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Wie steht es um Inklusion in Kirche? mit Julia Schönbeck (@lauterleise)

Diese Woche spreche ich mit Julia Schönbeck. Julia setzt sich auf Twitter und Instagram unter anderem für eine inklusive Kirche ein. Für Julia ist da definitiv noch sehr viel Luft nach oben. Mit ihr spreche ich darüber, was Inklusion in Kirche überhaupt meint. Allzu oft konstruieren wir nämlich in Kirche ein hilfsbedürftiges Gegenüber. Dem widerspricht Julia und betont, dass Teilhabe ein Menschenrecht ist.

Solange die Zugänge nicht da sind, sind natürlich auch keine Menschen da, für die das eine Barriere ist.

Es erscheint Paradox, dass die christliche Nächstenliebe ein hilfsbedürftiges Gegenüber benötigt. Aus dieser Vorstellung heraus ist es auch Julia schon passiert, dass fremde Personen ihr versichert haben, dass sie für sie beten würden. Dabei wäre es entscheidend für eine inklusive Kirche, Menschen mit Behinderung zuzuhören, Barrieren konsequent abzubauen und in kleinen Schritten zu zeigen, dass man Teilhabe ermöglichen will.

Es ist glaube ich eine große Gefahr, zwischen Hilfsbedürftigen und denen, die helfen,  zu unterscheiden und dann zu meinen, wir wüssten, was andere brauchen und müssen die gar nicht mehr fragen.

Linksammlung:

Zusammenfassung

Was ist Inklusion?

  • Im engeren Sinne wird unter Inklusion die Teilhabe von Menschen mit Behinderung verstanden.
  • In einer weiten Definition meint der Begriff Inklusion, dass alle teilhaben sollen.
  • Eine weite Auffassung von Inklusion hat ihre Vorteile, jedoch wird Behinderung oftmals noch nicht stark genug mitgedacht.
  • Viele Menschen haben bspw. noch nie von Ableismus gehört (von engl. “to be able”). Das ist die Bezeichnung dafür, dass Menschen anhand ihrer Fähigkeiten beurteilt werden.
  • Bei Inklusion geht es auch um Teilhabe durch den Abbau von Barrieren. Oft werden diese nicht gesehen, weil auch keine Zugänge für Menschen geschaffen werden, für die das eine Barriere sein könnte. So wird Barrierefreiheit bspw. auf der dritten Etage ohne Aufzug nicht mitgedacht, weil sich dort kein Rollstuhlfahrer aufhält.
  • Inklusion wird häufig mit Mehraufwand verbunden. Dabei ist Barrierefreiheit vielfältig und meint nicht immer Rollstuhlfahrende.
  • Ein einfacher Schritt für mehr Teilhabe sind bspw. Bildbeschreibungen in den sozialen Medien - und trotzdem wird dieser Mehraufwand noch zu selten betrieben.
  • Aus diesem Grund braucht es mehr Aufmerksamkeit für das Thema und Aufklärungsarbeit.
  • Menschen mit Behinderung wollen volle Teilhabe und haben auch ein Recht darauf. Teilhabe ist ein Menschenrecht.

Inklusion und Kirche - das Barmherzigkeitsparadoxon

  • Das christliche Selbstverständnis ist in der Entstehungsgeschichte eng verbunden mit dem Auftrag, sich um die Armen und Gebrechlichen zu kümmern.
  • Wenn Nächstenliebe jemanden zum Kümmern braucht, ist es fast schon Paradox, dass die Abschaffung von Leid die Nächstenliebe überflüssig machen würde.
  • Deutlich wird diese Schattenseite der Nächstenliebe bei den neusten Untersuchungen zum Wirken von Mutter Theresa.
  • Hier sind wir immer bei einem konstruierten Gegenüber, welches - mit dem entsprechenden hierarchischen Gefälle - hilfsbedürftig bleibt.
  • In Kirche kommt Behinderung meist als Gegenüber vor. Die biblischen Heilungsgeschichten werden so verstanden als Gelegenheiten, in denen Nächstenliebe geübt wird.
  • Dieses Heilungsnarrativ ist - genauso wie die Vorstellung vom Reich Gottes als Ort, an dem alle von Leid und Einschränkungen befreit sind - durchaus problematisch.
  • Auch in kirchlichen Kreisen wird deswegen der Wert von Menschen anhand ihrer Fähigkeiten bemessen.
  • Dabei ist eine Behinderung weder mit Leid und Krankheit gleichzusetzen noch brauchen Menschen mit Behinderung eine besondere Zuwendung im Gebet.
  • Heilungsgeschichten können bspw. auch als Selbstbemächtigung gelesen werden: “Was willst du, das ich dir tue?” (Markus 10,46-52).

Wie sähe eine inklusive Kirche aus?

  • Wie so oft, fehlt es auch bei Inklusion an einer geeigneten Sprache. Viele Wörter werden als Beleidigung benutzt, bspw. behindert, dumm oder blind für etwas sein. Behinderung wird so noch oft als etwas Negatives wahrgenommen.
  • Menschen mit Behinderung eignen sich aber auch wieder Wörter an.
  • Im Alltag vieler Menschen kommt Behinderung nicht vor, weil Menschen mit Behinderung separiert wurden (z.B. Behindertenwerkstätten). Es sollte wieder Austausch miteinander stattfinden und wir sollten die Haltung annehmen, etwas vom Gegenüber zu lernen.
  • Kirche nimmt Menschen mit Behinderung größtenteils schon als Teilnehmende war, aber noch sehr wenig als aktiv Mitgestaltende.
  • Barrierefreiheit stellt immer eine Annäherung dar und kann nie vollständig umgesetzt werden. Trotzdem wäre es gut, wenn Barrierefreiheit mitgedacht werden würde.
  • Es ist lohnenswert, Menschen mit Behinderung zuzuhören und bspw. mit Hilfe der sozialen Medien wahrzunehmen, welche Barrieren es überhaupt gibt.
  • So kann man sich der Thematik auch im Alltag immer wieder bewusst werden und an Kleinigkeiten wie bspw. die Bildbeschreibung denken.
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