Passa al contenuto principale

Frauenblut – Dein Ratgeber für die Menstruation

Manuela Kloibhofer Herbig Verlag Erschienen: 17. Juni 2021 Seiten: 320

Eine Rezension von Natascha von Ganski

In den 20 Jahren meiner Naturheilpraxis habe ich so einige Bücher zum Thema Frauen und Frauenheilkunde gelesen. Von nur sehr wenigen kann ich sagen, dass ich sie auch gerne “am Stück” gelesen habe.

Natürlich ist mir der Unterschied zwischen einem Ratgeber und einem Fachbuch bekannt und es liegt in der Natur der Sache, dass Letzteres nicht den Anspruch auf Unterhaltung erhebt.

Ich finde allerdings, es schadet nicht, Angenehmes mit Sachlichem zu verbinden.

Die Kombination eines unterhaltsamen Ratgebers mit dem Anspruch fundierte, medizinische Informationen zu vermitteln, empfinde ich deshalb als sehr begrüßenswert.

Und hier möchte ich auf “Frauenblut – Dein Ratgeber für die Menstruation” von Manuela Kloibhofer zu sprechen kommen.

Selten habe ich ein Buch zum Thema Menstruation gelesen, das nicht nur fachlich beeindruckt, sondern auf eine geschickte Weise traditionelle und mythologische Überlieferungen, unterhaltsam verbindet.

Dieser Ratgeber ist mehr als ein funktioneller Abriss des weiblichen Zyklus.

Knapp ein Drittel des Buches widmet sich den besagten Mythen und Traditionen, sowie interessante Einblicke historischer Begrifflichkeiten, bezüglich der Menstruation.

So werden beispielsweise die drei Phasen vom Mädchen zur Frau und Weisen aus traditioneller Sicht der europäischen, indischen, Nordamerikanischen und weiteren Völkern beschrieben. Dabei beginnt sie tatsächlich bei Adam und Eva.

Adam, der erste Mensch der Bibel, wurde aus Erde (Adamah) geformt. Das hebräische Wort a - da-mah bedeutet aber vor allem rote Erde oder Lehm. Somit entstand auch der erste Mensch der Bibel, von dem gesagt wird, er wurde von einem männlichen Gott erschaffen, ursprünglich aus der roten Muttererde, dem Menstrualblut der Großen Göttin. Selbst die Entstehung der Götter lässt sich auf die eine Urgöttin zurückverfolgen. So geht der islamische Gott Allah auf die vorislamische Göttin al-Lat zurück, die die Menschen aus fließendem Blut

erschuf. Ebenso stammen die hebräischen und biblischen Namen für Gott JHWH, Jehova, Jahve und Jahwe von Iahu (erhabene Taube) ab, dem sumerischen Namen für die Große Göttin.

Natürlich darf in einem Ratgeber über Menstruation die Anatomie der weiblichen Sexualorgane nicht fehlen, deren Beschreibung auch hier mit der Geschichte beginnt. Dabei aber nie ausufernd und eintönig daherkommt. So erklärt die Autorin bei der Beschreibung der Klitoris, fast nebenbei, dass das englische Schimpfwort “cunt” (Fotze) auf den Titel “Kunda” oder “Cunti” der indischen Göttin Kali zurück geht.

Neben der ausführlichen anatomischen Beschreibung der Vulva und Vagina mit dem Hinweis der passenderen Wortwahl der Sexualpädagogin Ella Berlin zum Wort “Vulvina”, führt der Weg weiter zu den inneren Organen, wie Gebärmutter, Eileiter und den Eierstöcken.

Auch hier wird wieder elegant, das Fachliche/Medizinische, mit ursprünglichen Begriffen kombiniert. So erfährt die Lesende etwa, dass das älteste Orakel Griechenlands Delphi, nach delphys (Gebärmutter) benannt ist.

Was ich an diesem Buch wirklich schätze, ist die feine Schreibweise. Weder zu medizinisch, noch zu abgehoben oder ins “radikal” feministische abgleitend.

Auf einfühlsame Art beschreibt die Autorin medizinische Normen zu Blutungsmenge und Dauer und weist gleichzeitig darauf hin, dass es “die Norm” eigentlich nicht gibt:

Normen sind gut und wichtig, aber weit wichtiger ist es, die eigene Blutungsmenge zu beobachten und zur eigenen Norm zu gelangen. Es geht also weniger darum, wie viel Blut eine Frau objektiv betrachtet verliert, sondern wie ihr individueller Organismus darauf reagiert.

Andererseits kann man sagen, dass der Menstruationszyklus sehr verlässlich ist, denn er reagiert meist recht exakt auf die jeweiligen Lebensumstände beziehungsweise eine Veränderung dieser. Deshalb gehören eben auch Schwankungen zu einem natürlichen Zyklus dazu.

Neben dem sehr verständlich beschriebenen Menstruationszyklus, mit all seinen natürlichen hormonellen Schwankungen, kommt die Erklärung der verschiedenen Östrogene und weiteren Hormone und ihre Funktionen, nicht zu kurz.

Natürlich dürfen in einem Ratgeber Tipps zur Linderung von Schmerzen nicht fehlen. Neben einfachen aber effektiven Hinweisen zur Anwendung von Schmerzpunkten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, wird eine sogenannte “Hormon-Massage” vorgestellt. Ausprobieren schadet nicht und jede natürliche Unterstützung, die frau vor und während ihrer Menstruation kennen lernt, hilft, den eigenen Körper bewusster wahrnzunehmen und den eigenen Bedürfnissen zu folgen.

Mit wachen Augen sehe ich auf kursierende Heilpflanzentipps aus dem Internet und schüttel häufiger den Kopf, als das ich zustimmend nicke.

Deshalb freut es mich als Phytotherapeutin besonders, dass die in diesem Buch vorgestellte Auswahl an Rezepten aus der Heilpflanzenkunde wohl überlegt ist.

So auch der Hinweis zur korrekten Anwendung von Leinsamen: immer frisch schroten! Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren oxidieren bei Lagerung von bereits geschroteten Leinsamen und wirken toxisch.

Der Ratgeber endet mit dem Kapitel zur Monatspflege und den verschiedenen am Markt erhältlichen Produkten. Auch hier beginnt die Autorin einleitend damit, welche Methoden Frauen zu früheren Zeiten während ihres Zyklus genutzt haben und macht auf die noch immer gegenwärtigen Begrifflichkeiten zur sogenannten “Hygiene” (ist frau in dieser Zeit schmutzig?) aufmerksam.

Ich lege dieses Buch allen Frauen und Müttern junger Mädchen ans Herz, die selbst mehr über die Funktion ihres Körpers in Hinblick auf den Ursprung weiblicher Traditionen und den historischen Umgang des monatlichen Zyklus erfahren möchten. Gleichzeitig einen entspannteren und vor allem selbstbewussteren Umgang mit dem weiblichen Zyklus wünschen.

Vielen Dank an den Herbig Verlag für das Rezensions-Exemplar.

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Die Alchimistin - Mit Pflanzenwissen heilen lernen! e avvia una conversazione.
Sostieni