Gespensterbrief #22
Liebe*r Leser*in,
ich bin gerade sehr glĂŒcklich. Hier ist, weshalb:
Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs zeichnet sechs Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit den niedersĂ€chsischen Literaturstipendien 2024 aus. Die Auswahl erfolgte auf Empfehlung der NiedersĂ€chsischen Literaturkommission. âMit den Literaturstipendien zeichnen wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus, die in ihrer Biographie oder in ihren Texten einen Bezug zu Niedersachsen haben. Sie tragen mit ihrer KreativitĂ€t und ihren literarischen Werken zur Vielfalt unserer Kulturlandschaft beiâ, so Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs. âDie ausgezeichneten Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben durch hohe inhaltliche und sprachliche QualitĂ€t ĂŒberzeugt. Mit unseren Stipendien unterstĂŒtzen wir sie dabei, ihre literarischen Projekte weiterzuentwickeln und umzusetzen.â
Jess Tartas (*1987) aus LĂŒneburg erhĂ€lt ein Arbeitsstipendium fĂŒr ihre ErzĂ€hlung âShirley im Dezemberâ. âLakonisch, gewitzt und sehr geheimnisvoll erzĂ€hlt Jess Tartas vom tiefen Abgrund, in den das UnerklĂ€rliche uns stĂŒrzt. Ein Kind verschwindet immer im Dezember â und taucht nach Ablauf des Monats wieder auf, als wĂ€re nichts gewesen. Wird das MĂ€dchen ein Geist? Oder einfach nicht gesehen von ihrer Umgebung? Wir dĂŒrfen rĂ€tseln und staunenâ, so die Literaturkommission.
Quelle: NiedersÀchsisches Kulturministerium (Opens in a new window)
Ich werde nicht nur eine finanzielle Förderung erhalten, sondern habe auch die Möglichkeit, fĂŒr eine Weile in einem Atelier in der Heide zu residieren. Ich werde ungestört schreiben und hoffentlich mein Buch beenden können.
Die, die Gewalt und Poesie (Opens in a new window) gelesen haben, kennen wohl meine Geschichte rund um Frau Glas. Jenes Manuskript ist es, das einst zu dĂŒster war und nicht passend fĂŒr den Markt sei. Nun.

Mich hat der Gedanke an Shirley nie losgelassen. Also schrieb ich weiter. Es hat sich so gelohnt, daran zu glauben. Hier noch ein Auszug fĂŒr euch aus meinem Tagebuch aus dem Von Februar bis Februar-Projekt (Opens in a new window), in dem ich vom Stipendium berichte:
Ich erhalte eine Förderung fĂŒr den Roman, an dem ich schreibe. Es ist ein Arbeitsstipendium fĂŒr Schriftsteller*innen, das mir dabei helfen soll, an meinem Projekt zu arbeiten. Ich kann kaum in Worte fassen, wie viel es mir bedeutet, aber ich will es versuchen.âš In einem GesprĂ€ch mit dir sagte ich, ich wĂŒrde RĂŒckmeldungen fĂŒr mein Schreiben brauchen. Du fragtest, warum es so sei. DarĂŒber dachte ich lange nach. Nun weiĂ ich es ganz sicher. RĂŒckmeldungen sagen mir, dass ich richtig bin und dass meine Ideen einen Wert haben. Es ist nicht so, dass ich es vergessen wĂŒrde oder selbst nicht davon ĂŒberzeugt wĂ€re, aber ich bin ein Mensch und Menschen sind soziale Wesen. Hin und wieder brauche ich ein âOkay, weitermachenâ von denen, die mich umgeben. âšIn dieser Zeit glaubt also das Land Niedersachsen an mich und meine Arbeit.
Ich schreibe seit drei Jahren an diesem Roman, der zunÀchst eine Kurzgeschichte war. Hier war es Till Raether (Opens in a new window), der mir sagte, ich solle daraus einen kurzen Roman machen, und mir damit signalisierte: An der Geschichte ist was dran. Mich hat dann der Gedanke an die Hauptfigur nicht losgelassen; immer wieder fragte ich mich, was sie nun wohl tÀte. Also begann ich, sie herbeizuschreiben.
Wieder eine andere Person, ich erwĂ€hnte sie bereits in einem frĂŒheren Eintrag, hatte sich mit ihrer Meinung eingeklinkt. Und weil es eine Person in Entscheiderposition war, glaubte ich ihr. Das war ein Fehler und es dauerte lange, bis ich erkannte, dass mein Roman im Kern nur aus mir und meiner Idee allein bestehen darf. Und zwar so lange, bis ich sie beendet habe und jemandem vorzeigen kann. Nun habe ich einer Jury einen Teil meines ĂŒberarbeiteten Manuskripts gesendet und zwischen all den Bewerbungen wurde meine Arbeit ausgewĂ€hlt. Ich bin dankbar und alles andere als ĂŒberspitzt cool oder angestrengt lĂ€ssig, ich tue nicht so, als wĂ€re das nichts Besonderes. Denn es ist der absolute Hammer und ich werde dieses Buch beenden. FĂŒr mich. Und nun natĂŒrlich auch fĂŒr Niedersachsen. Danke.
xoxo
Eure Jess
Tanzend