Zum Hauptinhalt springen

072 Warum Themen statt Kirchtürme? (Summer School | Teil 2)

Kirche fällt es offenbar schwer, mit den Herausforderungen der Digitalisierung umzugehen. Ein Problem daran ist, dass sie auf Kirchtürme anstatt auf Themen setzt. Wer aber in den sozialen Medien erfolgreich sein will, sollte nicht einen Ort digitalisieren, sondern Themen spielen. Teil 2 der Windhauch Summer School 2022.

Herausforderungen der Digitalisierung

  • Die Digitalisierung als gesellschaftliches Phänomen hat unter anderem dafür gesorgt, dass die räumliche Distanz ausgehoben und so Themen vor Orte gestellt werden.
  • Diese territoriale Entschränkung ist eine wichtige Grundlage der Informationsfreiheit.
  • In einer Welt, in der theoretisch alles verfügbar erscheint, haben Orte auch Luxus-Charakter (z.B. Kinos).
  • Bis in die 1990er Jahre hat Kirche gut funktioniert, indem sie alles um den Kirchturm herum versammelt hat: Kindergarten, Bücherei, Familienkirche, usw.
  • Heute sammeln und vernetzen sich Menschen aber unabhängig von Orten (Netzwerk schlägt Hierarchie), da es eben keine territoriale Einschränkung mehr gibt.
  • Dass Themen relevanter geworden sind als Orte ist auch daran beobachtbar, dass Menschen sich um Themen sammeln und nicht mehr nur ausschließlich an Orten.
  • Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der Feed von TikTok: Nutzer:innen müssen hier nicht mehr selbst aktiv werden und Kanäle (= Orte) abonnieren. Es geht also nicht mehr darum, bestimme Orte zu finden und diesen zu folgen, denn alleine die Interaktion mit dem Content ist entscheidend für den Algorithmus, der daraus Themenprofile erstellt.

Aufgaben von Kirche im digitalen Wandel

  • Kirche geht es noch zu selten darum, Themen zu setzen.
  • Im Vordergrund stehen häufig Fragen wie: Was ist für die evangelischen Christ:innen im Rheinland interessant? Oder: Wie bekommen wir unsere Gemeinde online? So werden aber weiterhin Kirchtürme gebaut, also territoriale Grenzen digital hochgezogen.
  • Hier braucht es dringend einen Perspektivwechsel. Denn nicht der Ort ist relevant; eigentlich sollten es die Themen sein.
  • In den Social Media sammeln sich Menschen unter Hashtags  (z.B. #digitalekirche #glaubeteilen #bibelteilen #wasvikarinnensomachen #waspastoralreferentinnensomachen) oder bei den Creator:innen und kommen so in Austausch miteinander.
  • Über die Themen können also neue Orte entstehen. So finden und verbünden sich Menschen auf der Suche nach Spiritualität mit anderen Menschen auf der Suche nach Spiritualität zu neuen Netzwerken.
  • Kirche sollte nicht in den Reflex verfallen, diese Entwicklung zu reinstitutionalisieren und eigene Internetpfarrstellen einzurichten.
  • Zwar sind Stellenanteile für Digitales lukrativ, aber Menschen im Internet wollen keine Pfarrpersonen um einer Pfarrperson willen. Denn eine analoge Pfarrstelle online zu haben ist kein Thema. Das Thema könnte dann sein „Seelsorge im Internet“ oder „Andacht feiern“.
  • Fundamentalist:innen stellen Themen radikal nach vorne und sind damit oftmals erfolgreich, z. B. mit dem Thema „Kein Sex vor der Ehe“.
  • Orte sollten also nicht am Anfang stehen, sondern Themen. Orte entstehen, wenn sich Menschen um Themen versammeln.
Nur Mitglieder, die Zugang zu diesem Post haben, können Kommentare lesen und schreiben.