But I can see us lost in the memory August slipped away into a moment in time 'Cause it was never mine (Taylor Swift)

Good evening, Europe!

Wirklich: Oktober?! War nicht gerade noch August?! Na gut, andererseits hab ich die Zeit ja auch ganz gut genutzt: Endlich wieder Ausflüge mit Bussen und Straßenbahnen gemacht, Omis 95. Geburtstag gefeiert, Boot gefahren, das Bogestra-Straßenbahndepot und das Bochumer Rathaus besichtigt, das zweite Konzert nach Corona besucht, für mehr Umweltschutz demonstriert, gewählt, Minigolf gespielt, zum ersten Mal nach Corona im Kino gewesen und generell viel Zeit mit Menschen verbracht, die mir guttun. Da kann man schon mal die Zeit und den Newsletter aus den Augen verlieren. Sorry!

Außerdem habe ich natürlich weiterhin viel am Buch gearbeitet. Das wird allerdings nicht, wie bisher überall zu lesen war, im November 2021 erscheinen, sondern erst Anfang 2022 (vermutlich im Februar). Das tut mir sehr leid, liegt aber außerhalb meiner Macht, denn es hat alles produktionstechnische Gründe, die am Ende vermutlich wieder mit Lieferketten, Corona, dem Suez-Kanal und Armin Laschet zu tun haben werden.

Aber so könnte es Euer Lieblings-ESC-Missverständnis jetzt noch ins Buch schaffen: Was regt Euch in der medialen Berichterstattung über den Song Contest seit Jahren auf und sollte endlich mal in einer seriösen Quelle richtiggestellt werden? Schreibt es mir!

Ich bin also die nächsten Wochen weiterhin ganz gut beschäftigt. Das ärgert mich ein bisschen, denn ich könnte den Herbst auch ganz gut komplett auf der Couch verbringen. Den passenden Soundtrack dazu hätte ich auch schon: die neuen Alben von Sir Simon („Repeat Until Funny“; Spotify, Apple Music) und Burkini Beach („Best Western“; Spotify, Apple Music).

Sir Simon ist natürlich Simon Frontzeck, der unter diesem Namen schon 2008 und 2011 zwei ganz tolle Indiepop-Alben veröffentlicht hat, seitdem aber nichts eigenes mehr. Er spielt seit 2019 in der Band von Thees Uhlmann — und zwar zusammen mit Rudi Maier alias Burkini Beach. Als sie im vergangenen Jahr überraschend viel Zeit hatten, haben die beiden einfach zusammen zwei Alben geschrieben und aufgenommen: eben eins für Simon und eins für Rudi. Die sind im August am gleichen Tag erschienen und der letzte Song auf beiden Alben ist jeweils - und ich bin mir sehr sicher, dass es diese geniale, eigentlich total naheliegende Idee in der Musikgeschichte bisher noch nie gegeben hat - „Not Coming Home“, ein Duett zwischen den beiden.

Man kann diese Alben also kaum getrennt voneinander beurteilen — und das muss man auch gar nicht, denn sie sind beide wunderschön geworden und laufen seit Wochen quasi abwechselnd bei mir. „Repeat Until Funny“ erinnert, um mal meinen besten Freund zu zitieren, an ein bisher unveröffentlichtes Weakerthans-Album, „Best Western“ wie eins von Death Cab For Cutie (aber wir meinen nicht, dass es wie ein Abklatsch klingt, sondern dass da zwei Menschen, die Musik wirklich lieben und verinnerlicht haben, im Äther der Musik ihre eigenen Sprachen und Stimmlagen gefunden haben und diese jetzt mit uns teilen). Auch die Texte sind wirklich sehr klug und lustig, was ja bei deutschen Acts, die auf Englisch singen, jetzt auch nicht unbedingt immer der Fall ist. Also: Ja, es sind wirklich zwei gute Alben!

Was macht der Garten? Nicht mehr viel: Die letzten Tomaten haben auf halber Strecke aufgegeben, die Salatpflanzen sind verblüht, aber wir haben letzte Woche noch ein paar wahnsinnig leckere Erdbeeren ernten können!

Was hast Du gehört? Neben Sir Simon und Burkini Beach vielleicht noch „The Ultra Vivid Lament“ (Sony Music; Spotify, Apple Music), das 14. Album der Manic Street Preachers. Es soll mal wieder die poppigere Seite der Band zeigen, erinnert aber vor allem an „The Great Western“, das Solodebüt ihres Sängers James Dean Bradfield. Das war schön, ist aber inzwischen auch schon 15 Jahre her, in denen den Manics eigentlich spannendere Sachen gelungen sind.

Was hast Du gesehen? Ich war gestern zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder im Kino. Was hatte ich den Popcorn-Geruch, die langen Gänge zu den einzelnen Sälen und die gedämpften Gespräche, bevor der Film anfängt, vermisst! Und ich hatte mich auch so auf den Film gefreut: Sollte „Keine Zeit zu sterben“, Daniel Craigs fünfter und letzter Film als James Bond, doch eigentlich schon vor zwei Jahren in den Kinos laufen, dann vor anderthalb — und dann kam halt Corona.

Nun: Der Film hat einige grandiose set pieces und er ist nicht a total mess wie sein Vorgänger „Spectre“ — aber nach den drei sehr guten bis genialen ersten Craig-Bonds ist das Franchise irgendwie völlig aus der Spur geflogen. Wo genau Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) zum Drehbuch beigetragen haben soll (und dann womöglich auch noch positiv), erschließt sich mir gar nicht — ich bezweifle schon, dass es überhaupt ein Skript gab, denn was zwischen den Action-Sequenzen passiert, ist viel zu schwach und unmotiviert. Nichts will so recht zusammenpassen. Außerdem würde ich mir in Zukunft Inhalts-Hinweise auf Filmplakaten wünschen: „Achtung, in diesem Film werden Kinder in Gefahr gebracht, um die Einsätze zu erhöhen!“ Und so bin ich ziemlich ratlos und unzufrieden aus dem Kino (12,50 Euro!) gegangen.

Was hast Du gelesen? Apropos Kinder: Die „New York Times“ hatte vor ein paar Wochen noch mal einen zwei Jahre alten Artikel von Paula Span geteilt, in dem es vordergründig darum geht, wie sie mit ihrer jungen Enkelin gemeinsame Erinnerungen (und damit auch eine engere Bindung) aufbaut. Es ist aber auch so interessant zu lesen, wie das menschliche Gehirn Erlebtes abspeichern und wieder hervorholen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=hZFFm2O-4DM

(Ich freu mich so aufs neue Casper-Album!)

Habt eine schöne Woche!

Herzliche Grüße, Euer Lukas

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