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Sunday Coffee Date

Meine liebe Steady Community,

heute sprechen wir über Stärke.

Ich starte (mal wieder) mit etwas Neuem. Ich weiß, ich weiß, es bleibt immer die Frage übrig, ob ich dabei bleibe und das jetzt auch wirklich durchziehe. Ich verstehe alle, die ihre Geduld und ihr Verständnis verloren haben. Ich würde Steady am liebsten jeden Tag mit unglaublich viel Kompetenz und Inspiration befüllen, aber meine mentale Gesundheit lässt das einfach nicht zu. Ich brauche Routinen - aber Routinen, die niedrigschwellig genug sind, damit ich sie auch wirklich durchziehen kann. Lasst uns einen letzten Versuch starten: Unser sonntägliches Coffee Date. Ich habe mir gesagt, dass ich Steady schließe, wenn ich diese Artikel nicht konsequent schreibe. Und ganz ehrlich, eigentlich habe ich wirklich genug Ideen und Nerd-Wissen zum Teilen. Ich setze mir selbst einfach nur meistens so hohe Standards, dass ich gar nicht erst anfange, um bloß nicht zu enttäuschen. Und ich bin müde. So. Verdammt. Müde.

Bild: Bastian Bochinski

Ich wurde angefragt, ob ich einen Artikel für eine Online-Zeitschrift schreiben will zum Thema Stärke. Das ist so ein Thema, das mich schon ewig begleitet. Immer wieder habe ich gehört “Wow, du bist so stark”. Und meine Gedanken waren immer: Lass mich doch bitte einfach schwach sein. Ich will nicht immer stark sein.

In den letzten zwei Jahren meiner Therapie habe ich langsam gelernt, diese Stärke anzunehmen. Ich habe sie abgelehnt, weil sie mich durchhalten ließ durch Situationen, die ich eigentlich nicht hätte ertragen sollen. Schmerzen, Gewalt, Manipulation. Ich war beinahe etwas stolz auf das, was ich ertragen konnte. Das bedeutete aber auch: Ich habe meine gesamte Kraft aufgewandt, um einfach nur zu überleben. Das ist kein akzeptabler Zustand. Das ist kein Leben.

Die Therapie hat mir geholfen, gesunde Grenzen zu setzen und mir zuzugestehen, Pausen zu machen. Das schaffe ich definitiv nicht immer, aber es hat sich so viel getan in den letzten Jahren. Ich will meine Ehe nicht ständig schlecht reden, aber wirklich gut war sie nicht. Ich habe viel durchgehalten, viel ausgehalten, unglaublich viel schön geredet. Ich habe meine Stärke aufgebraucht, um bloß für alle in dieser Familie da zu sein - nur nicht für mich. Und das ist wahrscheinlich die größte Veränderung. Ich weigere mich, Verantwortung für das Wohlbefinden eines anderen Erwachsenen zu übernehmen. Ich weigere mich, mich selbst aufzugeben, um mich um alle anderen zu kümmern. Mein Leben als Alleinerziehende und Trauma-Überlebende ist anstrengend genug.

In der Therapie habe ich unheimlich viel an mir gearbeitet. Ich konnte meine Traumareaktionen in den Griff bekommen. Ich kann meine negativen Gedankenspiralen stoppen. Und ich brauchte meine Stärke für den Heilungsprozess.

Dass ich jetzt gerade so immens erschöpft bin, ist wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass endlich Ruhe einkehren darf. Ruhe in meinem Leben, Ruhe in meinen Gedanken. Ich habe die Kapazitäten, um erschöpft zu sein. Und jetzt baue ich mir nach und nach mein Leben neu auf. Ich habe die Wohnung verändert, ich habe mein Innenleben verändert, ich verwende meine Energie darauf, mit wundervollen Menschen in Kontakt zu bleiben und langsam in meine guten Angewohnheiten zurück zu finden und das gibt mir wieder Energie.

Ich glaube, wahre Stärke ist es zu sehen, wann man eine Pause braucht vom Starksein. Wenn man die Energie, die man hat, anwendet für Dinge, die einem mehr Energie geben und wenn man sich weigert, sich Energie rauben zu lassen von Menschen, die einem nicht gut tun und den ewigen Selbstvorwürfen. Und wenn man sich dann aber auch nicht völlig hängen lässt, sondern schaut: Was kann ich denn jetzt für mich tun, damit ich die Kraft habe, meinen Verpflichtungen nachzukommen? Denn all das, was so in meinem Leben ansteht, Rückstellung von der Schule für den Jüngsten, Scheidungsstress und Streit ums Geld, Geldsorgen, Haushalt, Erziehungsfragen, Arbeit - das möchte ja trotzdem erledigt werden. Ich brauche Pausen, ja, aber ich kann nicht alles schleifen lassen, weil mir das auch nicht gut tut. Ich muss bloß einen gesunden Umgang mit allem finden.

Und genau das habe ich vor. Ohne mich selbst schon wieder völlig zu überfordern.

In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Sonntag und vielleicht habt ihr die Kapazitäten, darüber nachzudenken, was ihr gerade am meisten braucht. Wir sind stark. Wir müssen nicht immer stark sein. Aber wir können einen gesunden Umgang mit all den Herausforderungen finden, die uns das Leben so stellt.

Eure Anna

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