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Kirche zwischen Overthinking und Polarisierung? mit Lilith Becker (yeet)

Endlich darf ich wieder eine Stammgästin begrüßen: Mit Lilith Becker vom evangelischen Contentnetzwerk YEET tausche ich mich über die Arbeit der Netzwerke aus und wir diskutieren über Kirche im digitalen Wandel. Die zahlreichen Content-Creator:innen zeigen, dass sich Glaubenskommunikation im digitalen Raum lohnt, und stellen für ihre Follower:innen einen echten Mehrwert dar. Die Netzwerke wussten das schon immer, aber mittlerweile konnten dies auch Studien nachweisen.

Halt und Orientierung bieten wir auch an, aus einer christlichen Perspektive heraus. Aber es ist eben ein Angebot - und kein Befehl.

Kirche steht vor der Herausforderung, dass komplexe Themen für die Algorithmen von Social-Media-Plattformen eigentlich stark vereinfacht werden müssen. Es sollte in der Glaubenskommunikation aber nicht darum gehen, die Spielregeln blind zu befolgen und einfach nur auf billige Polemik zu setzen. Um im Zeitalter des digitalen Wandels relevant zu bleiben, muss Kirche vereinfachen ohne zu polarisieren.

Professionalisieren bedeutet, dass Du dazulernen musst. Du kannst es nicht so machen, wie Du es vorher die ganze Zeit gemacht hast.

Linksammlung:

Zusammenfassung

Wie ist der Stand in den Netzwerken?

  • Von Beginn an definiert sich YEET mit der folgenden Selbstaussage: Wir unterstützen Menschen, die in social media über ihren christlichen Glauben, ihre Werte und ihren Alltag erzählen.
  • Im Vergleich dazu hat sich ruach.jetzt folgender Aufgabe verschrieben: Wir unterstützen Creatorinnen, damit Menschen eine Chance haben, ihren Glauben und ihre Spiritualität als Ressource für sich zu entdecken.*
  • Für ruach.jetzt ist wichtig, dass das Konstrukt aufgelöst wird, Kirche alleine wisse, was Glauben ist, und Menschen zugebilligt wird, eine eigene Spiritualität entwickeln zu können.
  • Die Beziehung zum Transzendenten wird von Kirche bewertet, also reden Menschen in der Folge nicht mehr öffentlich darüber und es stellt sich die große Frage, wie wir es schaffen, dass Menschen wieder mit uns über ihren Glauben ins Gespräch kommen.
  • Dafür setzt die ruach.jetzt GmbH neben der Arbeit auf den sozialen Medien auf das Content-Netzwerk und den Verlag mit den Store.
  • YEET setzt hingegen stärker auf Social Media, weil jüngere Generationen nach individuellem Glauben suchen und Kirche noch zu häufig einen unmündigen Glauben vermittelt.
  • Auf den Plattformen wie bspw. Instagram zeigen Influencer*innen, woran sie glauben, und schaffen dabei ein Angebot für Austausch und Diskussion.
  • Studien zeigen, das zwei Drittel der Followerinnen sich durch Influencerinnen auf ihrem spirituellem Weg begleitet fühlen.

Wie bleibt Kirche im digitalen Wandel eine relevante Stimme?

  • Das Bedürfnis nach einer Antwort auf die Frage, was über dieser Welt steht, nicht weg, auch wenn die Zahl der Hochverbundenen abnimmt. Vielmehr fehlen Andock-Stationen.
  • Um wieder andocken zu können, müssen Hürden abgebaut werden, um Unsicherheit im Glaubensbereich in Freiheit verwandeln zu können.
  • Auch wenn der Mehrwert der Arbeit auf den digitalen Plattformen mittlerweile auch durch Studien nachgewiesen wurde, dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen auf der Suche nach Halt und Orientierung sind.
  • Es scheint einen Wandel auf den Plattformen zu geben (siehe Summer School 2022 | Teil 3) und die große Herausforderung ist es, dass die komplexen Themen des Glaubens vereinfacht, aber dabei nicht unterkomplex werden.
  • Da man sich dem Algorithmus nicht vollends unterwerfen und bspw. den einfachen Weg der Polarisierung gehen will, ist aktuell die größte Aufgabe, die Vereinfachung von Themen so zu gestalten, dass sie einen Mehrwert darstellen.
  • Hierzu ist es entscheidend, sich immer weiter zu Professionalisieren und u.a. die sog. Pioniere auf diesem Gebiet zu unterstützen, ihre Themen weiterzuentwickeln.
  • Die Spannung liegt bei der digitalen Glaubenskommunikation zwischen den beiden Polen ‘Overthinking’ und Polemik. Wie immer gibt es keine perfekten Lösungen.
  • Schließlich sollte Kirche nicht immer nur Problemanalyse betreiben, sondern konstruktiv Best-Practise-Beispiele in den Blick nehmen.
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