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Das Wassermannzeitalter

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Sternengeschichten Folge 645: Das Wassermannzeitalter

"This is the dawning of the Age of Aquarius". Diese Textzeile aus einem Lied des bekannten Musicals "Hair" haben vermutlich die meisten schon mal gehört. Genau so wie den Begriff "Wassermannzeitalter", die deutsche Übersetzung von "Age of Aquarius". Und man muss nicht sonderlich viel Ahnung haben, um zu erkennen, dass es dabei um Astrologie geht, immerhin heißt es ja auch im Text des Liedes zum Beispiel "wenn der Mond im siebten Haus steht und Jupiter sich an Mars ausrichtet, dann wird Friede die Planeten leiten". Und keine Sorge - ich werde hier jetzt keine Podcastfolge über ein Hippie-Musical aus dem Jahr 1968 machen. Aber die Sache mit dem Wassermannzeitalter taucht auch außerhalb der Musiktheater immer wieder auf und hat, trotz der Astrologie, einen wissenschaftlichen Hintergrund.

Wenn wir wissen wollen, was es mit dem Wassermannzeitalter auf sich hat, müssen wir zuerst klären, was der Frühlingspunkt ist. Den Begriff habe ich schon in diversen Folgen immer wieder erwähnt, weil es sich um ein durchaus grundlegendes Konzept in der Astronomie handelt. Stellen wir uns dazu die Erde vor. Die Erdkugel hat einen Äquator und wir können uns vorstellen, dass wir diesen Äquator auf den Himmel projizieren. Dann läuft, parallel zum Äquator der Erde eine Linie einmal rund um den Himmel und diese Linie ist der Himmelsäquator. Er teilt den Himmel in einen nördlichen und einen südlichen Bereich und das ist es auch, was gemeint ist, wenn man zum Beispiel sagt, dass Cassiopeia oder der große Bär Sternbilder am Nordhimmel sind oder das Kreuz des Südens sich am Südhimmel befindet.

Wir wissen außerdem, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Von der Erde aus betrachtet erscheint es uns aber natürlich so, als würde sich die Sonne bewegen und die Erde stillstehen. Und mit "Bewegung der Sonne" meine ich jetzt nicht, dass die Sonne morgens über dem Horizont aufgeht, bis Mittags am Himmel immer weiter nach oben wandert und dann am Abend wieder hinter dem Horizont verschwindet. Diese scheinbare Bewegung ist das Resultat der Tatsache, dass sich die Erde einmal pro Tag um ihre Achse dreht. Es geht um etwas anderes: Wir können zwar keine Sterne sehen, wenn die Sonne am Himmel steht, aber sie sind natürlich trotzdem da. Stellen wir uns jetzt vor, wir messen jeden Tag die Position der Sonne am Himmel, immer zum selben Zeitpunkt, zum Beispiel genau zu Mittag. Würden wir diese Position in einen Karte des Himmels eintragen, dann würden wir merken, dass sich die Sterne im Hintergrund im Laufe der Zeit langsam verändern. Das ist auch logisch, weil sich der Blickwinkel verändert, unter dem wir die Sonne betrachten. Stellen wir uns vor, wir machen einen Spaziergang, einmal um ein kleines Dorf rundherum. In der Mitte des Dorfes steht eine Kirche, das ist die Sonne. Wir selbst sind die Erde und so wie die Erde sich um die Sonne bewegt, bewegen wir uns einmal rund um das Dorf mit dem Kirchturm. Wenn wir alle paar Minuten Rast machen und zum Kirchturm schauen, werden wir bemerken, dass sich der Hintergrund ändert, weil sich unsere Position geändert hat. Genau so ändern sich die Sterne, die wir im Hintergrund der Sonne sehen könnten, wenn wir sie jeden Tag beobachten.

Das ist alles noch recht einfach zu verstehen, sowohl beim Spaziergang als auch bei der Sonne. Und wenn wir jetzt eine Linie in unsere Sternkarte zeichnen, die die scheinbare Position der Sonne im Laufe eines Jahres vor dem Hintergrund der Sterne angibt, dann ist das die sogenannte "Ekliptik". Sie läuft, wie der Himmelsäquator, einmal um den ganzen Himmel rundherum. Die Eklitik zeigt uns die scheinbare Bahn der Sonne an, die sie in einem Jahr zurück legt, beziehungsweise ist die auf den Himmel projizierte Bahnebene, in der sich die Erde um die Sonne bewegt.

Wenn wir das alles machen, also einmal die Ekliptik in die Karte einzeichnen und dann auch noch den Himmelsäquator, dann werden wir merken, dass beide Linien nicht übereinstimmen. Das würden sie nur dann tun, wenn die Erdachse exakt senkrecht auf die Ebene der Erdbahn steht. Das tut sie aber nicht: Die Rotationsachse der Erde ist um gut 23,5 Grad aus der Senkrechten gekippt. Und deswegen ist auch der Himmelsäquator um genau diese 23,5 Grad gegenüber der Ekliptik gekippt. Und DAS bedeutet: Es gibt nur zwei Punkte, in denen sich diese beiden Kreise schneiden. Diese beiden Punkte sind etwas besonderes.

Erinnern wir uns: Die Ekliptik gibt uns die scheinbare Position der Sonne am Himmel der Erde an. Eine Hälfte des Jahres bewegt sich die Sonne in dem Teil der Ekliptik, der sich über der Linie des Himmelsäquators befindet; in der anderen Hälfte des Jahres auf dem Teil, der unter dem Himmelsäquator verläuft. Wenn wir die Sonne über dem Himmelsäquator sehen, dann ist sie auch lange zu sehen; die Tage dauern lange; länger als die Nacht und wir haben Sommer. Im anderen Fall ist es umgekehrt und es ist Winter. Aber wenn sich die Sonne genau in den Schnittpunkten zwischen Himmelsäquator und Ekliptik befindet, dann sind Tag und Nacht exakt gleich lang. Diese beiden Tagen im Jahr, wo das passiert, markieren den Anfang des Frühlings und den Anfang des Herbst. Und den einen Punkt, wo die Sonne von unterhalb des Himmelsäquators kommt, nennen wir den Frühlingspunkt, weil es der Tag ist, an dem der astronomische Frühling beginnt. Diesen Punkt haben wir in der Astronomie außerdem als Nullpunkt eines der wichtigen Himmelskoordinatensystem gewählt. Wir brauchen da ja Koordinaten, die unabhängig von der Bewegung und der Rotation der Erde sind, ansonsten würden sich die Koordinaten der Sterne andauernd verändern. Also definiert man ein Koordinatensystem, das sich mit der Erde mitbewegt und der Frühlingspunkt ist da ein super Nullpunkt.

Nur dass der Frühlingspunkt nicht wirklich ein Nullpunkt ist. Wo genau sich der Frühlingspunkt befindet, hängt davon ab, in welche Richtung die Erdachse zeigt. Die ist zwar immer um genau 23,5 Grad aus der Senkrechten geneigt, beziehungsweise verändert sich dieser Wert nur wenig. Aber die Richtung am Himmel in die die geneigte Achse zeigt, ist nicht fix. Das hat schon der griechische Gelehrte Hipparch vor mehr als 2000 Jahren festgestellt, als er alte Koordinatenangaben von Sternen aus der Zeit der Babylonier mit seinen eigenen, neueren Messungen verglichen hat. Heute wissen wir, dass er recht gehabt hat: Die Erdachse dreht sich: Der Punkt auf den sie am Himmel zeigt, verändert sich im Lauf der Zeit. Aktuell zeigt die Erdachse mit ihrem nördlichen Ende fast genau in Richtung des Polarsterns. Aber in der Vergangenheit hat sie anderswo hin gezeigt und in Zukunft wird sie anderswohin zeigen. Der Punkt auf den sie zeigt, beschreibt einen kleinen Kreis am Himmel. Und wenn man jetzt eine gute Vorstellungskraft hat - oder sich entsprechende Bilder im Internet ansieht - kann man erkennen, was das für Auswirkungen hat. Wenn sich die Ausrichtung der Erdachse verändert, verändert sich auch der Ort, an dem die Ekliptik und der Himmelsäquator einander schneiden. Oder anders gesagt: Während der Punkt an den die Erdachse am Himmel zeigt einen kompletten Kreis durchläuft, läuft auch der Frühlingspunkt einmal um den ganzen Himmel herum.

Wie gesagt: Das ist alles echte Astronomie; das wissen wir seit der Zeit von Hipparch; wir wissen heute auch, warum die Erdachse das macht (das liegt daran, dass die Erde keine exakte Kugelform hat und an der Anziehungskraft des Mondes) und wir wissen, dass es circa 25.800 Jahre lang dauert, bis der Frühlingspunkt einmal um den Himmel gelaufen ist. Wir müssen das berücksichtigen, wenn wir Positionsangaben in der Astronomie machen und ältere Koordinatenangaben entsprechend umrechnen, wenn wir sie mit aktuellen Daten vergleichen. Mit Astrologie hat das alles noch nichts zu tun.

Jetzt kommt der Wassermann (Bild: Jacob Jordaens, Public Domain) (Si apre in una nuova finestra)
Jetzt kommt der Wassermann (Bild: Jacob Jordaens, Public Domain)

Die kommt erst ins Spiel, wenn man sich ansieht, wo am Himmel der Frühlingspunkt zu bestimmten Zeiten zu sehen ist. Wenn wir zum Beispiel nachsehen, wo sich Himmelsäquator und Ekliptik zur Zeit schneiden, dann tun sie das dort, wo wir auch das Sternbild der Fische sehen können. Früher, in der Antike, war das aber nicht so. Damals hat sich der Frühlingspunkt im Sternbild des Widders befunden. Anders gesagt: Wenn heute der Frühling (auf der Nordhalbkugel) beginnt, sehen wir die Sonne vor dem Hintergrund der Sterne, die das Sternbild Fische bilden; damals war zur selben Zeit im Hintergrund das Sternbild des Widders zu sehen. Und in Zukunft wird sich der Hintergrund natürlich wieder ändern; ich habe ja gerade vorhin erklärt, dass der Frühlingspunkt einmal in 25.800 Jahren um den ganzen Himmel herum läuft. Das nächste Sternbild, in dem wir den Frühlingspunkt beobachten werden könne, ist das des Wassermanns.

Und DAS ist es, was die Astrologie mit diesen Zeitaltern meint. Das Wassermannzeitalter beginnt, wenn der Frühlingspunkt das Sternbild der Fische verlässt und ins Sternbild des Wassermanns eintritt. Und was passiert dann? Nichts natürlich - aber Astrologie und Esoterik haben natürlich jede Menge obskure Vorstellungen. Das Zeitalter der Fische sagen sie zum Beispiel, hat begonnen, als sich das Christentum vor gut 2000 Jahren etabliert hat; immerhin ist ja der Fisch auch das Zeichen der Christen. Das Wassermannzeitalter wird dann einen neuen radikalen Wandel des menschlichen Denkens bringen; Materialismus wird enden, alles wird spiritueller, freier, und so weiter. Das Zeitalter des Monotheismus ist vorbei, der Mensch wird wieder im Mittelpunkt stehen, aber in seiner spirituellen-göttlichen Form. Und so weiter - man kann da jede Menge Interpretationen finden. Und wann ist es so weit?

Tja - das ist das Problem. Das lässt sich nicht sagen. Denn dafür müssten sich alle einig darüber sein, wo die Grenzen der Sternbilder am Himmel liegen. Nimmt man die von der Astronomie offiziell definierten Grenzen, dann wird das Wassermannzeitalter irgendwann um das Jahr 2600 beginnen. Das findet die Astrologie aber doof, die hat ja sowieso ihre eigenen Sternbilder, die nichts mit den realen Sternbildern zu tun haben. Und je nachdem, welcher astrologischen Schule man anhängt, kann man das Wassermannzeitalter schon früher oder später beginnen lassen. Vielleicht kommt es Mitte des 22. Jahrhunderts. Vielleicht erst 2200 oder überhaupt erst im Jahr 3600. Oder vielleicht hat es auch schon längst begonnen. Je nachdem, wo man fragt, hat es nämlich schon 2008, 1997, 1962, 1950 oder 1900 begonnen.

Wie gesagt: Aus astronomischer Sicht ist es nicht weiter bemerkenswert, wenn sich die Position des Frühlingspunktes verschiebt. Das ist normal, das macht der Frühlingspunkt seit es die Erde gibt. Die Erde bewegt sich um die Sonne, die Erdachse bewegt sich und deswegen sehen wir immer einen anderen Sternenhintergrund, wenn wir am Himmel in Richtung Frühlingspunkt schauen. Dass wir irgendwann angefangen haben, diese zufällig verteilten Hintergrundsternen zu Figure zu ordnen, ist wieder eine ganz andere Sache. Der Frühlingspunkt kann nichts dafür, dass er mal vor dieser und mal vor jener Figur zu sehen ist.

Argomento Astronomie

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