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Wie wird man sein eigener Lehrer, Anne-Cathérine Heinzmann?

Es ist Montag. Zeit für eine neue Folge deines Lieblings-Podcast "Wie übt eigentlich..?" . Im Newsletter erzähle ich dir von meinen Highlights, den Technik-Tipps meines Gastes und was sie oder ihn beim Üben motiviert.

#35Anne-Cathérine

Lesezeit: 4 Minuten

„Üben heißt: Zeit mit mir selbst zu verbringen.“

Ein Satz wie ein innerer Kompass – und genau das zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Gespräch mit der Querflötistin, Professorin und leidenschaftlichen Lehrerin Anne-Cathérine Heinzmann.

Anne-Cathérine wuchs in Hamburg auf und studierte bei Jean-Claude Gérard, Jeanne Baxtresser und Michael-Martin Kofler. Als Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe wurde sie von renommierten Stiftungen gefördert. Heinzmann tritt regelmäßig bei Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den BBC Proms auf. In der Kammermusik arbeitet sie u.a. mit dem Trio Charolca und namhaften Musikern wie dem Mandelring Quartett. Von 1999 bis 2018 war sie stellvertretende Soloflötistin in Frankfurt. Seit 2018 ist sie Professorin für Flöte an der Folkwang Universität der Künste. 

Wie übt mein Gast

Anne-Cathérine macht deutlich: Üben ist kein statischer Prozess – es ist ein sich ständig wandelnder, lebenslanger Dialog mit sich selbst.

🧘‍♀️ Mindset & Motivation

Vertrauen statt Perfektion

In jungen Jahren wollte Anne-Cathérine „perfekt mit Messer, Gabel und Löffel“ musizieren: Technisch präzise, wie aus dem Lehrbuch. Heute hingegen ist ihre Haltung eine ganz andere:

„Ich übe heute viel intuitiver und freier als früher. Emotionalität ist genauso wichtig wie Technik – aber man muss sie sich bewusst wieder an-üben.“

Denn mit Emotion kommt auch ein Stück Kontrollverlust. Und genau den darf – ja, muss – man zulassen. Das braucht Mut, aber auch Selbstreflexion.

🧠 Mentales Training

Üben beginnt im Kopf

Ob im Zug oder im Einspielraum – Anne-Cathérine nutzt mentale Techniken als festen Bestandteil ihres Übealltags. Sie erstellt innere „Fahrpläne“ fürs Repertoire – vergleichbar mit einem Slalomfahrer, der weiß, wann er beschleunigen oder bremsen muss.

Besonders bei Lampenfieber ist mentale Vorbereitung ein Gamechanger:

„Ich stelle mir genau vor, wie der Raum aussieht, wie viele Leute da sind, wann ich auf die Bühne gehe. Das nimmt der Situation den Schrecken.“

🛠️ Technik-Tipp des Monats

Die Kreutzer-Etüde als „Flöten-Yoga“

Anne-Cathérines absolute Lieblingsübung ist eine abgewandelte Kreutzer-Etüde, übertragen von Paul Meisen – ursprünglich für Geige, nun als Legato- und Zwerchfellübung für Flöte. Diese Übung kombiniert Atmung, Haltung und innere Balance:

„Alles ist entspannt – der Klang entsteht aus der Bewegung des Zwerchfells. Nicht durch Anspannung.“

Diese Übung steht jeden Tag auf dem Plan – am besten ganz zu Beginn, um sich zu erden. Ihre Studierenden nennen sie liebevoll „Flöten-Yoga“ – ein Ritual, das Körper und Geist zentriert.

📚 Praktische Tools & Tipps

Tägliche Übe-Routine: ca. 30 Minuten Grundübungen (Tonleitern, Staccato, Zwerchfell)

Wochenstruktur: Rotierendes Übungsrepertoire – je nach Tagesform

Loop-Technik à la Moyse: Schwierige Stelle finden, herauslösen, variieren und wiederholen

Im Übe-Raum ist alles erlaubt! Singen, Klatschen, Tanzen – alles, was hilft, ist richtig

Arbeiten aus dem Stück heraus vs. gezielte Basics, wenn’s „hakt“

Audioaufnahme als Lehrmeister (nach Jeanne Baxtresser): Hören, ob das Gespielte wirklich so klingt, wie man denkt

🎵 Künstlerische Prägung & Inspiration

Von frühester Kindheit an von Flötenklängen umgeben – ihr Vater und Großvater waren ebenfalls professionelle Querflötisten. Ihre wichtigsten prägenden Personen:

Jeanne Baxtresser – für Struktur, Mentaltraining & Disziplin

Jean-Claude Gérard – für das „Ohr als besten Lehrer“

James Galway – für Bühnenpräsenz & Sound

Joyce DiDonato – für gesangliche Tiefe & Ausdruck

Emmanuel Pahud – für Haltung, Klang und absolute Klarheit

Literatur-Tipps:

🌿 Goldschmieden, Malen & das Üben als Lebenskunst

Neben der Musik ist das Goldschmieden für sie ein Ort der Ruhe und Reflexion – fast wie meditatives Üben mit anderem Material.

„Man feilt – und feilt – bis es die perfekte Form hat. Genau wie beim Üben.“

🎓 Anne-Cathérines Wunsch: Selbstständigkeit statt Rezeptdenken

Studierende sollen bei ihr nicht einfach durchkommen – sie sollen lernen, sich selbst zu unterrichten. Der Unterricht ist kein Rezeptblock, sondern eine gemeinsame Entdeckungsreise.

„Am Ende sollen sie ihr eigener Lehrer oder ihre eigene Lehrerin sein.“

🧭 Fazit: Üben heißt Zuhören – nach innen und außen

Das Gespräch mit Anne-Cathérine Heinzmann hat mir nochmal eindrücklich gezeigt: Üben ist keine Einbahnstraße. Es ist ein lebendiger, atmender Prozess. Mal analytisch, mal intuitiv. Mal mit Spiegel, mal mit geschlossenen Augen. Und immer mit Herz.

„Lasst euch Zeit.“

Anne-Cathérines Rat an alle, die gerade erst anfangen. Oder nochmal neu durchstarten.

Das Interview

https://open.spotify.com/episode/48WoC2vUbCpr1DBfXX3sXD?si=7bd038cbaf6b4912 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet "Wie übt eigentlich..?"

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