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Thema der Woche: Der bekannteste Mann Finnlands

von Bernd Schwickerath

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Schwer vom Tor zu verdrängen: Marko Anttila, hier bei der WM 2018 im Duell mit dem Norweger Jonas Holos. © City-Press

Natürlich erinnert man sich bei Marko Anttila zuerst an die WM 2019 in Bratislava. An diese „unglaubliche Reise“, wie der damals schon 33-Jährige nach dem Finale im Kabinengang sagte, „ich habe ja noch nicht viel gewonnen in meiner Karriere“. Bis zu diesem Abend im Mai zumindest. Bis zu diesem 3:1 der Finnen im Finale gegen Kanada, nachdem Mitspieler Miika Koivisto den schönen Satz sagte: „Marko ist jetzt der bekannteste Mann Finnlands. Und er ist so groß, dass er sich nicht verstecken kann.“

Anttila war nicht nur der Kapitän dieses finnischen Teams, das keinen Stammspieler aus der NHL kannte und von den heimischen Medien im Vorfeld als das schlechteste der Geschichte bezeichnet wurde. Anttila war auch das Sinnbild dieses Teams. Dieser schlaksige 2,03-Meter-Mann, der alles andere als elegant daherkam, aber der rannte, arbeitete, checkte, blockte, Räume zustellte. Und der sogar Tore schoss. Spätes Ausgleichstor im Viertelfinale gegen Schweden, Siegtor im Halbfinale gegen Russland, die Treffer zum 1:1 und 2:1 im Endspiel gegen Kanada. Am Ende gewann Finnland seinen dritten WM-Titel nach 1995 und 2011.

Andere werden bei Marko Antilla vielleicht an 2022 denken, als die Finnen binnen weniger Monate ihr erstes Olympiagold und dann daheim in Tampere noch mal die WM gewannen. Auch da war Anttila dabei, schoss Tore oder bereitete sie vor. Wie das 2:1-Siegtor im Olympiafinale gegen die „Olympischen Athleten aus Russland“. Die große Bühne, die lag Anttila einfach.

Wenn ich an Marko Anttila denke, kommen mir zwei andere Szenen in den Sinn. Erst mal, wie nett er immer in der Interviewzone war. Wenn er schon 20 oder mehr Minuten mit dem Fernsehen aus aller Welt und danach mit den finnischen Presseleuten geredet hatte, ist er trotzdem noch für uns andere Reporter stehengeblieben. Wahrscheinlich wollte er längst in die Kabine, um zu feiern, aber er beantwortete noch mal geduldig alle Fragen. Und das nicht nur mit Phrasen.

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Die andere Szene: spielt bei der WM 2023, die ebenfalls in Tampere stattfand. Und die für die Finnen eine Enttäuschung war. Das Team schien satt oder entschlüsselt, nicht mal ein NHL-Star wie Mikko Rantanen konnte das ändern. Aber Anttila, den liebten die Fans. Sobald er über die Bande sprang, wurde es laut. Erst recht, wenn er dann von der blauen Linie aus anlief, um einen Gegner, den gerade hinter dem eigenen Tor neu aufbauen wollte, in die Bande zu checken. Das Publikum macht auf dem Weg dahin dieses „Oooooooh“, was man von Fußballfans vor einer Ecke kennt. Und wenn Anttila dann in Gegner und Bande einschlug, sprangen sie auf und jubelten.

Herrlich war das. Wie überhaupt viel herrlich war an diesen großen Marko-Anttila-Jahren 2019 bis 2023. Die waren nicht von individuellen Auszeichnungen oder Rekorden geprägt. Es gibt auch nicht viele Highlightclips von Anttila. Trotz seiner entscheidenden Tore in entscheidenden Spielen stand er vor allem für diesen typischen finnischen Teamgeist, für die Idee, dass Herz jederzeit Talent schlagen kann.

Vergangene Woche hat Kärpät Oulu selten dämlich die Play-offs verpasst. Durch diesen Torwartfehler von Damian Clara 28 Sekunden vor dem Ende des letzten Spieltags gegen IFK Helsinki. Danach stand Marko Anttila am TV-Mikrofon und rang mit den Tränen. „Es war eine wundervolle Reise. Ich weiß nicht, ob ich mit einem Lächeln zurückblicken kann“, sagte der 39-Jährige (wenn der Übersetzer nicht lügt). „Es war schlimm, das Eis zu verlassen.“ Das tat da zum letzten Mal. Marko Anttilas Karriere ist vorbei. Er wird fehlen.

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