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Gehen oder bleiben – der Traum vom Meer

Ich habe mir und meiner Familie einen Traum erfüllt. Noch einmal über den Winter länger weg sein, bevor mein Erstgeborener in die Schule kommt. Ich habe viel organisiert, damit es logistisch und finanziell möglich ist und wenn ich dieses Jahr auf eins stolz bin, dann darauf. Unerschütterlich jeden einzelnen Stein bewegen, bis die lohnende Sicht frei wurd.

Ein Monat später:

Danke lieber Gott, dass ich dieses Jahr noch ankommen durfte. Dass mir in einem local Minimarkt die spanische Besitzerin eine rosa Geschenktasche als Beutelersatz gibt und Obst und Nudeln einpackt während ich nach dem Geld krame, ohne dass der Druck ins Unermessliche steigt, so schnell wie möglich fertig zu werden. Dass mein Sohn die Toilette nutzen kann, wenn er sie dringend braucht, ohne, dass ich mit Blicken gestraft werde oder mit Worten, was ich mir erlaube, nee geht nicht, muss ich selbst gucken, wie wir klar kommen, das geht ja wohl gar nicht, was bild ich mir nur ein.

Ich bin mir jeden Tag in der Großstadt darüber bewusst, wie sehr mich der Tonfall trifft und wie mich das an meine Grenzen bringt. Dass meine Ohren auch mit Mitte 30 noch nicht auf Durchzug schalten und bei jedem Idioten zusammen zucken, nicht glauben, was sie da hören, dem Mund signalisieren, sich zu wehren, so geht es doch nicht, kann es so gehen, will so wirklich jemand zusammenleben. Wie oft ich laut wurde vor meinen Kindern, im letzten Jahr, weil sich noch viel öfter jemand so dermaßen daneben benimmt. Man kommt nicht hinterher, mit dem Erklären, was alles unhöflich war.

Wir sind neu in unserem Barrio hier. Eine kleine Wohnsiedlung mit Minimarkt und Bar und Friseur. Seit drei Tagen sagen wir neunzig Mal am Tag Hola. Ich erinnere mich an die Zeit nach meinem Barcelonajahr vor 15 Jahren. Als ich mir vorgenommen hatte, die Besos mit nach Deutschland zu nehmen. Den Unterschied, den sie machen. Wie schnell das weg war. Adios besos, back to Guten Tag.

So ist das mit Vorhaben. Die werden nie was. Nur die, die wirklich so sein sollen. In Deutschland diskutiere ich mit Menschen, die mir blöd kommen, lasse mir ganze Tage versauen und lauf beseelt durch die Stadt, wenn jemand überraschend aufmerksam oder besonders  lieb war, so kostbar, dass es über Wochen reichen muss. In Spanien laufe ich glücklich und beseelt durch die Gegend, ohne mich und andere zu hinterfragen. Würde ich mich nach ner Weile wieder dermaßen deutsch fühlen, wenn wir hier leben würden, das habe ich ja schonmal ausprobiert.

Beides zu kennen, eins zu sein, das andere mehr zu mögen, seinen Weg zu finden, egal an welchem Ort.

Ein halbes Jahr später:

https://www.youtube.com/watch?v=bpa-0ZmFM_E&t=217s

Ein kleiner Traum ist wahr geworden. Unser Leben passt in ein paar Koffer. Hier kommt unsere kleine Geschichte über die große Auswanderung:

That's it for now...

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