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Wandern in Kent: „Natur, Kultur und Wohlergehen“

Wandern in der Grafschaft Kent

Der Fernwanderweg North Downs Way folgt einem alten Pilgerpfad aus dem Mittelalter. Nun soll das Pilgern dort neu erfunden werden.

Der Fernwanderweg North Downs Way hat eine Länge von 246 Kilometern und führt durch die Grafschaften Kent und Surrey. Der Weg wurde im Jahr 1978 eingeweiht, doch im Grunde ist er viel älter. Denn er folgt einer Strecke, die Gläubige schon im Mittelalter zurücklegten auf ihrer Reise von Winchester nach Dover, von wo aus sie ihren Weg in Richtung Rom fortsetzten. Der moderne Wanderweg ist in Wahrheit eine alte Pilgerroute.

 

Eine Initiative soll den Pilgerwegen in England zu neuen Ehren verhelfen, denn sie sind im Vergleich zum Pfad ins spanische Santiago de Compostela beispielsweise weitgehend unbekannt. Das soll sich ändern, sagt Catherine Bradley, die sich in der Verwaltung der Grafschaft Kent für die englischen Pilgerrouten engagiert: „Es geht um nachhaltigen Tourismus, Natur, Wohlergehen und das kulturelle Erbe unserer Region.“

Die alten Pfade sind im Laufe der Jahrhunderte zu weiten Teilen unter asphaltierten Straßen, Neubaugebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen verschwunden. An ihre Stelle ist in Kent und Surrey der Fernwanderweg North Downs Way getreten. Er beginnt in der Ortschaft Farnham, endet in Dover und verläuft in weiten Teilen entlang der alten Strecke. Als Gehzeit für die gesamte Strecke werden zwölf bis 16 Tagen veranschlagt.

Die Gegend ist bekannt für ihre Festungsanlagen und Burgen, die sich früher wie ein Schutzgürtel um die Hauptstadt London legten. Farnham Castle stammt aus dem 12. Jahrhundert und zählt zu den wichtigsten mittelalterlichen Gebäuden in Südostengland. Im 15. Jahrhundert gehörte es dem Kardinal Henry Beaufort. Dieser führte den Prozess gegen Jeanne d´Arc. Am Weg liegen mehrere Weingüter wie beispielsweise Denbies, Greyfriars Vineyard in Guildford oder die Squerries-Weinberge bei Westerham.

Kirchen, Kapellen oder manchmal ein einschlägiger Ortsname geben Hinweise auf die Routen aus dem Mittelalter: Zur Kirche St. Martha-on-the-Hill beispielsweise gelangt man nur zu Fuß, es führt keine Straße auf den 175 Meter hohen Hügel. Vermutlich stand dort schon zu Zeiten der Angelsachsen eine Kirche. Sie ist allerdings nicht erhalten. Das vorhandene Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Berühmt sind die Kathedralen der Städte Winchester und Canterbury. Der mittelalterliche Pilgrim´s Way verband diese beiden Städte miteinander. „Diese 180 Kilometer lange Strecke war früher die wohl wichtigste Pilgerroute Englands“, schreibt die Buchautorin Emma Wells in ihrem Buch „Pilgrim Routes“. Tausende machten sich auf den Weg. Im 12. Jahrhundert wurde die Kathedrale von Canterbury umgestaltet, um dem Ansturm der Gläubigen standhalten zu können.

Diese Zeiten sind längst vorbei, doch eine Initiative will die Tradition wiederbeleben – allerdings unter ganz neuen Vorzeichen, die mit Religion allenfalls am Rande zu tun haben. „Es gibt nicht mehr den einen, typischen Pilger. Jeder hat ganz unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse“, sagt Dawn Champion vom British Pilgrimage Trust.

Selbstfindung und Naturverbundenheit stehen im Mittelpunkt. „Wir wollen, dass, dass Reisende einen Schritt heraus aus ihrem Alltag machen können“, sagt Champion. Zum modernen Pilgern gehören heute auch Malkurse, Workshops oder vielleicht eine Fahrradtour ins Grüne. Vom 21. September bis zum 25. September 2022 soll in Dover, Ashford und Canterbury ein Pilger-Festival stattfinden. Auch die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. (Infos: Britishpilgrimage.org (Abre numa nova janela)).

Wanderer können den Spuren der Pilger schon jetzt auf eigene Faust folgen. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist die Stadt Canterbury. Die dortige Kathedrale, Sitz des Erzbischofs von Canterbury, markierte einst das Ende des mittelalterlichen Pilgrim´s Path. Die Pilgerpfade südlich von Canterbury formen auf der Landkarte ein Rechteck mit den Städten Canterbury, Dover und Folkestone als wichtigste Anlaufstellen. Canterbury eignet sich auch als Ausgangspunkt, um die umliegende Region sternförmig zu erkunden. Dort verläuft auch der internationale Pilgerweg Via Francigena, der in Rom endet.

Highlights

DIE KIRCHE

Die Kathedrale von Canterbury

Die ursprüngliche Kirche stammt aus dem 6. Jhd. Nach dem Mord an Bischof Thomas Becket im Jahr 1170 pilgerten in der Folgezeit tausende Gläubige zur Grabstätte des Märtyrers. Die Kirche wurde dafür extra umgebaut. Die Glasfenster haben eine Fläche von insgesamt 1200 Quadratmetern.

DIE LANDSCHAFT

Der Teufelstreff

Der North Downs Way bietet zahlreiche schöne Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Einer davon ist Devil´s Kneading Trough rund 6 Km nordöstlich von Ashford. Einer Legende zufolge muss man sieben Mal um das Tal herum laufen, um den Teufel zu sehen. Es ist Teil eines Naturschutzgebiets.

DIE DÖRFER

Die Ortschaft Chilham

Chilham ist besonders malerisch. Einst stand hier eine Burg, und sogar der französische Thronfolger machte 1216 hier Halt; in der Hoffnung auf den Thron in London. Doch der Dauphin wurde enttäuscht und fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Seitdem geht in Chilham wieder alles seinen gemütlichen Gang. 

INFO

Anreise: Vermutlich ist kein anderer Fernwanderweg in England so gut an den öffentlichen Bahnverkehr angebunden: Rund 30 Bahnhöfe liegen direkt am North Downs Way oder in seiner unmittelbaren Nähe und vereinfachen die Reiseplanung. Info: nationaltrail.co.uk (Abre numa nova janela)

Geschichte: Die Downs haben eine lange Geschichte als Abwehr- und Schutzwall für London. Daran erinnern viele Burgen und Festungsanlagen entlang der Strecke.

Landschaft: Am Beginn des Wanderwegs bei Farnham dominieren die alten Wälder der Surrey Hills. Sie werden später von Grasland und einer offenen Hügellandschaft abgelöst. Die Downs haben Künstler inspiriert wie beispielsweise den Maler J.M.W. Turner oder den Romanautoren Charles Dickens.

Info: kentdowns.org.uk (Abre numa nova janela)

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