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Recovery Interview Nr.13 mit Chiara

Hallo ihr lieben, in dieser Beitragsreihe stelle ich Betroffenen und Angehörigen von psychischen Erkrankungen ein paar Interview-Fragen, wie sie mit den Erkrankungen umgehen, was ihnen hilft und gebe ihnen eine Stimme. Ich bin anna, Selbstbetroffene und freiberufliche Autorin und beschäftige mich mit mentalen Themen. Besonders Recovery, der Weg zur Genesung, Entstigmatisierung und das Meistern des Alltags mit psychischen oder chronischen Erkrankungen, finde ich wichtig. Und zu erkennen: Du bist nicht allein! Diese Reihe ist for free und als Ergänzung zu meinen üblichen Content zu sehen. Ich denke wir können alle viel auch von anderen lernen und mitnehmen.

Wer möchte, kann sich die Interview-Vorlage am Ende des Interviews im SafeSpace runterladen und mir ausgefüllt mit Foto per Mail an good.days.will.come@outlook.de (Abre numa nova janela) zuschicken. Vielleicht erscheint dein Interview dann auch bald hier.

Heute habe ich Chiara im Interview.

  • Wer bist Du, wo kommst Du her und wie alt bist Du? Wenn Du magst, gebe deine Pronomen an. Und wenn ihr mehrere seid (bezieht sich auf multiple Persönlichkeiten), dann das natürlich auch.

Hey, ich bin Chiara, ich bin 20 Jahre alt und komme aus NRW. Meine Pronomen sind she/her und ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf.

  • Was ist deine Behinderung/Erkrankung?

Ich leide unter ziemlich vielen verschiedenen Erkrankungen/Beeinträchtigungen. Dazu gehört eine PTBS, eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung(Borderline), eine Sozialphobie, ein Asperger-Autismus, rezidivierende schwere depressive Episoden und chronische Suizidalität.

  • Würdest Du Deine Erkrankung gerne sichtbar oder unsichtbar machen?

Ich stehe zu meinen Erkrankungen und finde super wenn es sichtbar gemacht und darüber aufgeklärt wird und unterstütze das auch sehr gerne. Allerdings mache ich das zurzeit selber nicht aktiv auf meinen Plattformen.

  • Was machst Du beruflich oder wie gestaltest Du deinen Alltag?

Leider bin ich durch die vielen verschiedenen Erkrankungen zurzeit arbeitsunfähig. Ich habe auch leider keine wirkliche Struktur in meinem Alltag, was es mir oftmals noch viel schwerer macht.

Allerdings ist mein Alltag trotz Allem streng getaktet mit Terminen, sei es Psychotherapie, Ergotherapie, BeWo Termine, Psychiatertermine, Rehasport, Selbsthilfegruppe und sonstige Termine die halt eben so anfallen (Jobcenter oder was auch immer)

  • Wie geht es Dir zur Zeit und was beschäftigt Dich?

Zurzeit geht es mir garnicht gut. Ich bin nach meiner Entlassung aus der Klinik dieses Jahr (Mai 2024) wieder in ein tiefes Loch gefallen, da zurzeit viel Veränderung in meinem Leben herrscht und ich auch viel an mir arbeite, was natürlich auch viel aufwühlt.

In guten Zeiten lese ich gerne, ich backe und koche gut und gerne, ich bin unglaublich gerne kreativ und schreibe auch ziemlich gerne. Außerdem habe ich immer mal kurze Phasen wo ich mich ausprobiere, sei es zu häkeln, Klavier zu spielen oder andere Dinge. Ich verliere dabei aber oft schnell die Motivation und Konzentration, weshalb das nicht von langer Dauer ist, sondern in Abständen immer mal wieder versucht wird.

  • Was bedeutet für Dich Recovery? Und wo würdest Du sagen, stehst Du zur Zeit?

Recovery bedeutet für mich meinen eigenen Wert zu erkennen und zu spüren wer ich sein will, wo ich hin will und wo ich die nötige Unterstützung dafür herbekommen kann und diese dann auch aktiv einzufordern. Desweiteren bedeutet es für mich auch Reflektion und Akzeptanz von schlechten Phasen und immer weiter dran zu bleiben und zu kämpfen.

Ich würde sagen ich stehe momentan ziemlich weit vorne auf dem Weg, bin aber noch lange, lange nicht an meinem Ziel angekommen und es gibt auch immer mal wieder Zeiten in denen ich 10 Schritte zurück gehe, was mein Denken betrifft, Aber ich reflektiere viel und dann geht es auch wieder nach vorne. Also im gesamten bin ich denke ich ganz gut dabei.

  • Was ist für dich ein gutes Helfernetzwerk?

Ein gutes Helfernetzwerk ist enorm wichtig. Für mich persönlich besteht ein gutes Helfernetzwerk aus Familie, Freunden, Therapeuten, Ärzten, Betreuern, Selbsthilfegruppen/Beratungsangeboten etc. Am meisten unterstützt mich derzeit meine Therapeutin und ich bin ihr so wahnsinnig dankbar dafür. Sie zeigt mir, dass ich nie alleine bin, dass ich mich immer melden kann und sie ist total offen mir gegenüber, sei es mir zu sagen, wenn etwas meinerseits unangebracht ist oder mich auch darin zu stärken, das ich wirklich weit gekommen bin und stolz auf mich sein darf. Sie ist in vielerlei Hinsicht einfach ein Anker für mich. Leider werde ich sie nicht mehr lange haben, da sie eine Kinder- und Jugendtherapeutin ist und ich spätestens wenn ich 21 bin wechseln muss, aber bis dahin genieße ich es noch sehr und bin dankbar für diese Unterstützung,  denn ich weiß (auch von ehemaligen Therapeutinnen von mir) dass es auch ganz anders laufen kann.

  • Zu welchem mentalen Thema fehlt Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft?

Andere Frage: zu welchem Thema ist die Aufklärungsarbeit ausreichend und erfolgreich genug? KEINEM. In Sachen Aufklärungsarbeit muss meiner Ansicht nach noch sehr viel passieren, damit auch die letzten endlich kapieren, dass es JEDEM passieren kann, niemand mit Absicht wochenlang im Bett liegt, sich nicht um den Haushalt kümmert, weil er faul ist und sich nicht um die Hygiene kümmert, weil ihm gesellschaftliche Normen und die Gesellschaft an sich scheiß egal sind (mal als Beispiel einer Depression dargestellt). Leider gibt es noch viel zu viele Leute die so denken und das darf einfach nicht sein!

Desweiteren gibt es noch so, so viel mehr Punkte, die alle aufzuzählen würde aber hier den Rahmen sprengen.

  • Wenn Du Skills nutzt: Was sind deine Lieblinge?

Tatsächlich benutze ich zurzeit nicht regelmäßig Skills oder Stimming Toys (wäre aber oft hilfreich), aber wenn, dann finde ich Kauketten, Ammoniak, Igelbälle, Therapieknete, saure Sachen, Finalgon und Zimtkaugummis ganz gut.

  • Notfalltasche: Was muss bei Dir immer mit?

Ich habe tatsächlich eigtl fast immer (wenn ich es nicht vergesse, passiert aber selten) zur Sicherheit eine kleine oder auch größere Auswahl an Skills dabei, mein Asthmaspray (falls Panikattacken auftreten), Bedarfsmedikation und etwas zu trinken.

  • Dein Lebenstraum oder größere Ziele, gibt es da etwas, das Du erzählen möchtest?

Mein Traum war es immer, immer, immer Abitur zu machen. Das hat leider bis jetzt noch nicht geklappt, da ich auf Grund meiner Erkrankungen in vielen Einrichtungen gelebt und viele Schulwechsel hatte, wo die letzte Schule nicht mit meinen Symptomen klar kam auf Dauer und ich nicht weiter dorthin gehen durfte. (trotz das ich super Noten hatte und mich gut in den Unterricht eingebracht habe). Dadurch lag der Traum erstmal auf Eis. Dann habe ich Anfang diesen Jahres mein Fernabitur angefangen, dies musste ich aber auch abbrechen, da es mir auf Dauer psychisch zu schwer fiel, mich zu konzentrieren und zu fokussieren. Wobei das eigtl bis zur Klinik ganz gut lief, dadurch das ich in der Klinik dann aber ein Lernverbot erhalten habe, bin ich dann nach den 10 Wochen sehr raus gewesen und habe leider den Einstieg nicht mehr gefunden. Daher ist mein größter Traum weiterhin das Abitur, welchen ich aber leider schon halb an den Nagel gehangen habe. Nach dem Abitur wollte ich gerne Hebamme studieren (da bin ich mir jetzt langsam aber auch unsicher und da müsste es mit dem Abi ja klappen) Als Alternative hatte ich mir eine Pflegeausbildung vorgenommen. Naja im großen und ganzen ist mein Ziel irgendwie und irgendwo einen beruflichen Einstieg zu finden und dann irgendwann eine Familie zu gründen und frei von Therapien etc zu sein.

  • An welchen Orten fühlst Du Dich sicher?

Puh, das fällt mir sehr schwer zu beantworten. Ich weiß es nicht. 

  • Was würdest Du Betroffenen (von psychischen Erkrankungen) gerne sagen?

Es wird besser!!! Auch wenn man es gerade nicht glaubt und man denkt am Abgrund zu stehen, es wird besser, definitiv! Ich habe es selber nie geglaubt und glaube es in schweren Zeiten auch schwer. Dabei habe ich jetzt auch die guten Zeiten schon erlebt und weiß, dass es stimmt. Ihr könnt alle wahnsinnig stolz darauf sein, was ihr täglich leistet und ich glaube an uns alle, das wir eines Tages alle zurückblicken werden und uns sagen können "Ich habe es geschafft!" Wir alle sind stark und wir sind alle füreinander da, solange es nötig ist und das ist toll! #mentalhealthcommunity

  • Was würdest Du Nicht-Betroffenen gerne sagen?

Bitte, bitte achtet auf jedes Anzeichen eurer Mitmenschen, fragt, helft, schenkt ein Ohr. Bitte legt die Vorurteile ab. Ihr könnt Leben retten! Hört zu, erkundigt euch, begleitet, unterstützt, sucht auch euch Hilfe dabei, das nicht alleine stemmen zu müssen, denn wie oben erwähnt gehört ein breites Helfernetz zur Heilung dazu.

Danke an alle, die schon aktiv unterstützen!

  • Was ist dein Mantra oder Spruch, der Dir Kraft gibt?

"Glaube an Wunder, Liebe und Glück, schau nach vorn und nie zurück, tu was du willst und steh dazu, denn dein Leben lebst nur du."

Diesen Spruch finde ich sehr schön und treffend. Allerdings bin ich ein absoluter Sprüche- und Floskel Mensch und kann mich daher garnicht für einen Lieblingsspruch entscheiden.

  • Möchtest Du noch etwas erzählen?

Ich finde, das war jetzt schon ziemlich viel von mir, aber Anna?! Vielen, vielen Dank, dass du uns Betroffenen hier in deiner Community eine Stimme schenkst und wir uns aktiv daran beteiligen dürfen! Ich bin stolz auf dich! Much love!

Liebe Grüße,

Chiara

Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für deinen weiteren Weg!

Wer möchte, kann sich die Interview-Vorlage am Ende des Interviews im SafeSpace runterladen und mir ausgefüllt mit Foto per Mail an good.days.will.come@outlook.de (Abre numa nova janela) zuschicken. Vielleicht erscheint dein Interview dann auch bald hier.

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