Warum es Sportfrauen eigentlich gibt und was wir damit erreichen wollen

Seit Ende Mai bietet Sportfrauen Mitgliedschaften an, um das Team bei seiner Arbeit zu unterstützen. Warum sollte ich dafür Geld geben, fragen sich bestimmt einige. Um deutschen Sportlerinnen die Aufmerksamkeit zu bieten, die sie verdient haben, sagen wir.

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, wer euch sportlich inspiriert oder inspiriert hat? Ich habe in den vergangenen Tagen viel darüber nachgedacht. Schließlich bieten wir auf dem Portal Steady nun an, dass ihr Mitgliedschaften bei Sportfrauen abschließen könnt und dafür Sticker und einen Brief von uns bekommt. Einen Brief, in dem wir euch über unsere sportlichen Vorbilder erzählen und wer uns zu einer Sportfrau gemacht hat. Ich dachte, das wäre einfach. Doch je länger ich darüber nachdenke, umso weniger fällt mir jemand ein, der mich in meiner Kindheit oder Jugend begleitet hat. Zumindest niemand weibliches.

Ich erinnere mich vor allem an männliche Fußballspieler, die ich toll fand. In meiner Teenager-Zeit wahrscheinlich mehr aufgrund ihres Aussehens als wegen ihrer Ballfertigkeit. Ansonsten habe ich einfach gerne Leichtathletik gemacht, ohne ein Vorbild zu haben. Athleten wie Justin Gatlin oder Dwight Philips habe ich zwar bewundert, mich aber nicht genügend mit ihnen identifiziert, um ihnen diese wichtige Rolle zukommen zu lassen. Jetzt, da ich mich in den vergangenen Jahren mehr mit deutschen Sportlerinnen beschäftigt habe, fallen mir viele Namen ein, die mich durch meine sportliche Jugend durchaus hätten begleiten können. Namen wie Gina Lückenkemper, Tatjana Pinto oder Malaika Mihambo. Wo wart ihr nur vor 15 Jahren?

Auch wenn sie damals anders hießen, waren sie da. Nur eben nicht in den sozialen Medien, auf dem Bildschirm meines kleinen Röhrenfernsehers und erst recht nicht auf den Titelblättern von Zeitungen und Magazinen. Mein 15-jähriges Ich kannte sie nicht. Klar, Erfolge wie die von Heike Drechsler oder Grit Breuer habe ich mitbekommen. Nur als Vorbild brannten sich die Damen mir nicht ins Gedächtnis. So geht es nicht nur mir. 

Noch heute sagen Umfragen, dass Jungs häufiger Sportler als individuelle Vorbilder haben als Mädchen.

Heute weiß ich, dass Medien dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Über wen sie berichten und wie, entscheidet oft darüber, wen wir gut finden oder wen wir überhaupt kennen. Und sieht man sich hier die Zahlen an, wundert es nicht, dass Mädchen kaum Sportlerinnen zum Vorbild haben. Eine Medienanalyse im Jahr 1979 ergab, dass auf 90 Prozent der gesamten Fläche im Sportteil großer deutscher Zeitungen über männliche Athleten geschrieben wird. Mehr als 20 Jahre später liegt der Anteil noch immer bei 88 Prozent.

Mit Sportfrauen wollen wir das ändern. Wir wollen zeigen, welche Leistungen die deutschen Sportlerinnen erbringen, wie es ihnen auf dem Weg dorthin geht und wie sich die deutschen Spitzensportlerinnen entwickeln. Als kleines Team von ehrenamtlichen Schreiberinnen können wir dabei natürlich nicht alles abdecken, nicht über jede Sportlerin gleich oft und gleich ausführlich berichten. Aber wir können es versuchen. Und die Zahlen unserer LeserInnen steigen, was uns zeigt: Das Interesse ist da.

Kampagnen auf Facebook und Instagram, Sticker und Visitenkarten, Fahrten zu Vor-Ort-Interviews können uns helfen, unsere Arbeit bekannter zu machen. Doch all das kostet Geld. Und wie uns einige LeserInnen schon mehrmals versichert haben: Sie würden sich freuen, uns bei Sportfrauen zu unterstützen. Mit kleinen Abos ab 2,50 Euro im Monat habt ihr nun die Möglichkeit dazu. Seid ihr dabei? Mit eurer Hilfe geben wir deutschen Spitzensportlerinnen eine lautere Stimme – und anderen jungen Mädchen die Chance, durchaus Sportlerinnen als Vorbilder zu haben.

Comments are available for members only. Join the conversation …