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Über den Schlaf

Ich habe seit fast acht Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen. Ich bin müde. Wie ich es (meistens) schaffe, den Alltag trotzdem zu bewältigen, möchte ich heute erzählen.

Beginnen wir am Anfang meiner traurigen Liebesbeziehung mit dem Schlaf. Ich konnte fast mein ganzes Leben lang wunderbar schlafen – bis ich schwanger wurde. Was in der ersten Schwangerschaft noch niedliche mitternächtliche Tanzeinlagen in meinem Bauch waren, wurde in der dritten dann zur Belastungsprobe. Ich lag stundenlang wach, fand nicht wieder in den Schlaf und immer, wenn ich endlich wieder eingedöst war, war da ein kleines Wesen in mir plötzlich hellwach und in Partylaune. Ja, danke – so sehr ich diese kleinen Tritte und Boxhiebe nun vermisse, so verzichtbar waren sie nachts.

Der Schlaf und ich, wir fanden erst wieder nach der Geburt meines ersten Kindes zusammen. Zwar wurden wir nachts oft gestört, aber viele, viele Tagesschläfchen des Babys verbrachten wir zusammen. Blöd nur, dass ausgerechnet das erste Kind, bei dem ich uneingeschränkt Zeit zum Schlafen gehabt hätte, bereits mit einem Jahr Schlaf am Tag für völlig überbewertet hielt. Na toll...

Augen zu und durch – die zweite Schwangerschaft begann und mit ihr zogen auch wieder die nächtlichen Wachphasen ein. Mit dem Unterschied, dass nun im Wechsel entweder das Kleinkind oder ich wach wurden – ich war gerade wieder eingeschlafen, da wurde nach Stillen verlangt – und so war meine Beziehung mit dem Schlaf wieder in einer großen Krise. Kind zwei wurde geboren, die Nächte wurden (welch' Freude) noch kürzer, wacher und anstrengender.

(Und bevor jemand fragt: ja, es gibt einen Mann & Papa der Kinder, der aber ohne Busen nachts reichlich unbeliebt war – und zusätzlich einer schweren körperlichen Arbeit untertags nachgeht, somit war es für mich von Anfang an kein Diskussionspunkt, wer sich nachts um die Kinder kümmert. Das ist bis heute so und ist in unserer Familiensituation gut so!)

Jedenfalls normalisierte sich meine Schlafbeziehung dann irgendwann zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr des zweiten Kindes, zumindest annähernd. Ein Licht am Ende des Tunnels quasi. Tja...blöd nur, wenn sich ein Herzenswunsch erfüllt und sich Kind drei ankündigt.

Die Schwangerschaft war, wie erwartet, wieder entbehrungsreich in Sachen Schlaf. Nach der Geburt konnte ich wunderbar schlafen – alle drei Kinder jedoch leider nicht. Kind drei musste logischerweise regelmäßig stillen – und die beiden anderen wurden abwechselnd wach – WC, kuscheln, Albtraum – sucht euch was aus – irgendwas ist immer! Diese ersten Wochen machten mir dann auch so ein bisschen bewusst, was es bedeutet, drei Kinder zu haben. Richtig – an Schlaf, vor allem erholsamen Schlaf, der länger als von 22-4 Uhr morgens dauert und mehr als eine Stunde am Stück schlafen beinhaltet, wird in den nächsten paar Jahren nicht zu denken sein.

Im Überlebensmodus beschloss ich, die Beziehung zum Schlaf zu beenden. Traurig, wütend und müde teilte ich ihm meine Entscheidung mit – „ICH KANN AUCH OHNE DICH!!“, warf ich ihm an den Kopf. Es fielen einige unschöne Worte, letztlich schien er aber meinen Entschluss zu akzeptieren. Unpassenderweise konnte ich selbst meine Entscheidung irgendwie dann doch so gar nicht annehmen.

Seither befinde ich mich irgendwo mittendrin – es gibt Tage, an denen ich lächelnd um vier Uhr morgens mit dem jüngsten Kind ins Wohnzimmer schwebe, dort Bücher vorlese, Frühstück für alle mache, Jausenboxen vorbereite und Mann und die anderen Kinder mit heißem Kaffee und Kakao frisch geduscht und gestylt um 6.30 Uhr in der Küche empfange.

Und ich hoffe, ihr lacht bei der Vorstellung genauso sehr wie ich. Denn wir alle wissen – dieses Szenario wird niemals eintreten.

Die Realität sieht anders aus – ich wanke um vier Uhr schlaftrunken mit dem Kleinkind ins Wohnzimmer, falle wie ein nasser Sack aufs Sofa und lalle auswendig das Buch vor, das mir das Kind an den Kopf knallt. Um fünf Uhr steht der Papa auf und das Kleinkind darf mit ihm frühstücken, bis ich dann um 5.30 so wach bin, dass ich aufstehen und mich ums Frühstück und die Jausenboxen der Großen kümmern kann.

Bis alle außer Haus sind und ich mit dem Nesthäkchen wieder Zuhause bin, ist es dann meistens 8.30. Wenn ich dann das jüngste Kind schlafen lege, habe ich insgesamt etwa 20 Arbeiten rund um Kinder und Haushalt erledigt – und wenn ich Glück habe, steht nicht mehr viel an, sodass ich den Vormittagsschlaf dafür nutze, mein Schlafdefizit zumindest ein klitzekleines bisschen auszugleichen. Meistens warten jedoch volle Wäschekörbe, ein Mittagessen, das gekocht werden möchte oder ein Geburtstagsgeschenk, das genäht werden sollte auf mich.

Ab Mittag ist die Bude dann wieder voll mit hungrigen, manchmal müden, oft aber recht lebhaften Kindern, die verschiedenste Bedürfnisse haben, die möglichst zeitnah zu erfüllen sind. Die Nachmittage vergehen im Allgemeinen schnell, sodass ich gar keine Zeit habe, mich von meiner Müdigkeit zu überwältigen lassen.

Die Abende haben eine für unsere Verhältnisse recht geregelte Reihenfolge, in der grundsätzlich keine Müdigkeit aufkommt. Wenn dann aber alle Kinder in ihren Betten liegen und ich mich nach 16- 17 Stunden wach auch endlich wieder auf meine geliebte Couch fallen lassen kann, ohne, dass jemand irgendetwas von mir will (nunja, außer meinem Mann – und der sagt nicht im Sekundentakt 25mal hintereinander „Mama“), dann schleicht sich der Schlaf leise an und flüstert mir ins Ohr:“Na, wie wär's denn mit uns beiden? Du, ich, Bett?“ Und ich werde schwach und verabrede mich mit ihm zu einem Date eine Stunde später, auch wenn ich weiß, dass er sich frühmorgens wieder sang- und klanglos vom Acker machen wird.

Und wenn du diesen Artikel in der Hoffnung auf Tipps gelesen hast, sei hier noch erwähnt:

Es ist ok, dass wir müde sind. Es ist ok, den Vormittag auf der Couch oder im Bett zu verbringen. Und es ist verdammt noch mal sehr ok, wenn wir uns Zeit nehmen, um nichts zu tun. Wir leisten unendlich viel im Alltag, sowohl an aktiver Arbeit als auch an Mental Load, den wir tragen. Wir halten Kinder am Leben, ver- und umsorgen sie, halten den Haushalt am Laufen, arbeiten, führen Beziehungen – all das, so erfüllend Vieles davon sein mag, kostet Kraft und Energie. Unser Energiedepot ist endlich – füllen wir es also auf, sobald sich die Gelegenheit bietet!

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