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1.700.000.000.000 Euro! Das gigantische Schuldenprogramm- Wer profitiert wenn es kommt?

Einleitung:
Die Ankündigung eines Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr – sowie weiterer Investitionspakete für Aufrüstung und Infrastruktur – markiert eine Zeitenwende in Deutschland und Europa. Aktuelle Meldungen gehen sogar von bis zu 1,7 Billionen Euro Schulden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aus.

Nach Jahrzehnten des Sparkurses werden nun massive Schulden finanzierte Programme aufgelegt, um die Bundeswehr zu modernisieren, die Verteidigungsbereitschaft zu stärken und marode Infrastruktur auszubauen. Davon dürften zahlreiche börsennotierte Unternehmen in unterschiedlichen Branchen profitieren. Insbesondere Rüstungskonzerne erwarten prall gefüllte Auftragsbücher, aber auch Technologieanbieter, Bau- und Infrastrukturunternehmen, Logistiker sowie Energie- und Rohstoffkonzerne könnten durch die steigende staatliche Nachfrage Rückenwind erhalten. Im Folgenden werden die potenziellen Gewinner in Deutschland und der EU in fünf Sektoren beleuchtet, inklusive Markteinschätzungen und Kursentwicklungen, um euch einen kleinen Überblick zu verschaffen.

1. Rüstungsindustrie – Waffen, Fahrzeuge und militärische Ausrüstung

Die Verteidigungsbranche steht als Hauptprofiteur im Fokus, da ein Großteil der Sondermittel direkt in Waffen, Fahrzeuge und Ausrüstung fließt . Entsprechend haben viele Rüstungsaktien bereits kräftig zugelegt und notieren nahe Rekordhochs. Einige wichtige Unternehmen aus Deutschland und der EU:

  • Rheinmetall AG (DE) – Der größte deutsche Rüstungskonzern (Panzer, militärische Fahrzeuge, Munition) gilt als einer der größten Gewinner. Rheinmetall bot der Bundesregierung umgehend eine umfangreiche Lieferung an Panzern, Munition und anderen Gütern an. Die Aktie hat sich seit Kriegsbeginn verzehnfacht und steht nahe dem Allzeithoch. Nach der Sondervermögens-Ankündigung sprang der Kurs an einem Tag um ~24 %. Das Unternehmen verzeichnete 2024 einen Umsatzanstieg von 36 % und prognostiziert für 2025 weiteres starkes Wachstum (+35–40 % im Militärgeschäft) – ein Zeichen dafür, wie sehr die Aufrüstung die Auftragslage beflügelt.

  • Hensoldt AG (DE) – Der Wehrtechnologie-Spezialist (Sensorik, Radarsysteme, Avionik und Cyber-Sicherheit) profitiert deutlich von höheren Verteidigungsausgaben. Hensoldt könnte z.B. neue Aufträge für Eurofighter-Elektronik und das Aufklärungssystem PEGASUS erhalten. Die Umsätze wachsen zweistellig (+20 % zuletzt) und auch die Aktie legte stark zu. Am Tag nach Scholz’ „Zeitenwende“-Rede schnellte der Kurs um 40 % nach oben – ein Hinweis auf die hohen Markterwartungen an Hensoldt als Profiteur des Sondervermögens.

  • Thyssenkrupp AG (DE) – Der Industrie- und Stahlkonzern ist über seine Sparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) im Marineschiffbau und U-Boot-Geschäft tätig. Geplante Investitionen in neue U-Boote und Überwasserschiffe der Marine dürften TKMS zugutekommen. Thyssenkrupp zählt damit ebenfalls zu den Profiteuren, obwohl das Rüstungsgeschäft nur ein Teil des Konzerns ist. Die Aktie stieg nach den Aufrüstungsbeschlüssen zunächst um ~9 %. Langfristig könnte auch die Stahlsparte profitieren, da Panzer, Schiffe und Infrastruktur viel Stahl benötigen.

  • Jenoptik AG (DE) – Der Technologiekonzern (Optoelektronik) beliefert unter anderem die Rüstungs- und Sicherheitsbranche (z.B. Zieloptiken, Sensoren). Mit vielen Kunden in Wehrtechnik und Sicherheitsbehörden dürfte Jenoptik von steigenden Rüstungsbudgets indirekt profitieren. Das Unternehmen hat sich strategisch auf Verteidigung und zivilen High-Tech-Markt ausgerichtet, wodurch zusätzliche Bundeswehr-Aufträge (etwa für Optiksysteme) möglich sind.

  • Airbus SE (EU) – Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern (Sitz in NL, wesentliche Standorte in DE/FR/ES) ist neben Zivilflugzeugen auch ein führender Rüstungsanbieter. Airbus Defence & Space produziert den Eurofighter-Jet, Militärtransporter (A400M), Satelliten und Raketen. Europaweit gilt Airbus als Gewinner der NATO-Aufrüstung. Zusätzliche Bestellungen – etwa für Eurofighter-ECR-Versionen, Tankflugzeuge oder neue europäische Kampfjets (FCAS) – könnten Milliarden in Airbus’ Kassen spülen. Die Aktie stieg in Erwartung neuer Rüstungsaufträge nach der Sondervermögens-Einigung ebenfalls um rund 3,7 %

  • Thales S.A. (FR) – Frankreichs großer Rüstungselektronik-Konzern ist breit aufgestellt (Verteidigungselektronik, Kommunikationssysteme, Raketentechnik, Cybersecurity). Als Schlüssellieferant vieler europäischer Streitkräfte wird Thales klar vom höheren Verteidigungsbudget profitieren. Investoren haben dies antizipiert: die Thales-Aktie legte im Zuge der Aufrüstungsankündigungen ebenso zu. Thales dürfte z.B. Aufträge bei digitaler Vernetzung der Truppe und Luftverteidigungssystemen erhalten.

  • Leonardo S.p.A. (IT) – Italiens größter Rüstungskonzern (Hersteller von Militärhelikoptern, Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter, Drohnen, Elektronik) verzeichnet dank erhöhter Verteidigungsetats stabile Umsatzzuwächse. Die Aktie von Leonardo stieg seit Kriegsausbruch ebenfalls kräftig (+53 % in 2022) und das Unternehmen gilt als klarer Profiteur der NATO-Aufrüstung. Als einer der größten europäischen Anbieter von Fluggeräten und Wehrtechnik ist Leonardo in vielen multinationalen Projekten (Eurofighter, NH90-Helikopter, etc.) engagiert und sollte von neuen Bestellungen aus EU-Staaten direkt profitieren.

Marktentwicklung & Ausblick: Rüstungsaktien haben seit der „Zeitenwende“ einen regelrechten Boom erlebt. Alleine Rheinmetall konnte seinen Börsenwert seit Februar 2022 um ca. 1.000 % steigern, Hensoldt und andere verzeichneten ähnlich extreme Kursgewinne. Direkt nach der Sondervermögens-Ankündigung schossen die Kurse vieler Branchenwerte zweistellig nach oben . Analysten sehen hierin erst den Anfang eines langfristigen Zyklus: Laut JPMorgan steht Europas Rüstungsindustrie vor mindestens einem Jahrzehnt des Wachstums. Der JP-Analyst David Perry hat die Kursziele für europäische Rüstungswerte bis 2026 im Schnitt um +25 % angehoben. Allerdings sind viele Titel inzwischen hoch bewertet; ein Großteil der Erwartungen ist bereits eingepreist, und Werte wie Rheinmetall notieren auf 52-Wochen-Hoch . Investoren setzen dennoch darauf, dass die Flut neuer Aufträge „Auftragslawine“ die Gewinne der Rüstungskonzerne über Jahre sprudeln lässt – die Unternehmen können sich vor Anfragen kaum retten.

2. Technologie & IT – Software, Cyber und Kommunikation für die Streitkräfte

Moderne Armeen brauchen nicht nur Fahrzeuge und Waffen, sondern auch digitale Technologie: sichere IT-Systeme, Kommunikationsnetzwerke, Datenanalyse und Cyber-Abwehr. Ein Teil der Investitionen fließt daher in Software und Cybersecurity für die Bundeswehr. Davon profitieren spezialisierte Tech-Firmen sowie die IT-Sparten großer Rüstungsanbieter:

  • secunet Security Networks AG (DE) – Der deutsche IT-Sicherheitsanbieter (verschlüsselte Netzwerke, Cyber-Abwehr) arbeitet eng für Behörden und die Bundeswehr. Secunet gilt als einer der Profiteure des Sondervermögens, da der Investitionsstau bei digitaler Infrastruktur und Cyber-Verteidigung nun aufgelöst wird. Die Bundeswehr wird verstärkt in sichere Kommunikation, digitale Vernetzung der Truppe und Datenschutz investieren – hier ist Secunet mit seinen Produkten (z.B. SINA-Verschlüsselung) ein Hauptlieferant. Entsprechend schoss die Aktie im März innerhalb von drei Tagen um 44 % auf ein Mehrjahreshoch , als die Aussicht auf Milliardeninvestitionen bekannt wurde. Für die kommenden Jahre rechnen Experten mit zusätzlichen NATO-Aufträgen und großem Bedarf an Secunets Cyber-Lösungen.

  • Atos SE (FR) – Das französische IT-Unternehmen (Schwerpunkt Systemintegration und IT-Dienstleistungen) ist in vielen Regierungsprojekten engagiert und liefert Supercomputer sowie Cyber-Abwehr für Behörden. Atos könnte durch Aufträge zur Digitalisierung der Bundeswehr oder EU-weite Cyber-Defence-Initiativen profitieren. (Hinweis: Atos plant eine Aufspaltung; die Sparte für Sicherheits- und Verteidigungs-IT wird unter Evidian geführt und war im Gespräch, von Airbus übernommen zu werden. Ein Investor sollte die Strukturveränderungen beachten.)

  • Indra Sistemas S.A. (ES) – Spaniens IT- und Rüstungstechnikkonzern liefert Führungs- und Informationssysteme an militärische Kunden. Indra ist z.B. im deutsch-französisch-spanischen Future Combat Air System (FCAS) für die vernetzte Kampfführung zuständig. Durch höhere Verteidigungsbudgets in Spanien und Europa dürfte Indra mehr Verträge für Simulation, Cyberabwehr und Kommunikationssysteme erhalten. Als börsennotiertes Unternehmen mit ~20 % Staatsanteil spiegelt Indra gewissermaßen die europäischen Verteidigungs-IT-Investitionen wider.

Branchen-Einschätzung: Insgesamt werden Cyber-Sicherheit und militärische Digitalisierung verstärkt finanziert, nachdem diese Bereiche in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurden. Das bedeutet Aufträge für Softwarehäuser, Elektronikfirmen und Telekom-Ausrüster. Auch Telekommunikationsunternehmen könnten profitieren, etwa durch den Ausbau sicherer Netze: Deutsche Telekom (inkl. T-Systems) betreibt bereits das Behördennetz und könnte beim Militär-Ausbau involviert sein. Zudem steigt der Bedarf an robusten Halbleitern und Elektronik – Chip-Hersteller wie Infineon (DE) oder STMicroelectronics (FR) könnten indirekt profitieren, da Rüstungsgeräte mit spezialisierten Chips ausgestattet werden müssen. Für Anleger bieten diese Tech-Firmen eine etwas indirektere Möglichkeit, vom Rüstungsboom zu profitieren – ihr Geschäft hängt nicht allein an Waffen, sondern auch am allgemeinen Digitalisierungstrend. Die Kurse reagieren daher moderater, steigen aber kontinuierlich: So notieren viele IT-Sicherheitsaktien deutlich höher als noch Anfang 2022, getrieben durch die staatliche Nachfrage. Secunet etwa hat im Zuge der neuen Ausgabenpläne ein neues Hoch erreicht.

3. Bau & Infrastruktur – Kasernen, Verkehrswege und Energieanlagen

Ein weiterer großer Teil des Investitionsschubs fließt in die Infrastruktur – sowohl militärisch (Kasernensanierungen, Übungsgelände, Munitionsdepots) als auch zivil (Straßen, Schienen, Brücken, Energieversorgung). Zudem wird diskutiert, ein eigenes Infrastruktur-Sondervermögen (bis zu 500 Mrd. € über 10 Jahre) aufzulegen. Dies sorgt für Auftragsfantasie bei Baukonzernen und Bauzulieferern. Folgende börsennotierte Firmen sind hier relevant:

  • Hochtief AG (DE) – Deutschlands größter Baukonzern (im Mehrheitsbesitz von ACS/Spanien) hat umfangreiche Erfahrung in Großprojekten und könnte von zusätzlichen öffentlichen Bauaufträgen profitieren. Modernisierungen von Kasernen, Flughäfen oder neuen militärischen Einrichtungen würden wahrscheinlich an Hochtief und ähnliche Firmen vergeben. Bereits die Aussicht auf ein Infrastrukturprogramm ließ Hochtiefs Aktie ansteigen (+4,5 % am Tag der Einigungs-News). Mit prall gefüllten Auftragsbüchern im Segment Infrastruktur rechnet der Markt in den kommenden Jahren, was Hochtief zugutekäme.

  • Heidelberg Materials AG (DE) – (ehemals HeidelbergCement) Dieser Baustoffkonzern liefert Zement, Beton und Kies – Grundmaterialien für Bauvorhaben. Sämtliche Investitionen in Straßen, Start- und Landebahnen, Bunker oder Gebäude treiben die Nachfrage nach Zement nach oben. HeidelbergCement gehört daher zu den Gewinnern eines Bau-Booms; die Aktie stieg im Umfeld der Infrastruktur-Offensive um ca. 4,5 %. Das Sondervermögen Bundeswehr umfasst z.B. auch den Bau von Übungshallen und die Verbesserung der Truppenunterkünfte, was den Absatz von Baumaterial beflügelt.

  • Bilfinger SE (DE) – Industriedienstleister und Bauingenieur-Unternehmen, spezialisiert auf Montage, Anlagenbau und Gebäudetechnik. Bilfinger könnte bei der Sanierung alter Bundeswehr-Liegenschaften (Kasernen, Stützpunkte) involviert werden, etwa bei Energieversorgung, Klimaanlagen oder Sicherheitstechnik. Zudem winken Aufträge aus dem zivilen Infrastruktursektor (Brücken, Tunnel). Entsprechend positiv reagierte der Markt: +5,8 % Kursplus für Bilfinger am Tag der Bekanntgabe des Mega-Investitionspakets. Für Bilfinger als Mittelständler wären staatliche Großaufträge ein wichtiger Wachstumstreiber.

  • Strabag SE (AT) – Österreichischer Baukonzern, der in ganz Europa aktiv ist. Strabag baut Straßen, Hochbau, und hat Erfahrung mit öffentlichen Aufträgen in Deutschland. Ein Milliardenprogramm für Verkehrsinfrastruktur (Schiene, Straßen) würde Strabag Auftragschancen bieten. Das Unternehmen ist an Autobahnprojekten beteiligt und könnte vom geplanten Ausbau militärischer Mobilität profitieren (etwa Verstärkung von Straßen für Panzertransporte, Ausbau von Bahnverladestellen für Militärgerät). Als börsennotierte Firma (Wien) mit starker Präsenz in DE ist Strabag ein indirekter Gewinner der deutschen Investitionsoffensive.

  • Vinci SA und Eiffage SA (FR) – Die großen französischen Baugiganten (Vinci ist global Nr.1 im Infrastrukturbau) profitieren von EU-weit steigenden Infrastrukturinvestitionen. In Frankreich selbst sind milliardenschwere Programme für Schienen und Energieinfrastruktur geplant, die auch im Zusammenhang mit der europäischen Sicherheitslage gesehen werden. Vinci und Eiffage haben zudem Tochterfirmen in Deutschland und könnten bei dortigen Projekten mitverdienen. Vinci ist z.B. schon am Bau militärischer Einrichtungen (Flughäfen, NATO-HQ) beteiligt gewesen.

  • Siemens AG (DE) – Als Industriekonzern ist Siemens zwar kein reiner Bauakteur, aber stark im Bahntechnik- und Energienetz-Geschäft engagiert. Wenn das Schienennetz ausgebaut oder modernisiert wird (für bessere Truppen- und Materialtransporte per Bahn), liefert Siemens Züge, Signalanlagen und Elektrifizierung. Auch die digitale Infrastruktur (5G-Netze auf Truppenübungsplätzen, Smart Grid für Kasernen) fällt in Siemens’ Betätigungsfeld. Die Aktie reagierte mit +3 % auf die Investitionspläne. Als breit diversifizierter Technologiekonzern kann Siemens an vielen Stellen der Infrastruktur-Offensive partizipieren.

Branchen-Einschätzung: Der Bausektor dürfte zweifach profitieren – direkt durch Militär-Bauprojekte (mit Mitteln aus dem Bundeswehr-Sondervermögen) und indirekt durch ein generelles Konjunkturprogramm Infrastruktur. Die Bundesregierung plant, jahrelang aufgeschobene Sanierungen jetzt zügig umzusetzen. Dies betrifft Straßen und Brücken, aber auch die Energie- und Digitalinfrastruktur, wovon neben reinen Bauunternehmen auch Netzbetreiber und Telekomfirmen profitieren (Glasfaserausbau, 5G entlang der Verkehrswege etc.). Insgesamt wird von einer gigantischen Infrastrukturmaßnahme gesprochen, die Bauunternehmen reichlich Aufträge bescheren wird. Allerdings gilt es zu beachten, dass Kapazitätsengpässe und Bürokratie die Umsetzung verzögern könnten. Für die Aktienkurse heißt das: Viel Optimismus ist schon enthalten, aber die Auftragslage der Branche wird sich tatsächlich deutlich verbessern. Ein „Bau-Boom“ in Deutschland und Teilen der EU erscheint wahrscheinlich, was in den nächsten Jahren Umsatz- und Gewinnwachstum in der Bauindustrie antreiben sollte. Dazu sollte allerdings auch der Bauzins wieder runter.

4. Logistik & Transport – Militärische Mobilität und Versorgung

Mit der Aufrüstung und dem Infrastrukturprogramm steigt auch der Bedarf an Transport und Logistik. Panzer, Fahrzeuge, Baumaterial und Personal müssen bewegt und versorgt werden – innerhalb Deutschlands, aber auch zu NATO-Partnern. Dies eröffnet Chancen für Logistikkonzerne, Transportdienstleister und Fahrzeugbauer:

  • Rheinmetall AG / RMMV (DE) – Nicht nur Waffen, auch LKW werden für die Bundeswehr neu beschafft. Rheinmetall hat über seine Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) jüngst den größten LKW-Auftrag in der Bundeswehr-Geschichte erhalten: bis zu 6.500 Militär-Laster im Wert von 3,5 Mrd. €. Diese ungeschützten Transportfahrzeuge sind essenziell, um Material und Truppen zu bewegen. Der Auftrag zeigt, dass ein erheblicher Teil des Sondervermögens in die Logistik der Truppe fließt – wovon Rheinmetall (und Partner MAN/Traton) direkt profitieren. Solche Großaufträge dürften sich auch in anderen Ländern ergeben, die ihre Armeelogistik modernisieren.

  • Traton SE (DE) – Die VW-Nutzfahrzeugholding (Marken MAN, Scania) ist über MAN an RMMV beteiligt. Jeder Auftrag für militärische LKW spült auch Umsatz in Traton-Kassen. Zudem könnten Traton/Scania NATO-Partner im europäischen Norden mit modernen Trucks beliefern. Die Aufrüstung der Logistik könnte die Nachfrage nach speziellen Allrad-Lastern, Tankwagen und Transportern erhöhen – ein Nischenmarkt, in dem Traton eine Rolle spielt. Für Aktionäre ist dies ein Zusatzgeschäft zum zivilen LKW-Markt.

  • Daimler Truck Holding (DE) – Weltweit führender LKW-Hersteller (Marken Mercedes-Benz, Freightliner). Daimler Truck liefert seit Jahrzehnten Militär-LKW (z.B. Unimog, Zetros) an die Bundeswehr und andere Armeen. Im Zuge der Modernisierung könnten neue gepanzerte Transportfahrzeuge oder Tanklastwagen geordert werden. Auch die Beschaffung schwerer geschützter LKW (z.B. für Pioniertruppe) ist denkbar. Daimler Truck könnte daher mit seinem spezialisierten Produktportfolio (Unimog als robustes Mehrzweckfahrzeug) vom Investitionsschub profitieren.

  • Deutsche Post AG (DHL) (DE) – Als Logistikriese kümmert sich DHL auch um komplexe Lieferketten und Projektlogistik. Große Bauprojekte (z.B. Materialversorgung für Infrastrukturvorhaben) oder Truppenverlegungen (etwa Versorgungsflüge) erzeugen Geschäft für DHL im Fracht- und Expressbereich. Außerdem betreibt DHL Tochtergesellschaften, die im Regierungsauftrag z.B. medizinische Hilfsgüter oder Ausrüstung transportieren. Zwar ist das Volumen im Vergleich zum zivilen E-Commerce gering, aber ein steigender Verteidigungsetat kann speziell im Bereich Kontraktlogistik (Lagerhaltung, Verteilung für Militär) Aufträge anziehen. Die Aktie der Deutschen Post profitiert eher indirekt vom allgemeinen Konjunktur- und Handelsaufschwung durch staatliche Investitionen.

  • Hapag-Lloyd AG (DE) – Die Linienreederei betreibt ein globales Container-Netz. Falls die Bundeswehr verstärkt Material ins Ausland schicken muss (Übungen an NATO-Ostflanke, Gerät für Bündnispartner), kämen Container und RoRo-Schiffe zum Einsatz – hier ist Hapag-Lloyd mit seiner Flotte potenzieller Dienstleister. Zudem stimuliert ein Infrastrukturboom den Welthandel (mehr Import von Baumaterialien, Maschinen), was Reedereien höhere Frachtraten bescheren kann. Investoren könnten Hapag-Lloyd als indirekten Profiteur eines wirtschaftlichen Aufschwungs durch Staatsinvestitionen sehen. Allerdings unterliegt die Schifffahrt globalen Zyklen, der direkte Einfluss des Bundeswehr-Etats ist begrenzt.

  • Kion Group AG & Jungheinrich AG (DE) – Diese beiden Unternehmen sind führende Hersteller von Gabelstaplern, Lagertechnik und automatisierten Logistiksystemen. Interessanterweise zählten ihre Aktien ebenfalls zu den Gewinnern der Investitions-Ankündigungen (+5–6 % am Tag). Warum? Ein gewaltiges Infrastruktur- und Rüstungsprogramm bedeutet auch Aufrüstung der Lager und Logistikzentren – vom Materialdepot der Bundeswehr bis zu Baustofflagern. Kion und Jungheinrich profitieren, wenn neue Lagerkapazitäten geschaffen oder modernisiert werden (etwa automatisierte Versorgungsdepots für die Truppe). Die Kursreaktion signalisiert, dass Investoren mit erhöhter Nachfrage nach Fördertechnik und Intralogistik rechnen.

  • DSV A/S (DK) & Kühne + Nagel Intl. (CH) – Europas führende Speditions- und Logistikdienstleister (Dänemark bzw. Schweiz, beide börsennotiert) könnten ebenso vom gesteigerten Transportaufkommen profitieren. DSV z.B. ist bereits in militärischen Transportprojekten aktiv (u.a. für die US-Armee in Europa). Sollten Panzer, Munition oder Hilfsgüter in großem Stil bewegt werden, greifen Regierungen oft auf erfahrene Logistikfirmen zurück. DSV und K+N bieten globale Netzwerke für Luft-, See- und Landfracht – sie stünden bereit, um gegen Entgelt Militärgüter sicher von A nach B zu transportieren.

Branchen-Einschätzung: Die Logistik- und Transportbranche ist ein eher indirekter Gewinner der Sondervermögen. Während Rüstungsfirmen direkt Milliardenaufträge erhalten, profitieren Logistiker in Form von zusätzlichen Transportvolumen und Service-Verträgen. Die Börse honorierte am Tag der politischen Einigung dennoch etliche Logistik-nahe Aktien (siehe Kion/Jungheinrich). Das zeigt, dass Marktakteure einen Konjunkturimpuls für die gesamte Wirtschaft erwarten – inklusive Transportsektor. Militärisch werden Initiativen wie die NATO-„Military Mobility“ (schneller Truppen- und Materialtransport in Europa) vorangetrieben, was Infrastruktur und Logistikdienstleister benötigt. Aus Investorensicht sind die reinen Logistikunternehmen jedoch konjunkturabhängig; der direkte Hebel durch Rüstungsausgaben ist kleiner als etwa bei Rheinmetall. Trotzdem kann ein diversifiziertes Portfolio überlegen, auch Transportwerte mit abzudecken, um am ganzheitlichen Aufschwung teilzuhaben.

5. Energie & Rohstoffe – Strom, Treibstoff und Materialien für Aufrüstung und Bau

Große Aufrüstungs- und Bauprogramme ziehen eine höhere Nachfrage nach Energie und Rohstoffen nach sich. Panzer und Fahrzeuge verbrauchen Treibstoff, Kasernen benötigen Strom und Heizung, und jede neue Brücke oder Kaserne braucht Stahl, Beton und Spezialmaterialien. Folgende Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor könnten profitieren:

  • Siemens Energy AG (DE) – Der Kraftwerks- und Netztechnikkonzern (Abspaltung von Siemens) bietet Produkte für Energieinfrastruktur. Wenn Kasernen modernisiert werden, werden oft auch Stromnetze, Notstromaggregate oder Heizungsanlagen erneuert – ein Feld für Siemens Energy. Zudem stehen im zivilen Bereich große Investitionen in saubere Energieinfrastruktur an (ein Teil des Infrastrukturpakets soll in Stromnetze und erneuerbare Energien fließen. Siemens Energy konnte am Tag der Infrastruktur-Einigung um +4 % zulegen. Militärisch könnte das Unternehmen etwa bei neuen Gaskraftwerken zur Stand-by-Stromversorgung auf Stützpunkten oder beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge der Bundeswehr ins Spiel kommen.

  • BASF SE (DE) – Europas größter Chemiekonzern ist ein wichtiger Zulieferer für Industrie und Bau. Höhere Rüstungsproduktion erfordert mehr Chemikalien (z.B. Treibstoffe, Sprengstoffkomponenten, Kunststoffe für Fahrzeuge). BASF stellt z.B. Polyurethane für Fahrzeugpanzerungen oder Treibladungspulver (über Tochtergesellschaften) her. Gleichzeitig profitiert BASF von Infrastrukturprojekten durch Absatz von Baustoff-Chemie (Betonadditive, Beschichtungen). Die Aktie reagierte positiv (+2,2 %) auf das Infrastruktur- und Aufrüstungspaket. Zwar kämpft BASF mit Energiekosten, doch eine konjunkturelle Belebung durch Staatsaufträge könnte die Geschäftslage verbessern. Auch Themen wie Klimaresilienz (etwa Dämmstoffe für Gebäude, wo BASF Vorprodukte liefert) spielen eine Rolle.

  • Thyssenkrupp AG / Salzgitter AG (DE) – Als große Stahlhersteller in Deutschland würden sie vom Anstieg der Stahlnachfrage profitieren. Panzer, Haubitzen, Schiffe – all das besteht zu großen Teilen aus Spezialstahl. Wenn die Bundeswehr neue Fahrzeuge von Rheinmetall oder neue Schiffe von TKMS beschafft, beziehen diese Hersteller ihren Stahl u.a. von Thyssenkrupp oder Salzgitter. Zusätzlich werden Unmengen Stahl für Brücken, Schienen und Gebäude im Rahmen des Infrastrukturprogramms gebraucht. Dies könnte helfen, die derzeit schwächelnde Stahlindustrie auszulasten. Zwar ist Stahl ein global gehandelter Rohstoff, aber politische Projekte achten oft auf lokalen Bezug. ArcelorMittal SA (Luxemburg, Werke in Europa) als größter Stahlkonzern der EU wäre ebenfalls ein Profiteur steigender Bestellungen. Auch voestalpine AG (AT), spezialisiert auf Hochleistungsstähle und Schienen, könnte partizipieren. Für Thyssenkrupp kommt hinzu, dass es mit TKMS direkt an Rüstungsprojekten verdient – eine Doppelrolle als Stahl- und Rüstungskonzern.

  • OMV AG (AT) & TotalEnergies SE (FR) – Die Öl- und Gaskonzerne könnten durch steigenden Treibstoffverbrauch der Streitkräfte mehr Absatz machen. Eine voll einsatzbereite Bundeswehr übt mehr, bewegt mehr Fahrzeuge, fliegt mehr – das alles verbrennt Diesel, Kerosin und Marinekraftstoff. Zwar versucht die Bundeswehr perspektivisch auch nachhaltiger zu werden, kurz- und mittelfristig bleibt fossiler Treibstoff unerlässlich. OMV beliefert z.B. die Bundeswehr mit Kraftstoffen; höhere Abnahmemengen wären positiv für den Umsatz. TotalEnergies ist in Frankreich ähnlich aufgestellt (und betreibt zudem Tankstellennetze auf Bundeswehrliegenschaften in DE). Diese Effekte sind jedoch im Vergleich zu den normalen Absatzmengen der Ölkonzerne klein, daher ist der Einfluss auf die Aktienkurse gering.

  • RWE AG & E.ON SE (DE) – Die großen Stromversorger könnten indirekt profitieren, wenn neue militärische Einrichtungen ans Netz gehen oder bestehende Standorte mehr Strombedarf haben (z.B. durch Digitalisierung, E-Fahrzeuge). Außerdem sollen Teile des Infrastrukturprogramms in Energieprojekte fließen, etwa Smart Grids, Ladesäulen, Wasserstoff-Produktionsanlagen – hier sind RWE, E.ON und Co. potenzielle Betreiber oder Partner. Eine robustere Energieinfrastruktur wird auch als Teil der Sicherheitsvorsorge gesehen. Für RWE etwa könnten Investitionen in Gaskraftwerke als Reserve oder in erneuerbare Energien (zur Reduktion von Abhängigkeiten) aus den Mitteln angestoßen werden. Die Aktien dieser Versorger werden aber primär von Strompreisen und Regulierung getrieben; ein Zusatzimpuls durch Staatsaufträge wäre ein kleiner Bonus.

Branchen-Einschätzung: Energie- und Rohstoffunternehmen stehen nicht so unmittelbar im Rampenlicht wie Rüstungsfirmen, doch sie bilden das Fundament für die Aufrüstung und den Bau-Boom. Viele dieser Firmen haben stabile, diversifizierte Geschäftsmodelle – die zusätzlichen Nachfrageimpulse verbessern ihre Auslastung und Umsätze, ohne dass sie selbst stark investieren müssten. Zum Beispiel kann ein Stahlhersteller von heute auf morgen mehr liefern, wenn Bestellungen kommen, da Überkapazitäten bestehen. Das Gleiche gilt für Zement oder Sprengstoffchemikalien. In der Börsenentwicklung spiegelt sich das moderat wider: Einige Chemie- und Stahlwerte haben zuletzt besser performt als der Gesamtmarkt, getrieben von Konjunkturhoffnungen. So legten etwa Siemens Energy und BASF an einem schwachen Börsentag zu, als der Markt die Aufstockung der Investitionsprogramme spielte

Fazit:
Deutschland und die EU erleben durch das Bundeswehr-Sondervermögen und parallele Infrastrukturprogramme einen beispiellosen Investitionsschub. Für viele Unternehmen eröffnen sich dadurch erhebliche Wachstumsperspektiven. Am unmittelbarsten profitieren Rüstungsfirmen – ihre Auftragsbücher füllen sich und die Börse hat viele Aktien bereits auf Höchststände getrieben. Doch auch in angrenzenden Branchen – von High-Tech bis Zement – sorgen die staatlichen Milliarden für neue Impulse. Ihr solltet jedoch beachten, dass ein Teil der Euphorie schon eingepreist ist und die Umsetzung der Projekte über Jahre erfolgen wird .

Aber jetzt habt ihr mal einen guten Überblick über einige Aktien, die man sich gut auf die ein oder andere Watchlist legen kann.

Sanfte Grüße,

Kolja Barghoorn

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