Klirrende Kälte

Die Kälte schlug mir mit einer Macht entgegen, die mir für einen kurzen Moment den Atem nahm. Ich zog leise die Tür hinter mir ins Schloss und setzte einen Fuß in den Schnee. Der Schnee knirschte laut unter meinen Schuhen, während ich mich vom Haus entfernte. Ich versuchte leise zu gehen, leiser aufzutreten, doch es gelang mir nicht. Die Kälte kroch unter meine Jacke, meinen Pullover, bahnte sich einen Weg durch meine Schuhe, meine Handschuhe. Sie war nicht aufzuhalten. Erwischte meine Finger, meine Zehen und breitete sich nach nur wenigen Schritten in meinem ganzen Körper aus. Begann sich einzunisten, es sich gemütlich zu machen. Die Kälte hing nicht nur an mir, sie hing auch an den Bäumen und Pflanzen ringsum. Die Äste der Weide hingen fast bis zum Boden, jeder einzelne Ast war umgeben von einer dicken Eisschicht. Eingehüllt, geschützt. Ein paar Schritte weiter der Zaun, nein zwei Zäune? Ich blinzelte einmal, sah nochmal hin. Auch der Zaun war vereist gewesen, doch nun stand die Eishülle einige Zentimeter entfernt. Als ich das Tor öffnete, fiel das Eis fast lautlos in sich zusammen. Ein sanftes Klirren lag in der Luft. Ich trat auf die vereiste Straße und stapfte weiter, stets darauf bedacht, keinen Wirbel zu schlagen. Die Straße glich einer Eisfläche, ich versuchte, das Gleichgewicht zu halten, nicht zu fallen. Versuchte gleichzeitig, meine Finger und Zehen in Bewegung zu halten, nicht müde zu werden. Ich spürte das Gewicht der Tasche auf meiner Schulter. Das Gefühl besser umzukehren. Gleichzeitig das Verlangen, vorwärtszugehen, weiterzugehen, nicht aufzugeben.

Und als die ersten Sonnenstrahlen auf das Eis fielen, als der Wind die vereisten Äste zum klirrend brachte, als die Welt funkelte und strahlte, wusste ich wieder, wieso ich hier war.

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