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Kannibalen-Kinder im Regenwald

Kinderaufzucht ist anstrengend, davon können wir Menschen auch echt ein Lied von singen. Keine Ahnung, wie viele von euch meinen Newsletter in Ruhe auf der Toilette lesen, auf der ihr euch mal 5 Minuten vor den Kids versteckt. Kinder machen das Leben schöner, aber auch deutlich komplizierter. Manchmal hat man das Gefühl, sich für den Nachwuchs komplett aufzugeben, während er einem die Haare vom Kopf frisst und immer nur fordert. Und da sind wir auch schon beim Thema: Um eine Fortpflanzungsstrategie, die wirklich das letzte Hemd von den Müttern fordert. Ich erzähle dir heute von der Ringelwühle, Siphonops annulatus. Sie lebt vor allem nördlich der Anden und mag es tropisch feucht.

Die Ringelwühle sieht aus, wie eine blau-weiß geringelte Kreuzung zwischen Schlange und Wurm, gehört aber zu den Amphibien, genau genommen zu den Schleichenlurchen. Wie eine Blindschleiche hat sie keine Beine, die braucht sie aber auch nicht. Sie lebt gerne unterirdisch und gräbt in geringer Tiefe Tunnel durch den Erdboden, die sie mit ihrem glitschigen Hautsekret schön schmierig macht, um da gut durchgleiten zu können. Diese Tiere sind Jäger und ernähren sich gerne von kleinen wirbellosen Tieren wie Regenwürmer, sagen aber auch bei der ein oder anderen kleinen Eidechse oder ähnliches gelegentlich nicht nein, sofern sie diese mit ihren 20-40cm Körperlänge überwältigen können.

Bis hier hin klingt alles noch relativ normal, oder? 

Keine Sorge, es wird noch ... spezieller.

Es gibt viele verschiedene Konzepte der Kinderversorgung

Unter Tieren gibt es unendlich viele Strategien, den Nachwuchs zu pflegen und ihn mit all den Nährstoffen zu versorgen, die er braucht, um groß und stark zu werden.

Bei uns Menschen regeln wir das über Milch. "Menschenmilch" besteht zu fast 90 Prozent aus Wasser, der Rest setzt sich aus Fetten, Proteinen (also Eiweißen) und Kohlehydraten zusammen. Das ganze wird noch garniert durch Vitamine, Spurenelemente und Antikörper, um das Immunsystem der Babys schon einmal gut auszustatten. 

Das Konzept "Milch" ist bei Säugern etabliert, andere Tiere, wie z.B. Vögel, fangen Nahrung und kauen sie vor, sodass die kleinen Küken den nahrhaften Brei gut runterbekommen. Das Investment ist in beiden Fällen recht hoch, das Zubereiten der Milch ist wahnsinnig anstrengend und kräftezehrend für die Säugermütter, die Jagd auf Nahrung für Vögel & Co. aber auch. Übrigens gibt es auch Insekten, die Brutpflege betreiben: Totengräber, eine Käferart, füttert ihre Jungen, die auf sich und ihren Hunger durch einen kleinen Tanz aufmerksam machen, den man in der Fachsprache "Sterzeln" nennt. Darüber habe ich auch in meinem Buch "Abschied von Hermine" geschrieben, falls du da mehr drüber lesen willst.

Natürlich gibt es auch viele Tiere, die von klein auf auf sich gestellt sind. Man denke an die kleinen Meeresschildkröten, die sich jedes Jahr nach der Eiablage aus dem Sand buddeln und ins Meer laufen, um dort dann zu schauen, wie sie klarkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=HYF_vUBFSsA (Si apre in una nuova finestra)

Der Anblick zieht mir immer alles im Bauch zusammen, weil ich weiß, wie viele einfach nicht sehr alt werden. Und weil der Anblick so rührend ist, wie diese kleinen, zarten Tiere so unbeholfen, aber entschlossen ins Meer watscheln, um dort ein gefährliches Leben zu leben. Herrje, mein Herz!

Milch geben ist was für Anfängerinnen

Aber zurück zur Blindwühle. Auch sie hat eine Fortpflanzungsstrategie entwickelt, die ein hohes Investment in den Nachwuchs verlangt, aber auch mit einer extrem hohen "Rendite" belohnt wird. Soll heißen: Die Mütter investieren viel Zeit und Kraft in die Aufzucht, die überdurchschnittlich erfolgreich ist und starke, sehr gut überlebensfähige Kinder in die Welt entlässt.

Wenn zwei Blindwühlen sich treffen und attraktiv finden, kommt es zur Paarung, meist in einem geschützten Versteck. Anschließend legt das Weibchen zwischen 5 und 20 Eier in ein zuvor ausgegrabenes, vertieftes Nest. Diese Eier sind über eine Membran alle miteinander verbunden, sodass sie sich nach und nach zu einer Art Traubenrebe miteinander verwurschteln. Das Ringelwühlen-Weibchen legt den eigenen Körper um die Eier und platziert den Kopf darüber, sodass die Brut geschützt ist und von ihrem abgesonderten Hautsekret auch immer schön feuchtgehalten wird. Nach einem Monat schlüpfen die kleinen Wühlen und sehen aus wie halbtransparente, winzige Regenwürmer. Die Konstellation mit ihrer Mutter sieht dann ungefähr so aus:

Der Körper der Mutter ist immer noch um den Nachwuchs gelegt. Doch hat sich jetzt etwas sehr Wichtiges verändert: Die Haut der Mutter, die bisher dunkelblau war, hat sich jetzt verdickt und sieht jetzt milchig-weißblau aus. Und wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die kleinen Ringelwühlen-Kids nicht einfach nur in der Mitte ihrer Mama liegen und ausharren, sondern der unwissende und deshalb entsetzte Betrachter sieht, dass die Jungtiere ihre Mutter ... fressen.

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