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Über Olivenbäume, Bankdirektoren und Enkel im Zoo

Ein Teil meiner Recherche für mein neues Buch besteht darin, Protagonisten wieder zu treffen, denen ich einen tieferen Einblick in das verdanke, was Italien ausmacht. Dazu gehören meine salentinischen Freunde, die mich schon früh auf die vielen Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit den vertrockneten Olivenbäumen aufmerksam gemacht haben. Einer der wichtigsten ist Ivano Gioffreda (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Olivenbauer im Salento, der mir - unter anderem den Zusammenhang zwischen Glyphosat (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und dem Vertrocknen der Olivenbäume erklärt hat. (Hier ein Video (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), in dem Ivano die Methoden zur "Rettung" der Olivenbäume erläutert).

Was mich als Journalistin an der Xylella-Geschichte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) vor allem empört hat, war zu sehen, wie viele (italienische wie auch deutsche!) Journalisten das von sowohl vom Bauernverband Coldiretti als auch von interessengeleiteten Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern vorgegebene Narrativ ("Es gibt keine Lösung für die vertrockneten Olivenbäume, sie müssen abgeholzt werden") kritiklos übernommen haben - ohne einen einzigen Versuch einer Recherche zu unternehmen. Um so mehr freut mich zu sehen, dass sich die jahrhundertealten Olivenbäume im Salento jetzt wieder erholt haben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)- darunter sogar solche, die völlig ohne jede Pflege vor sich hinvegetieren. Was liegt vermutlich unter anderem daran liegt, dass die beiden letzten Sommer sehr heiß waren und Parasiten wie Holzwürmer abgestorben sind.

Viele der Propagandisten der Abholzaktionen sollten sich jetzt den Mund mit Seife auswaschen - was sie natürlich nicht tun, sondern ihre Propaganda weiter nach Norden tragen: Zur Zeit konzentriert man sich auf das Abholzen der Olivenbäume im Valle D'Itria (zu den Hintergründen empfehle ich auch das sehr lesenswerte Interview mit der Geografin Margherita Ciervo (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)).

In der Zeit, in der ich mich mit der Xylella-Affäre beschäftigt habe, habe ich viel über ein Italien gelernt, das versucht, im Einklang mit der Natur zu leben - und das für seine Rechte kämpft. Kam in den Artikeln leider nicht vor, stattdessen nur Propaganda: Der journalistische Herdentrieb schlug mal wieder voll durch.

Und dann wurden schon wieder Mafiosi in Deutschland verhaftet: huch! Wie ich in meinem Blog geschrieben habe: (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Der Haftbefehl gegen den "Paten von Münster" (Copyright: Spiegel) liest sich wie ein Handbuch zur Wirtschaftskriminalität. So ist darin die Rede von der Existenz weltweiter Finanzplattformen, deren begrenzte Anzahl in den Händen einiger weniger internationaler Broker liege – die in der Lage seien, Gewinne von bis zu 80 Prozent pro Monat zu erzielen. Abtrünnige Mafiosi erklärten, dass sie mit Hilfe falscher Bürgschaften und dank der Nachsicht der Bankdirektoren in Deutschland Kreditlinien eröffnen und sofort Bargeld in großen Stückelungen abheben und nach Italien transportieren konnten: „Ich erinnere mich, dass Salvatore A. mit mir über einige Kreditinstitute in Deutschland sprach und vorschlug, auch für die von mir übernommenen Unternehmen und Firmen in diesen Kreditkreislauf einzusteigen. Er ließ mir zu diesem Zweck auch einige Unterlagen per E-Mail zukommen, in denen die Namen der Kreditinstitute standen, zu denen wir nach Deutschland gehen konnten und deren Direktoren uns wohlgesonnen waren. Ich erinnere mich, dass eine dieser Banken die Deutsche Bank war.“

Seit Jahrzehnten wissen alle, dass fehlende Gesetze aus das besagte Mafiaparadies machen - und es ändert sich: nichts. Also bleibt nur ein Schluss: Es ist so gewollt.

A propos Mafia: "Diese Szene hat mein Leben verändert", (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sagt Martin Schulz über seine Begegnung mit Silvio Berlusconi und Marcello Dell'Utri im Europaparlament. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Berlusconis Rolle und die seiner rechten Hand Marcello Dell'Utri (rechte Hand von Berlusconi, Gründer von Forza Italia und wegen Unterstützung der Mafia rechtmäßig zu sieben Jahren Haft verurteilt) in Deutschland schon damals klarer wahrgenommen worden wäre.

Und zum Schluss noch eine Bitte:

Während in Italien verstärkt darüber nachgedacht wird, welcher Flughafen nach dem soeben verstorbenen Gewohnheitsverbrecher benannt werden soll, fordern wir, den Ort zu ehren, an dem der Antimafia-Staatsanwalt Paolo Borsellino und seine fünf Leibwächter ermordet wurden: Borsellinos Mutter, die in dem Haus wohnte, vor deren Tür ihr Sohn in die Luft gesprengt wurde, hat zum Gedenken an diese schreckliche Tat einen Olivenbaum an die Stelle des Attentats pflanzen lassen, den sie extra aus Bethlehem kommen ließ.

Leider ist dieser Olivenbaum ständig mit Autos umstellt, so dass die vielen Menschen, die täglich anreisen, um hier des Attentats zu gedenken, daran gehindert werden. Deshalb hat Borsellinos Bruder Salvatore jetzt eine Petition gestartet, die dafür kämpft, diesen Ort in einen "Garten der Erinnerung" umzuwandeln. Bislang wurden etwas über 94 000 Unterschriften erreicht, damit 100 000 Unterschriften erreicht werden können, wäre es toll, wenn auch Sie unterschreiben und diese Petition weiterverbreiten würden, denn wir vergessen nicht, durch wessen Hand und aufgrund wessen Willen Paolo Borsellino und seine Leibwächter sterben mussten.

Zur Petition geht es hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Aus München, wo ich gerade wieder mit einem Enkel unterwegs bin (gestern Glockenspiel und vier Stunden Zoo. Der Ausflug nach München gehört inzwischen zur Familientradition: Das ist jetzt der vierte Enkel, den ich nach München begleite, es fehlt nur noch einer, dann ist Schluss!) grüßt Sie herzlich, Ihre Petra Reski

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