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Wie schaffe ich es, mit einem von mir begangenen Fehler zu leben, über den ich mit meinem Partner nicht reden kann, weil er mir nicht verzeihen würde?

Eine meiner ersten Erinnerungen an ein Geheimnis ist die Flucht quer durch die Stadt, gemeinsam mit meinem Vater. Unser Ziel: Eine Pommesbude. Mein Vater und ich leben in einer Welt, in der Zucker und ungesättigte Fettsäuren als Teufelszeug galten. Bräunliche Apfelspalten, kloßige Dinkelbratlinge und frisch gepresste Möhrensäfte verfolgten uns bis in den Schlaf. Die Pommesbude war unser Kurzurlaub von der Realität, mit dem verheißungsvollen Zischen der Friteuse, mit den riesigen Salzstreuern, mit dem großzügig aufs Goldgelb klatschende Rotweiß. Sie waren ein Fest, diese verbotenen Pommes; aber als mein Vater eindringlich betonte, dass wir sie unbedingt für uns behalten mussten, wurde ich panisch: Sachen für mich behalten, das konnte ich nicht. Auch dann nicht – gerade dann nicht! –, wenn ich wusste, dass es wichtig war. Also kam es, wie es kommen musste: Kaum waren wir zuhause, überfiel mich der Beichtzwang. Der enttäuschte Blick meines Vaters aber verfolgte mich länger als die kurzfristige Schieflage des Hausfriedens.

Geheimnisse begleiten uns von Kindesbeinen an, und auf die eine oder andere Weise werden wir immer an ihnen scheitern. Entweder, weil wir es nicht schaffen, sie für uns zu behalten, oder weil die Angst vor Strafe und Verlust uns auf Dauer in die Knie zwingt. Du fragst, wie du mit deinem Fehler leben kannst – meine Gegenfrage lautet: Wie kannst du mit der Vorstellung leben, dass dein Partner diesen Teil von dir niemals akzeptieren würde? Was wiegt auf Dauer schwerer: Den Fehler einmal auszusprechen oder ein einem endlosen Teufelskreis von Horrorszenarien festzustecken: Der gebrochene Blick; die Enttäuschung; die Wut; der Konflikt; der mögliche Verlust; die Verzweiflung?

Am Ende des Tages gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder deine Horrorszenarien liegen falsch und dein Partner ist sehr wohl in der Lage, dir zu verzeihen. Auch wenn es vielleicht länger dauert, auch wenn ihr vielleicht eine Weile therapeutische Hilfe brauchen werdet. Oder sie liegen richtig. Dann wirst du viel Kraft und Begleitung brauchen, um diesen Verlust auszuhalten. Aber du hast deinem Partner die Chance gegeben, die er – in meinen Augen – verdient hat: Dass du ihm mit Respekt begegnest und ehrlich bist. Dass er weiß, woran er ist. Und dass er mit diesem Wissen frei entscheiden kann.

****❤️ Hall of Fame ❤️ ****

Liebe Andrea, liebe Angela, liebe Anja, liebe Anna, lieber Christian, liebe Eva, liebe Eva-Maria, liebe Hilke, liebe Kathrin, liebe Katja, liebe Jana, liebe Janine, liebe Justine, liebe Leonie, liebe Maike, liebe Miriam, liebe Peggy, liebe Petra, liebe Ruth, liebe Sophie, liebe Steff, liebe Svea, lieber Wolfgang: Ohne euch wäre all das hier nicht möglich. Ich danke euch von ganzem Herzen ;*

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