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Provozier mich nicht!

Lässt du dich leicht provozieren? Falls ja, wer schafft das besonders gut? Bei welchen Themen lässt du dich provozieren, was reibt dich besonders auf oder löst unangenehme Gefühle in dir aus?

Eine hilfreiche Frage, die man sich stellen kann, wenn man sich durch irgendjemanden oder irgendetwas provoziert fühlt, ist "Was genau hat das Gefühlte mit mir und meinen eigenen Themen zutun? Gibt es da vielleicht blinde Flecken, von denen ich nichts weiß?" In der Tat finde ich, dass eine solche Situation eine sehr gute Anregung und Einladung für Selbstreflexion bietet. Eine Möglichkeit, sich selbst besser kennen zu lernen.

Das Wort Provokation leitet sich aus dem lateinischen Wort provocare ab, das übersetzt hervorrufen bzw. hervorholen bedeutet. Das bringt ziemlich gut auf den Punkt was im Inneren geschieht, wenn man sich provoziert fühlt: der Reiz (das Gesagte, Betrachtete, Gehörte) ist nicht die Ursache, sondern vielmehr der Auslöser für unsere Emotion - sie holt etwas in uns hervor, was womöglich bisher noch keine Betrachtung gefunden hat, sich im Unbewussten befindet oder für den wir Abneigung empfinden. 

Und dann kommt der spannende Teil: wenn wir erkennen, dass wir uns provoziert fühlen und beginnen zu ergründen welcher Anteil in uns in diesem Moment wachgerufen wurde, können wir uns genau diesen Anteil nehmen und ihn genau sezieren, uns mit ihm vertraut machen. Und dadurch auch dafür sorgen, dass er ausreichend Raum findet und die für diesen Anteil bestehende Provokationsgefahr sich reduziert.

Wenn du dich also das nächste Mal provoziert fühlst, lohnt es sich vielleicht zunächst nach innen zu schauen, dem Impuls eines Gegenangriffs zu widerstehen und zu beobachten was geschieht.

Wichtig: jegliche Formen von Diskriminierungen eines Menschen aufgrund von ethnischer Herkunft, psychischer und körperlicher Beeinträchtigungen, Geschlechtsidentität, sexueller Identität, Religion/Weltanschauung fallen nicht in die hier beschriebene Kategorie von Provokation. In diesen Fällen liegt die Verantwortung der Selbstreflexion und die Pflicht des Neu- und Umdenkens bei der Person, die sich diskriminierend verhält.