es mal etwas durcheinandergeht! Wenn wundert es also, dass hier und da mal ein Fehlerchen zu finden ist, wir verstehen es ja trotzdem.

Hier ist ein weiteres Beispiel, das die Funktionsweise etwas deutlicher macht:

"Es ist eine seltsame Phänomen, dass unser Gehirn in der Lage ist, Wröetr zu lseen, in denen die Bstuachben vtrceahust sind, solange der erets und der ltztee Bstuchabe an der rcihtigen Stelle sind. Das Gehirn nutzt den Kntoext und die Erwratung, um die Wörter zu dueetn, und füllt die lücekn aus, die durch die vtrceahusten Bstuachben entsthen."

Na, möchte damit mal jemand Korrektor spielen? 😊

In diesem Beispiel sind viele Wörter stark durcheinandergewürfelt, aber dennoch können wir den Text relativ problemlos lesen. Das liegt daran, dass unser Gehirn die Wörter anhand des Kontextes und der ersten / letzten Buchstaben erkennt.

Worauf es ankommt

  • Erster und letzter Buchstabe: Wie bereits erwähnt, sind diese beiden Buchstaben oft entscheidend für die Erkennung des Wortes, aber nicht ausschließlich.

  • Wortlänge: Die Länge des Wortes gibt uns einen zusätzlichen Hinweis auf seine Identität.

  • Kontext: Der umgebende Text hilft uns, die Bedeutung der durcheinandergewürfelten Wörter zu erschließen.

  • Bekanntheit des Wortes: Je vertrauter uns ein Wort ist, desto leichter fällt es uns, es auch in durcheinandergewürfelter Form zu erkennen.

Übung im Schreiben, Lesen und auch Korrigieren tut daher meiner Ansicht nach uns Autoren immer wieder gut.

Ich wünsche viel Spaß dabei!

Gudrun Anders

Tópico Schreiben & Übungen

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