Mein Ehemann ist ein echter Mann!

Mit einem Hang zu pinken Schuhen…

Ihr kennt das sicher, wenn man einen Kumpel näher kennen lernt, oder man mit einer besseren Hälfte gerade am anbandeln ist, dann bemerkt man plötzlich die ein oder andere Eigenheit, die einem vorher gar nicht aufgefallen ist!

Rosa & pink können so schön sein! Aber muss man das an sich selbst auch tragen?

Macken, Kleinigkeiten, Andersartigkeiten – denen man interessiert und neugierig zuschaut, und noch gar nicht genau weiß, was man davon eigentlich halten soll. Ich persönlich bin kein Experte, aber ich habe so eine Ahnung, dass es genau diese Kleinigkeiten sind, die dafür sorgen das wir uns Hals über Kopf verlieben – oder auch unter Tränen und Rosenkrieg wieder trennen.

Diese vielsagenden Kleinigkeiten und Macken, mit denen unser Gegenüber bestimmte Signale sendet, ziehen uns entweder an oder stoßen uns ab.

Die Frage ist: WARUM fühlen wir uns angezogen – oder abgestoßen?

Unser anerzogenes Ich? Nehmen wir die richtigen Signale wahr, um in unserem Gegenüber den richtigen Freund oder Partner zu erkennen, der uns in unserem Leben wirklich weiter bringt? Oder sind wir einfach intolerant? Vielleicht ist unser Gefühl auch berechtigt, und wir lehnen die Respektlosigkeit unseres Gegenübers einfach ab?

Jetzt wäre die Frage ja noch:

  •  Entspringen die gesendeten Signale unseres Gegenübers seiner wahren Natur, und lebt er sie frei von innen heraus?
  •  ODER sind diese Spezialitäten einstudiert, um damit cool, locker, eloquent oder sonst was zu wirken?

Fest steht jedoch:Egal wieviel Mühen jemand darauf verwendet gut gekleidet zu sein, locker zu wirken, intellektuell, punkig oder sonst irgendwas darstellen möchte (und mal ehrlich, wir wollen alle etwas darstellen) – wir senden alle bewusst Signale aus, und ganz genauso unbewusst!

Da wächst der Zusammenhalt auf kleinen Beinen!

Das Treffen in der Mitte – die Neutralität

Ich persönlich würde mir wünschen, mehr Neutralität darin zu bekommen, die Menschen meines Umfeldes richtig wahrzunehmen. Ich würde gerne damit aufhören, Gefühle und Wahrnehmungen hoch zu potenzieren – ob in die eine oder andere Richtung. DAS jemand etwas tut, ist die eine Sache. Entscheidend ist aber eher WARUM tut jemand etwas?

Kennt ihr die Geschichte von Pamela L. Travers, der Autorin des Buches „Mary Poppins“? Diese Frau hat ihr ganzes Leben Birnen verabscheut, und hatte auch sonst noch einige Macken vorzuweisen. Die meisten dieser Macken hat sie wohl durch den Tot ihres Vaters entwickelt, der als Alkoholiker im Bett gestorben ist, während sie für ihren über alles geliebten Vater Birnen holen war.

Ist es denn ok Sonderheiten an sich zu haben? Oder sollte man die auflösen? Auf diese Frage gibt es bestimmt auch keine immer gleiche Antwort!

Die Macken des anderen – oder meine eigenen?

Ich möchte hier niemandem auf die Füße treten, aber habt ihr das nicht schon Mal bei euch selbst beobachtet? Euch nervt tierisch, dass die Kollegin am Nachbartisch immer mit beiden Hände ihre Kaffeetasse umklammert und verloren aus dem Fenster blickt?... Macht ihr das nicht auch selbst?...

Hektisches gestikulieren, den Mundwinkel extra hoch oder runter zu ziehen, an Klamotten rum fummeln, stumm zu einem Beat im Kopf nicken, Zehen wackeln, mit der Zunge an den Zähnen herum spielen, Haarsträhnen im Mund kauen…. Es gibt tausende Gesten, die sind uns selbst gar nicht bewusst. Und selbst wenn uns bewusst wird, was wir da eigentlich gerade tun, können wir es nur schwer abschalten.

Wie ein eingebrannter Mechanismus – aber warum tun wir das?

Der Ausblick von La Gomera an unserem neuen zu Hause. Ihr könnt den Teide gut erkennen.

Der Einstieg ins Absonderliche

So, das oben war jetzt ein Quereinstieg! Wenn man das ganze jetzt mal 10 nimmt sind wir in unserer Gemeinschaft gelandet – HERZLICH WILLKOMMEN :-)

Nein, ganz so war das nicht gemeint, und wenn ich es mir nicht ganz verscherzen will, muss ich hier aufpassen was ich schreibe ;-) Da wir inzwischen mit 28 Mann, Frau und Mäusen zusammen leben, erlebt und erträgt jeder von uns tagtäglich die Macken des anderen – und obendrauf noch seine eigenen!

Wir alle haben inzwischen eingesehen, dass genau die Details, die einen auf die Palme bringen, man selber einfach meistens an sich auch hat – auch wenn man das auf keinen Fall zugeben möchte!

Wenn sich das Innere im Äußeren zeigt

Unsere Simone zum Beispiel ist ein Sockenroller. Wenn sie nervös ist rollt sie beim reden ihre Socken hoch und runter, runter und wieder hoch. Das ist so ein typisches Zeichen, an denen die ganze Familie versteht, ok, unsere Mone ist angespannt.

  • Manfred hat stets 2 Pullover mehr an als der Rest der Mannschaft, bei Kälte ist er eher der empfindliche Typ.
  • Matthias ist sehr korrekt, bei der Arbeit und im Leben. Ein ordentlicher Typ.
  • Margot eigentlich auch – aber genau die beiden krachen gerne mal zusammen. Warum nur? Im Grunde haben beide sogar dieselben Eigenschaften, vielleicht hakt es genau daran?

Zu unterschiedlich ist wahrscheinlich unverträglich – zu gleich vielleicht auch?

  • Ich selbst klammere mich hier nicht aus, ich habe einige Macken vorzuweisen, die mir teilweise sogar bewusst sind - ich aber nicht weiß, wie ich sie ablegen soll oder kann. 

Und obendrauf noch: Will ich sie wirklich ablegen? Ich bin eher der hektische Typ, der Schnellredner, Fingernägelkauer und Fußwipper.

Bis zu einem gewissen Grad glaube ich, dass das sogar in Ordnung ist. Ständige Bewegung scheint ein Teil von mir zu sein. Bewegung ist aber nicht Hektik!

Und genau da fließt das eine ins andere, wo zieht man die Grenzen? Gibt es da überhaupt klar definierte Linien, an denen man sich richten kann?

Irgendwann habe ich das bei mir selbst „Hühnchen-Effekt“ genannt. Dann rennt man rum, hat viel zu tun und weiß im Grunde genommen gar nicht, wo man anfangen soll, und kriegt so auch überhaupt nichts auf die Reihe – Hühnchen-Effekt eben!

Wegesrand erkunden - Kinder sehen noch das, was wir Erwachsenen lange übersehen

Gut, jetzt kenne ich den – hat ja auch lange genug gedauert…. – und arbeite daran. Ich behaupte mal, es ist schon besser geworden. Und genau da ist wieder die nächste Falle im Leben eingebaut! Der Satz „es ist schon besser geworden“ ist ein totales Grauen für uns Selbst. Denn damit beruhigen wir uns und ruhen uns auf unfertigen Taten aus. Wir gehen einfach nicht bis zum Ende – oder besser ausgedrückt: An den Anfang.

Ehrlich sein – mit sich selbst und anderen!

Es geht ja gar nicht darum, dass ich mich künstlich runter schraube, damit den anderen nicht mehr auffällt, dass ich gerade total unter Anspannung stehe. Wem hilft das? Mir nicht! Damit habe ich die Probleme im Inneren gar nicht gelöst, viel mehr müsste ich mal in mich gehen und suchen, warum ich eigentlich so bin. Wie weit bin das wirklich ich? Und wie weit ist das Flatterhafte, sprunghafte Wesen, welches ich repräsentiere, wirklich ein Teil von mir – oder eine angezogene Hülle, die gar nicht zu mir gehört?

Um das heraus zu finden ist ein ehrliches Miteinander ungemein praktisch. Wir als Familie sind auf dem Weg dahin, ich mache euch da keine falschen Versprechungen, wir sind noch nicht angekommen! Es ist nicht leicht, anderen aufzuzeigen wo der Splitter ist, wenn man selbst noch einen Balken vor der Birne hat.

Also tut man eben das, was man für angebracht hält: Den Ball flach halten, obwohl man besser mal richtig was gesagt hätte. Oder jemandem die Meinung geigen, und vergisst dabei worum es eigentlich geht, nämlich den anderen zwar auf etwas hinzuweisen. Aber: Freundschaftlich um ihm zu helfen, nicht um ihn runter zu putzen!

Das passiert nicht andauernd, und ich selbst kann mich nur bedanken, da ich um die Ehrlichkeit in der Gemeinschaft unter uns sehr froh bin, wenn sie gelebt wird. Anna geigt mir regelmäßig die Meinung, Gabi nimmt kein Blatt vor den Mund, Nadine ebenfalls nicht - und wenn ich wirklich zu einem Thema etwas wissen möchte, kann ich fragen, und ich weiß, ich bekomme eine ehrliche Antwort.

Das ist ein schönes Gefühl, denn es hilft mir, mich selbst mehr zu finden. Schönwetter machen hilft nicht, dann tappe ich einfach weiter, und sehe gar nicht, was ich da am Fabrizieren bin.

Der Garten wächst noch vor den Häusern. Vieles im Leben entscheidet der eigene Fokus.

Gibt es auch liebenswerte Macken?

Das ist ein großer Pluspunkt bei uns, auch wenn es mal eng wird oder man genervt ist, weil man keine Ruhe findet usw. Im Grunde hat jeder jeden wirklich gerne, auch mit allen Macken, die man in Kauf nimmt, weil der ganze Rest des Paketes es einfach wert ist!

Übrigens: Macken können auch echt was Lustiges und Schönes an sich haben, wenn sie andere nicht belasten. Zum Beispiel Marios Satz „Ich bin freckt!“. Das ist ein Evergreen unter uns, so oft betet er genau diesen Satz runter.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich mich so gut verstellen kann wie ich will – irgendjemand bei uns merkt trotzdem direkt, wenn ich einen scheiß Tag habe. Dafür kennen wir uns untereinander einfach zu gut, verstecken ist nicht mehr drin. Und wenn ich es dann endlich mal schaffe meinen Schutzpanzer abzulegen - schließlich bin ich hier zu Hause – verzeiht mir meine Gang auch einen scheiß Tag, wenn ich motze und schimpfe und zickig bin. 

So lange ich ehrlich bin, und auch annehme, wenn mir jemand sagt, dass ich scheiße drauf bin!

Auch das ist so ein Punkt unter Menschen, der so filigran ist, dass man ihn nur schwer fassen kann: Es gibt da Unterschiede beim Thema Ehrlichkeit. 

Man kann anderen gegenüber ehrlich sein – aber auch sich selbst. An erster Stelle sollte vielleicht die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber stehen. Ich glaube, dass fällt vielen Menschen sehr schwer. Bringt es denn was, wenn ich mich eine Stunde bei jemandem über meine schrecklichen Kinder auskotze, obwohl ich selbst die fatalen Fehler gar nicht einsehen will, die ich jeden Tag mache?

Es gibt nicht nur einen Weg! Das wäre zu einfach ;=)

Wahrscheinlich hat alles im Leben zwei Seiten. Beide sollten beleuchtet werden. Wie sagt Jürgen immer? Der eine lässt die Kasse aufstehen, der andere greift hinein.

Ich bin der Typ „Kasse aufstehen lassen“. Und ist es jetzt richtig, dass ständig ein anderer aufpassen muss, dass keiner rein greift? Das können meine Freunde mal für mich machen, aber eigentlich ist es mein Ding, das zu lernen und auch durchzuziehen.

Auf einander achten - wird das gelernt oder hat man es einfach?

Da ist wieder das Thema Gemeinschaft: Drauf aufmerksam machen ist ok, ein Stück mitgehen ist ok – aber das für jemanden übernehmen?... Ist vielleicht noch kurz ok, sollte dann aber aufhören. Hilft mir nicht, wenn jemand meine Schwäche glatt bügelt, es gibt Dinge im Leben, da muss man einfach selbst ran! Da können die anderen einen hin schubsen und aufpassen, dass man nicht laufen geht – aber durch muss man alleine.

Intern vernetzt

Eigentlich sind wir inzwischen als Gruppe gut vernetzt untereinander. Wir sind Individuen, die sich an ein Nervensystem gekoppelt haben. Freiwillig. Genau das fällt momentan auf, denn mindestens 3 von uns leben auf der Stahlratte und passen auf unsere alte Dame auf. Natürlich kann man auch mit 25 Mann gut leben – und trotzdem, irgendwas fehlt…

Uns helfen nicht nur die Freundschaften im Leben weiter, auch die Reibungen und Unverstandenheiten können uns weiter helfen. Wir lernen aus ihnen.

Vielleicht ist es auch möglich, dass Menschen, eben weil sie nicht auf derselben Wellenlänge surfen, sich mehr unterstützen können wie absolute Gleichschwimmer?

Auf diesen Nenner bin ich bei Basti (meinem Mann) und mir gekommen, um hier mal aus dem Nähkästchen zu plaudern. Von Anfang an haben wir immer wieder mal Kabbeleien untereinander, und wir sind bis heute sehr gerne verschiedener Meinungen. Nicht immer, aber immer wieder. Immer und nie sind eh so blöde Wörter….

Wo ich zu gefühlsduselig bin ist er vielleicht manchmal zu kühl. Das kann übrigens auch umgekehrt sein! Dann bin ich kalt, und er ist gefühlsduselig (das führe ich jetzt nicht weiter aus, allein dieser Satz trifft einen echten Mann wahrscheinlich schon an der Ehre!).

Ein gemeinsamer Weg – ohne Gleichschritt

Zuviel Rücksicht ist wahrscheinlich auch nicht gut, es lässt einen verweichlichen. So hat er mich durch manche Situation hindurch gehen lassen, an denen ich mir gewünscht hätte, er wäre da gewesen. Im Nachhinein war es vielleicht genau gut so, denn so habe ich gelernt, dass ich Vieles auch alleine hinkriege.

Jetzt sind wir beide bald 40, und hey, wir können immer noch rumblödeln wie Teenies. Unsere Älteste geht dann schon immer laufen, weil sie das total peinlich findet (ist es bestimmt auch!).

Und unsere Liebe ist so groß, dass er mir jetzt schon seit über einem Jahrzehnt neue Schlappen besorgt, wenn ich welche brauche, weil meine aktuellen Löcher in der Sohle haben. Und eben weil er mich so liebt bringt er mir immer dieselbe Farbe mit: Pink.

Meine Wenigkeit mit neuen Schlappen

Von allen Farben die es gibt gehört Pink zu den Farben, die ich am wenigsten ertragen kann… Und jedes Mal wenn ich Schuhe brauche wiederholt sich das Schauspiel aufs Neue, und wenn dann die funkelnden strahlend pinken Latschen vor mir stehen, weiß ich genau, dass ich die jetzt mindestens 1 Jahr zu ertragen habe… Ein Trost ist, dass die Farbe abschwächt, wenn ich sie oft genug draußen anhabe und sie schön eingeerdet sind – ich wasche sie extra nicht wieder sauber!

Anfangs fühlte ich mich (jaaa ich weiß, es ist eine Kleinigkeit, denkt an den Anfang dieses Textes!) unverstanden und war beleidigt: Er weiß genau, ich kann Pink nicht leiden!

Die Sache einfach mal umdrehen

Heute versuche ich das Gute an der Sache zu sehen: Er hilft mir dabei meine Abneigung zu überwinden, und vielleicht auch zu verstehen.

Auch Uli läuft in pinken Socken mit schwarzen Punkten herum (hat Basti ebenfalls gekauft), und ich habe pinke Unterhosen von ihm mitgebracht bekommen. Außerdem hat er sich aus Liebe überwunden für unsere Kleinste Gummistiefel zu kaufen, obwohl er sich ganz komisch in dem Kinder-Geschäft gefühlt hat. Und jetzt ratet mal welche Farbe die Stiefel haben?

Nein, nicht pink! Rosa mit weißen Punkten :)

Jetzt wo ich es so schreibe, vielleicht hat auch er da auch was aufzuarbeiten?... ;-)

Übrigens sagen die meisten in unserer Gruppe, dass mir rosa und pink äußerst gut stehen – nur ich selbst sehe das natürlich total anders!

Das ist eine meiner unzähligen Macken, nur diese lässt sich noch gut von mir und den anderen ertragen ;)

Bis zum nächsten Mal!

Der 28zigste Teil der Spirebos: Eure Kati

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