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Über Herrn Meloni und sonstige Merkwürdigkeiten

"Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Bezeichnung für den Präsidenten des Ministerrats »Herr Ministerpräsident, Abgeordneter Giorgia Meloni« lautet. Mit freundlichen Grüßen, der Generalsekretär Carlo Deodato", steht in diesem offiziellen Schreiben an alle italienischen Minister.

Ja, Giorgia Meloni, ich-bin-eine-Frau-ich-bin-eine-Mutter- ich-bin-eine-Christin, will "der Präsident" genannt werden. Das ist natürlich besonders komisch, weil Meloni jetzt etwas für sich in Anspruch nimmt, was ihre Partei eigentlich bekämpft:  Sie ist - biologisch betrachtet, so weit sich das uns erschließt - kein Mann, will aber als solcher bezeichnet werden. Ich meine: Wo kommen wir hin, wenn wir biologische Fakten ignorieren? Enden wir in Italien auch im Gender-Wahnsinn? Das wird man doch auch mal sagen dürfen, Herr Meloni.

Die erste auffällige Tatsache ist das Naturell und die Entschlossenheit des Premierministers. Sie hat eine Art veni, vidi, vici in einer modernen Tonart erreicht (Repubblica).

Essentiell und schlicht, wie der Look, den sie für ihren Auftritt beim Quirinale wählte: ein blaues Armani-Kostüm wie die Bluse und die Samtpumps. Die einzige Besonderheit ist der goldene Stilettoabsatz (12 Zentimeter) und das offen getragene Haar, das sich von dem tiefen Pferdeschwanz am Morgen unterscheidet (Avvenire).

Es war die respektvollste, vertraulichste und herzlichste Amtseinführungszeremonie der letzten Jahre, mit viel Lächeln, Komplimenten, Glockengeläut und Schulterklopfen (Corriere).

Ja, die Begeisterung, die Giorgia Meloni in Italien im Moment - nicht nur aus den Mainstream-Medien - entgegenschlägt, erinnert mich an die Zeit, als Berlusconi, der "zu reich ist, um uns zu beklauen" bejubelt wurde. Und niemand fragt sich, wie sich eine als "Underdog" bezeichnen kann, die seit 2006 im Parlament sitzt, die meiste Zeit davon an der Seite von Berlusconi. Von der einstigen Linken hat Meloni nichts zu befürchten, eher schon von sich selbst, weil ihre Firniss so dünn ist - und schon jetzt Risse zeigt, wenn sie wieder zu schreien (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) anfängt, weil das die Essenz ihrer Rhetorik ist. 

Wie schwer es ihr  fällt, die Form zu wahren, zeigte sich während der Rede des Senators und ehemaligen Antimafia-Staatsanwalts Roberto Scarpinato:

Giorgia Meloni zieht eine Grimasse, als Scarpinato an das erinnert, was auch viele Italiener zu verdrängen versuchen: die neofaschistischen Wurzeln der Brüder Italiens, die rechtsextremen Attentatsserien, die Allianzen rechtsextremer Gruppen mit der Mafia. Und als Scarpinato in seiner Rede den Namen des wegen Unterstützung der Mafia vorbestraften Ex-Senators und Forza-Italia-Gründers Marcello Dell'Utri ausspricht, schaltet Ignazio Benito Russo, (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) der als Mussolinibüsten-Sammler bekannte Präsident des Senats, Scarpinatos Mikrofon aus.

Die Rede Scarpinatos ist historisch. Und historisch ist das, was jetzt hier in Italien passiert. So viel zur ersten Ministerpräsidentin in Italien.

Meanwhile wird in Venedig, dieser kleinen Stadt im Wasser, gefeiert, dass die Touristenzahlen dieses Jahr bei denen des Vor-Pandemiejahrs 2019 (30 Millionen Besucher) liegen - oder sie vielleicht auch übertreffen. 

Was nicht gefeiert wird ist, wie schon von Reskis Republik beklagt, Bellottos 300. Geburtstag: Anders als in Darmstadt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und in Warschau (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat es in Venedig - nicht nur Heimatstadt, sondern auch künstlerische Inspirationsquelle Bellottos - niemand fertiggebracht, an den  Geburtstag des Künstlers zu erinnern. Was nicht wundert, bei diesem Oligarchen, der Venedig regiert und sich selbst zum Kulturassessor ernannt hat. 

Anlässlich der Ausstellung "Remember Venice, Bernardo Bellotto zeichnet" (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) im  Hessischen Landesmuseum Darmstadt habe ich für den Museumspodcast über Bellotto und das Venedig von heute gesprochen, das ich in "Als ich einmal in den Canal Grande fiel" (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) beschrieben habe. Diese neue Folge können Sie hier hören (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

In diesem Sinne grüßt Sie aus Italien, wo es nie langweilig wird, Ihre Petra Reski. 

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