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Ein Millionendeal!? Die LVM, ihre Rabatte und ein erfolgreicher Vertrauensmann

Die beiden Parteien, die sich am Donnerstag, 20. März um 11 Uhr im Saal A 104 im Landgericht Münster treffen wollten, hatten über Jahre, Jahrzehnte zusammen einträgliche Geschäfte gemacht. Zum beiderseitigen Vorteil. Der Vertrauensmann (VM) und das Versicherungsunternehmen LVM, das in Münster unübersehbar am Koldering residiert. Seit 1996 bestand dieses Arbeitsverhältnis. Die Arbeitsbeziehung regelte ein Handelsvertretervertrag. Die Geschäfte florierten, der Vertrauensmann betrieb seine Geschäfts anfangs mit seinem Bruder. Der Vertrauensmann galt als einer der erfolgreichsten VM der LVM überhaupt - und wird dementsprechend gut verdient haben. Das Beitragsvolumen seines Vertragsbestandes soll bei mehreren Millionen Euro gelegen haben. Es hagelte förmlich Auszeichnungen und Prämien. Eine der Geschäftsstellen in einem Vorort Münsters hätte sicher einen Preis als Musterbetrieb verdient gehabt. Sogar aus der Hecke hatte ein kreativer Gärtner das LVM-Logo geformt. Aber das war gestern. Aktuell hängt in der Tür ein Zettel, dem zu entnehmen ist, dass das Büro „bis auf ein Weiteres" geschlossen ist, Kunden mögen sich. sich an die zentrale Kundenbetreuung der LVM wenden. Da war also irgendetwas schief gelaufen.
Die LVM hatte dem über Jahrzehnte erfolgreichen Vertrauensmann erst freigestellt, später gekündigt. Warum, darüber können Aussenstehende nur Mutmaßungen anstellen, es gibt verschiedene Erklärungen, je nachdem welcher Seite man zuhört. Lag es an einer Verweigerungshaltung des Vertrauensmanns gegenüber der digitalen Vertriebsstrategie? Oder lag es daran, dass der Vertrauensmann Geschäftspraktiken der Kfz-Abteilung nicht mehr weiter mitmachen wollte, weil er sie als illegal erachtete? Und soweit ging, einen Verdacht wegen eines Verstoßes gegen die LVM-eigenen Complianceregeln zu melden? Jahrelang war diese Praxis im Unternehmen gelebt worden, nämlich zustehende Rabatte an die Kunden der KfZ-Sparte nur noch unvollständig zu gewähren. Mit dieser fragwürdigen Methode, die sicher nicht aus dem Handbuch des redlichen Versicherungskaufmanns stammt, sollten drohende Milliardenverluste im KfZ-Geschäft kompensiert werden. (Auf diesen Aspekt werden wir noch einmal gesondert eingehen d. Red)
So kann man es jedenfalls im Schriftsatz des Bremer Anwalts des Klägers nachlesen, der der Redaktion vorliegt. Im Versicherungsjargon nennt man das Rabattentnahme, wenn also bestehenden Kunden-Rabatte aus laufenden Verträgen herausgenommen wurden - natürlich alles ohne die Kunden transparent darüber zu informieren. Den Kunden soll dies übrigens nur ganz selten aufgefallen sein, zu Beanstandungen kam es kaum. Die Summen, die die LVM dadurch vereinnahmt haben soll, sind beträchtlich. Nach Berechnungen des Bremer Anwalts soll sie in der Summe bei etwa 100 Millionen Euro gelegen haben.
Die wahrscheinlich kritisch zu hinterfragenden Rabattpraktiken der LVM sind in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung genauso wenig zur Sprache gekommen, wie die Frage, ob die Kündigung des VM rechtens war. Die Türen des Saals 104 wurden am Prozeßtag nie geöffnet. Gegen 11.45 Uhr trat der Vorsitzende Richter der Handelskammer vor die wartenden Zuschauer der Verhandlung. Er erklärte, der Termin ist aufgehoben, weil sich die Parteien derzeit in erfolgsversprechenden Einigungsgesprächen über eine gütliche Auflösung ihres Arbeitsverhältnis befänden. Es werde ein neuer Termin anberaumt. Fraglich, ob der noch benötigt wird. Dem Vernehmen nach soll es um eine Abfindung in Höhe von mehreren Millionen Euro gehen. Von der LVM-Pressestelle haben wir zu dieser Angelegenheit dieses Statement erhalten: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Verfahren im Detail nicht äußern. Wie Ihnen bekannt ist, wurde das Verfahren auf Juli vertagt.“ (fb)

Bild: Die Hecke im LVM-Format im Vorgarten der Geschäftsstelle könnte etwas Wasser vertragen. Foto: Frank Biermann

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