Grammatik für die Grundstufe (A1 bis B1) 030 – Imperativ
Herzlich willkommen bei “Lernen mit Uwe”.
Die Grammatik ist das Gerüst einer Sprache. Darum wollen wir gemeinsam die ersten Bausteine der deutschen Grammatik lernen.
In diesen Posts findet ihr Links zu den Videos auf meinem YouTube-Kanal und das Material zu den Videos. Druckt euch das Material am besten aus und bearbeitet es, während ihr das Video nach und nach anschaut. Wenn ihr etwas nicht verstanden habt, könnt ihr euch das Video einfach noch einmal anschauen.

Das Video zu diesem Thema findest du hier:
Grammatik für die Grundstufe 030 – der Imperativ
Verwendung
Den Imperativ benutzen wir, wenn wir wollen, dass jemand etwas macht, also bei Befehlen, Verboten, Anweisungen, Empfehlungen, Ratschlägen, Bitten und Warnungen.
Nun beeil dich doch. Der Bus kommt gleich. Anweisung, Aufforderung
Hör besser auf zu rauchen. Ratschlag, Empfehlung
Starten wir! Aufforderung
Deckt bitte schon einmal den Tisch. Das Essen ist gleich fertig. Bitte
Machen Sie die Musik aus! Befehl
Formen
Sehen wir uns nun an, wie wir den Imperativ bilden.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass es fünf Formen des Imperativs gibt, die wir im Deutschen oft benutzen. Es gibt ihn in den persönlichen Formen du, ihr, wir, Sie und es gibt ihn bei unpersönlichen Aufforderungen.
Unpersönliche Aufforderungen
Die unpersönlichen Aufforderungen haben wir in Folge 28 bei dem Thema Infinitiv mit und ohne zu schon kenngelernt. In diesem Fall wird immer das Verb im Infinitiv benutzt. Das ist immer so, egal, welche Art von Verb wir benutzen.
Hier bitte nicht parken! (regelmäßiges Verb)
Essen und Trinken verboten! (unregelmäßiges Verb)
Nach der Arbeit bitte die Heizung ausmachen. (trennbares Verb)
Nicht im Schwenkbereich aufhalten. (reflexives Verb – ohne Reflexivpronomen)
Persönliche Aufforderungen
Anders ist es bei den persönlichen Formen des Imperativs. Sehen wir uns an, wie man sie mit den verschiedenen Verbarten bildet.
regelmäßige Verben
Nochmal zur Erinnerung: Regelmäßige Verben verändern den Stammvokal bei der Konjugation nie.
Du-Form
Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst einen Satz mit dem Verb bauen, z.B.
Du kaufst einen Liter Milch.
Nun streichen wir das Personalpronomen Du und die Endung -st durch, …
Du kaufst einen Liter Milch.
… und schon haben wir den Imperativ in der Du-Form:
Kauf einen Liter Milch.
Und damit es sich freundlicher anhört, kommt noch ein „bitte“ dazu:
Kauf bitte einen Liter Milch.
Ihr-Form
Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, ist es genauso. Zuerst bauen wir einen Satz mit dem Verb, z.B.
Ihr kauft einen Liter Milch.
Nun streichen wir das Personalpronomen Ihr und die Endung -t durch, …
Ihr kauft einen Liter Milch.
… und schon haben wir den Imperativ in der Ihr-Form:
Kauft einen Liter Milch.
Und damit es sich freundlicher anhört, kommt noch ein „bitte“ dazu:
Kauft bitte einen Liter Milch.
Sie-Form
Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, fangen wir genauso an. Zuerst bauen wir einen Satz mit dem Verb, z.B.
Sie kaufen einen Liter Milch.
Aber nun streichen wir nichts durch. Stattdessen tauschen das Verb und das Personalpronomen die Position, wie bei einer Ja-/Nein-Frage, ...
Kaufen Sie einen Liter Milch?
… aber wir benutzen kein Fragezeichen und schon haben wir den Imperativ in der Sie-Form:
Kaufen Sie einen Liter Milch.
Und damit es sich freundlicher anhört, kommt noch ein „bitte“ dazu:
Kaufen Sie bitte einen Liter Milch.
Wir-Form
Diese Form ist eher selten und wird meistens für Aufforderungen benutzt. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, ist es wie bei der Sie-Form. Zuerst bauen wir einen Satz mit dem Verb, z.B.
Wir kaufen einen Liter Milch.
Auch hier streichen wir nichts durch. Sondern das Verb und das Personalpronomen tauschen die Position, wie bei einer Ja-/Nein-Frage, ...
Kaufen wir einen Liter Milch?
… aber wir benutzen kein Fragezeichen und schon haben wir den Imperativ in der Wir-Form:
Kaufen wir einen Liter Milch.
Nebenbei bemerkt: Der bleibt Imperativ am Satzanfang des Imperativsatzes, wenn wir noch etwas hinzufügen wollen.
Kauf für heute Abend einen Liter Milch.
Kauf einen Liter Milch, damit wir backen können.
Und so wird der Imperativ grundsätzlich bei allen Verben gebildet. Allerdings gibt es bei den anderen Verbarten ein paar Besonderheiten, damit es nicht so langweilig ist. Die wollen wir uns jetzt anschauen.
unregelmäßige Verben
Nochmal zur Erinnerung: Bei unregelmäßigen Verben verändert sich die Stammform des Verbs. Das bedeutet, dass es sich bei der Bildung der Personalformen und der Zeitformen stark von seiner Grundform (Infinitiv) unterscheidet.
Das bedeutet, dass es auch bei der Bildung des Imperativs etwas spannender ist. Wie gesagt, ist es grundsätzlich genauso, wie bei den regelmäßigen Verben. Allerdings sind unregelmäßige Verben eben ganz besonders. Daher wollen wir uns ein paar Beispiele anschauen, die sich gar nicht an die Regeln halten wollen.

trennbare Verben
Nochmal zur Erinnerung: Bei trennbaren Verben wird nur der Verbstamm verändert. Die Vorsilbe bleibt unverändert.
Und beim Imperativ ist es auch so. Auch hier wird nur der Verbstamm verändert.
Regelmäßige trennbare Verben
Ist das trennbare Verb regelmäßig, verhält es sich auch wie ein regelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb zuhören.
Du hörst mir zu. Du hörst mir zu. Hör mir zu!
Ihr hört mir zu. Ihr hört mir zu. Hört mir zu!
Wir hören zu. Hören wir zu? Hören wir zu!
Sie hören mir zu. Hören Sie mir zu? Hören Sie mir zu!
Nebenbei bemerkt: Und wenn wir den Satz verlängern wollen, ist das ganz einfach. Der Imperativ bleibt am Satzanfang und der Rest kommt dann dahinter. Nur die Vorsilbe (das Präfix) bleibt am Satzende des Imperativsatzes, z.B.
Hört mir beim Erklären zu!
Hört mir zu, wenn ich etwas erkläre!
Unregelmäßige trennbare Verben
Ist das trennbare Verb unregelmäßig, verhält es sich auch wie ein unregelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir auch zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb weiterlaufen.
Du läufst weiter. Du läaufst weiter. Lauf weiter!
Ihr lauft weiter. Ihr lauft weiter. Lauft weiter!
Wir laufen weiter. Laufen wir weiter? Laufen wir weiter!
Sie laufen weiter. Laufen Sie weiter? Laufen Sie weiter!
Reflexive/reziproke Verben
Nochmal zur Erinnerung: Reflexive/reziproke Verben beziehen sich immer auf eine oder mehrere Personen oder Sachen/Dinge. Darum benutzen wir sie immer mit einem Reflexivpronomen.
Und beim Imperativ ist es auch so.
Regelmäßige reflexive/reziproke Verben
Ist das trennbare/reziproke Verb regelmäßig, verhält es sich auch wie ein regelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb sich freuen.
Du freust dich. Du freust dich. Freu dich!
Ihr freut euch. Ihr freut euch. Freut euch!
Wir freuen uns. Freuen wir uns? Freuen wir uns!
Sie freuen sich. Freuen Sie sich? Freuen Sie sich!
Nebenbei bemerkt: Und wenn wir den Satz verlängern wollen, ist das ganz einfach. Der Imperativ bleibt am Satzanfang und der Rest kommt dann dahinter, z.B.
Freu dich doch über das Prüfungsergebnis.
Freu dich doch, dass du die Prüfung geschafft hast.
Unregelmäßige reflexive/reziproke Verben
Ist das trennbare/reziproke Verb unregelmäßig, verhält es sich auch wie ein unregelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb sich waschen.
Du wäschst dich. Du wäaschst dich. Wasch dich!
Ihr wascht euch. Ihr wascht euch. Wascht euch.
Wir waschen uns. Waschen wir uns? Waschen wir uns!
Sie waschen sich. Waschen Sie sich? Waschen Sie sich!
Verben mit Präpositionen
Nochmal zur Erinnerung: Wenn wir einen Satz mit einem Verb mit Präposition bauen wollen, benutzen wir das Verb immer mit einer bestimmten Präposition. Manchmal gibt es auch mehrere Möglichkeiten.
Und beim Imperativ ist es auch so.
Regelmäßige Verben mit Präpositionen
Ist das Verb mit Präposition regelmäßig, verhält es sich auch wie ein regelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb warten auf.
Du wartest auf den Bus. Du wartest auf den Bus. Warte auf den Bus!
Ihr wartet auf den Bus. Ihr wartet auf den Bus. Wartet auf den Bus!
Wir warten auf den Bus. Warten wir auf den Bus? Warten wir auf den Bus!
Sie warten auf den Bus. Warten Sie auf den Bus? Warten Sie auf den Bus!
Nebenbei bemerkt: Und wenn wir den Satz verlängern wollen, ist das ganz einfach. Der Imperativ bleibt am Satzanfang und der Rest kommt dann dahinter. Und wenn wir einen Nebensatz bilden wollen, dann benötigen wir das Adverb da + Präposition, z.B.
Warten Sie auf den Bus nach Lübeck!
Warten Sie darauf, dass der Bus nach Lübeck kommt!
Unregelmäßige Verben mit Präpositionen
Ist das Verb mit Präposition unregelmäßig, verhält es sich auch wie ein unregelmäßiges Verb. Wenn wir hier den Imperativ bilden wollen, dann können wir zuerst Sätze mit dem Verb bauen. Und dann bilden wir den Imperativ, wie wir eben gelernt haben. Nehmen wir z.B. das Verb sprechen mit.
Du sprichst mit Peter. Du sprichst mit Peter. Sprich mit Peter!
Ihr sprecht mit Peter. Ihr sprecht mit Peter. Sprecht mit Peter!
Wir sprechen mit Peter. Sprechen wir mit Peter? Sprechen wir mit Peter!
Sie sprechen mit Peter. Sprechen Sie mit Peter? Sprechen Sie mit Peter!
Übungen
Nun wollen wir ein paar Übungen zum Imperativ machen.
Das Video zu diesem Thema findet ihr hier:
https://youtu.be/UC8FXHXm-3U (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Machen Sie die Musik leise – Ergänzen Sie den passenden Imperativ.
Hier haben wir Verben im Imperativ und unten 10 Sätze mit Lücken. Überlegen Sie, welches Verb in welche Lücke gehört.
geht – fahr – gib – machen – gehen – beeil – habt – setzen – wascht – machen
1 Klaus, ____ mir bitte mal deinen Stift.
2 Kinder, Oma und Opa kommen ja gleich, ____ ein bisschen Geduld.
3 Ihr Husten ist ja schlimm, ____ Sie doch zum Arzt.
4 Sie dürfen hier nicht rauchen, ____ Sie die Zigarette aus.
5 Marie, Hans, es ist schon spät, ____ jetzt bitte schlafen.
6 Herr Müller, ____ Sie sich bitte.
7 Das Essen ist fertig, ____ euch bitte die Hände.
8 Es ist schon 23 Uhr, ____ Sie sofort die Musik leise.
9 Der Bus kommt gleich, jetzt ____ dich schon.
10 Draußen ist es glatt, ____ vorsichtig zur Schule.
Überall Anweisungen – Bilden Sie den Imperativ.
Hier haben wir 10 Sätze mit Lücken. Hier den Sätzen stehen Verben im Infinitiv. Bilden Sie mit den Verben den passenden Imperativ.
1 ____ bitte dein Heft (holen).
2 ____euch auf eure Plätze (setzen).
3 ____Sie mir bitte Ihre Gesundheitskarte (geben).
4 ____deinen Namen oben auf das Blatt (schreiben).
5 Wir haben wenig Zeit, ____wir __ (anfangen).
6 ____bitte auf den Markt und ____ein bisschen Obst (gehen, kaufen).
7 ____ jetzt endlich __, du musst zum Deutschkurs (aufstehen).
8 ____Sie die Aufgabe genau __ (durchlesen).
9 ____ doch diese Stelle, Sascha, vielleicht klappt es ja (sich bewerben um).
10 ____wir eine Pause (machen).
Das war es bis jetzt von mir. Ich hoffe, dass ich euch hiermit helfen konnte, euer Deutsch zu verbessern und die deutsche Grammatik besser zu verstehen.
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