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Wer klaut diese drei Ideen?

Montagmorgen. Hier ist Blaupause, der Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Diese Woche: drei Produkt-Ideen.

Hallo!

Samstag vor einer Woche war ein wichtiger Tag für die Blaupause. Es war der Tag, als aus Newsletter-Leser:innen und Zoom-Bekanntschaften Begegnungen wurden. In echt, IRL, Fleisch, Blut und so! Ich fand es ganz toll, und wenn ich dem Feedback glauben darf, fanden die Teilnehmenden den Community-Tag durchschnittlich 9,1 von 10 (!).

Ich kann noch nicht sagen, was genau an diesem Tag losgegangen ist. Dazu in den kommenden Wochen mehr. Aber ich habe enorm viel gelernt über die Lage der Creator-Nation. Über den Erfolg oder Misserfolg von neu gegründeten Unternehmen entscheidet – nach Auskunft von Leuten, die es beurteilen können – zuallererst die Fähigkeit der Gründer:innen, ihren Usern zuzuhören (hier ein gutes Interview dazu (Si apre in una nuova finestra)). 

Der Blaupause-Community-Tag war eine einmalige Gelegenheit, Creators und ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Also habe ich versucht, zuzuhören.

Drei Ideen, klauen erwünscht

Als Ergebnis möchte ich drei Fragen stellen, die so gut wie alle Creators im Moment beschäftigen.

1. Wie bekomme ich mehr Reichweite für meine Inhalte?
2. Wo kann ich Teil einer Community von Creators werden, die sich wohlwollend unterstützt?
3. Wie mache ich mehr Umsatz mit einer Publikation?

Ich will diese Bedürfnisse nacheinander analysieren und fange diese Woche mit der Reichweite an. 

Praktischerweise gab es beim Community-Tag eine Menge valide Ideen für Produkte, die helfen würden, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Wie neulich beschrieben, sind Ideen nichts wert, ohne jemanden, der sie mit ganzem Herzen umsetzen will. Aber Ideen braucht man halt schon, und deswegen schreibe ich sie hier auf in der Hoffnung, dass es da draußen Menschen gibt, die auf der Suche sind nach einer guten Idee, mit einer klaren Zielgruppe und einem großen Bedürfnis.

An diese Leute: Bedient euch! Und meldet euch bei mir, falls ihr Hilfe braucht. Das Creator-Ökosystem braucht bessere Werkzeuge und Strukturen.

Creators brauchen mehr Reichweite

Kleine, unabhängige Medien haben ein Reichweitenproblem. Es wird zunehmend schwieriger, ein Publikum über neue Inhalte zu informieren, die nicht auf einer der großen Social-Media-Plattformen veröffentlicht werden, zum Beispiel auf einer Webseite, in einem Newsletter oder als Podcast (Stichwort discovery).

Das liegt daran, dass diese Plattformen kein Interesse haben, Links zu verbreiten, denn sie wollen die Leute ja auf der eigenen Plattform halten. Darum ist es zwar möglich, aber unrealistisch, dass User in Tiktok, Instagram oder Youtube auf einen Link zu einer externen Webseite oder Landingpage tippen. Erstmal müssen sie überhaupt Lust haben, den den „Link in Bio“ zu finden, dann geht ein In-App-Browser-Fenster auf statt ein nativer Browser wie Chrome oder Safari. Solche In-App-Browser-Fenster sind so gestaltet, dass sich die User abgewöhnen, es überhaupt zu versuchen. Wie gesagt: Das Ziel der Plattformen ist, die Zeit zu maximieren, die ich und du auf der Plattform verbringe – nicht mich wegzuschicken auf eine externe Webseite.

Zweitens wollen diese Plattformen zunehmend mehr Geld dafür sehen, dass meine Inhalte meiner eigenen Community überhaupt angezeigt werden. Vor einiger Zeit noch konnte es sich auch für kleinere Publikationen sogar lohnen, Geld in Facebook- oder Instagram-Anzeigen zu stecken, weil diese rein rechnerisch noch mehr Umsatz mit neuen Mitgliedern/Abos abwarfen. Inzwischen ist die Konversion aber gesunken und darum ist das so teuer, dass diese Art von eingekauftem Umsatz sich im Normalfall (niedrige Mitgliedschaftspreise/Lifetime Values (Si apre in una nuova finestra)) nicht mehr lohnen. „Paid Acquisition“ ist etwas für E-Commerce oder teure Zeitungsabos, aber nicht für Indie-Creators.

Nun versuchen alle Medien, ob groß oder klein, eigene Reichweiten aufzubauen zu ihrem Publikum. Mit anderen Worten: Sie bitten ihre User um eine E-Mail-Adresse, um ihnen Werbemails mit Sonderangeboten zuschicken zu können. So ist die Flut von Morgen-Newslettern zu erklären, oder die Bitte um eine Meinung zu einem aktuellen Ereignis. Natürlich von Giovanni di Augstein-Steingart ganz persönlich. 

Das klappt umso besser, je mehr eigene („organische“) Reichweite ein Medium hat. Und die lässt sich nur mit sehr viel Content aufbauen. Nur wer es sich leisten kann, täglich dutzende oder mehr aktuelle Artikel zu veröffentlichen und suchmaschinenoptimierte Systeme zu unterhalten und erreicht Millionen Menschen, von denen dann hoffentlich Zehntausende freiwillig ihre Mailadresse angeben. Inhalte produzieren, nur um Reichweite zu schaffen, das können Indie-Medien nicht leisten.

Reichweite ist also ein Problem für Creators, heute mehr denn je. Was tun?

Produktidee 1: Ein Outbrain/Taboola für Creators als Link-Kartell

Wir kennen alle diese Boxen mit empfohlenen Links unter den Artikeln auf reichweitenstarken News-Seiten wie Spiegel/Zeit/Welt/usw. Online. Diese Boxen empfehlen einerseits andere Artikel der entsprechenden Seite, andererseits aber Links zu Artikeln anderer Verlage und Links zu Produkten.

Diese Boxen kommen fast immer von entweder Outbrain oder Taboola. Man kann bei diesen Services einen Anzeigenplatz buchen, für den man jedes Mal bezahlt, wenn jemand draufklickt. Es sind also Werbenetzwerke ähnlich wie Google Ads und Facebook-Anzeigen, die Aufmerksamkeit und persönliche Daten in Geld verwandeln. Natürlich fließen nur geringe Beträge – ein paar Cent pro Klick, wovon der Publisher nur einen Teil abbekommt. Es lohnt sich also nur für große Seiten, die auf Reichweite optimiert sind. Für Creators uninteressant.

Wir brauchen zwar keine Centbeträge. Aber ein großes Problem von kleinen Medien ist, dass es zwar möglicherweise Interesse an unseren Inhalten gibt, die entsprechenden Zielgruppen aber nicht häufig genug mit der Nase darauf gestoßen werden. Darum müssen wir eine viel höhere Konversionsrate erreichen, um ausreichend Mitgliedschaften/Abos zu verkaufen, obwohl die Budgets niedriger sind. Das ist ein Wettbewerbsnachteil.

Dieses Problem könnten solche Recommendation-Box für Creators lösen, indem wir gegenseitig unsere Artikel empfehlen, im Austausch gegen Reichweite. Man könnte es ein Verlinkungs-Kartell nennen. Wie gut so etwas funktionieren kann, lässt sich bei Funk beobachten, dem Youtube-Netzwerk der Öffentlich-Rechtlichen. Die Funk-Creators featuren sich gegenseitig die ganze Zeit, sodass neue Menschen und Marken durch diese Netzwerkeffekte etabliert werden können. Ähnlich gehen Podcast-Netzwerke vor, die Eigenanzeigen für neue Podcasts in ihren erfolgreichen Shows platzieren.

Produktidee 2: Ein Plattform-unabhängiges Newsletter-Empfehlungssystem

Substack ist eine Newsletter-Plattform, die vor allen in Amerika inzwischen ein kulturelles Phänomen ist. Schreiberlinge aller Art können Newsletter veröffentlichen und bezahlte Abos verkaufen, ähnlich wie bei Steady. Ein Feature lieben diese Substack-Creators sehr, denn es verschafft ihnen quasi im Schlaf zusätzliche Leser:innen: die Empfehlungen.

Das Tolle ist, wie einfach dieses Feature funktioniert, ganz ohne AI und Klimbim. Creator A mag etwas, das Creator 2 geschrieben hat und drückt auf den Button „empfehlen“. Anschließend bekommen alle Leser:innen des Newsletters von Creator A automatisch den Newsletter von Creator B empfohlen. Fertig!

Leser:innen sind immer auf der Suche nach Tipps von Leuten, denen sie vertrauen und deren Texte sie lesen – so funktionieren Facebook und Twitter. Aber warum sollten solche Empfehlungsmechanismen auf geschlossene Plattformen beschränkt bleiben? Warum kann mein Steady-Newsletter nicht automatisch andere Creators empfehlen? Es fehlt dazu nur das Werkzeug.

So etwas zu bauen, ist nicht schwierig. Das Netzwerk zu organisieren, schon eher. Ich wäre aber auf jeden Fall dabei, denn wer hat schon etwas gegen mehr Leser:innen?

Produktidee 3: Eine Dating-Plattform für Podcast-Hoster

Es gibt inzwischen fast so viele Podcasts wie Podcast-Hörer:innen. Okay, übertrieben, aber nur leicht. Neue Podcasts haben es schwer, wenn sie nicht von einem der großen Netzwerke finanziert und vermarktet werden oder eine bekannte Fernsehnase enthalten.

Kleine Creator-Podcasts sind darauf angewiesen, von anderen Podcasts empfohlen zu werden. Zum Beispiel, indem sie einander einladen, auf interessante Episoden hinweisen oder sogar die Arbeit anderer Podcaster:innen im eigenen Feed übernehmen. Auf diese Weise lassen sich die Communitys der beiden Podcasts tauschen, und die Reichweite beider beteiligten Projekte steigt.

So etwas zu organisieren, ist oft mühsam, manchmal frustrierend und nicht selten unangenehm. Es gibt außerdem Podcasts, die sich ähnlich sind, aber nichts voneinander wissen. Kommt uns das nicht bekannt vor? Solche Matching-Probleme lösen doch seit vielen Jahren die Dating-Plattformen (Disclaimer: Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine benutzt). Sie empfehlen Partnerschaften auf Basis von ausführlichen Profilen und Wünschen und bandeln Kontakte an. Es gibt sie für Podcaster und Gäste (Podmatch (Si apre in una nuova finestra), Matchmaker (Si apre in una nuova finestra)). Aber warum nicht auch für Podcaster:innen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn aus diesen Ideen irgendetwas wird. Bitte klaut sie, finanziert sie, baut sie.

Bis nächsten Montag!
👋 Sebastian

PS:

Jobs: Hannes Grassegger (Si apre in una nuova finestra), der Schweizer Reporter, der uns die Cambridge Analytica Debatte beschert hat, hat Geld aufgetrieben, um ein digitales Netzwerk für News aufzubauen. Er hat drei Stellen zu vergeben (Si apre in una nuova finestra), Tech Director, Community & Communication und Management und man sollte sich das unbedingt anschauen. Bewerbungsfrist 15. März. Standort Zürich/Hybrid. 

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