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Buch «Fuchs & ich»

Eines schönen Tages bemerkt die Nationalpark-Rangerin Catherine Raven einen Fuchs auf dem Grundstück ihrer kleinen, isolierten Hütte in den weiten Hochebenen Montanas. Er kehrt täglich zurück, und aus einer Laune heraus beginnt die einsiedlerische Biologin bald darauf, ihm vorzulesen. Es entspinnt sich eine zarte Freundschaft: Über alle wissenschaftliche Gepflogenheit hinweg, einem Wildtier keine menschlichen Motive oder Gefühle anzudichten.

Die Beratung der Frage, in wie weit die Kommunikation zwischen Fuchs und Frau möglich sei oder dem wilden Tier eine eigene Persönlichkeit zugesprochen werden darf, macht gewiss nicht den kleinsten Teil des wunderbar amüsanten Berichtes von Catherine Raven aus. Doch er spannt sich dann thematisch noch viel weiter, hinaus in die spannende Tier- und Pflanzenwelt des wilden Montana und hinein in die verschlungene Beziehung von Mensch und Nichtmensch. In feinsinnigen Schilderungen verführt uns die wagemutige Autorin zu unentwegten Perspektivwechseln unserer Betrachtungen von Natur und der sich dort entfaltenden Ereignisse; am lebendigen Beispiel ebenso wie an ihrer kulturellen und literarischen Aufarbeitung. So unbeschwert sie das gestaltet, zeigt sie sich dabei nie leichtfertig. Es geht ihr nicht darum, ihrem Fuchs, den marodierenden Wühlmäusen in ihrem Garten oder den vogelfreien Rebhühnern unsere menschliche Weltdeutung überzustülpen, sondern sie uns in ihrem eigenen Wesen kenntlich und einzigartig zu machen.

Während sich viele Grössen des Nature Writing vornehmlich um literarische Ernsthaftigkeit bemühen, lässt es Catherine Raven anders angehen. Ihrem eigentümlichen Humor legt sie keine Zügel an, und nicht selten scheint es, als würden ihr die Gedanken quer durcheinander gehen. Doch wie von Zauberhand leitet dann eine Erkenntnis zur nächsten, und die kuriose Anekdote, die vor ein paar Seiten noch frei im Wind wehte, findet plötzlich informativen Halt. Das könnte uns, mit nur ein wenig Disziplinlosigkeit ihrerseits, zur Frustrationsquelle geraten. Stattdessen gedeiht es zur besten Unterhaltung. Ganz ähnlich darf man ihr zwar unterstellen, mit dem eigenen Aussenseitertum verschiedentlich zu kokettieren. Doch statt zur Eitelkeit wächst auch das nur zur freimütigen Selbstreflektion heran – in der man ihr dann auch gerne folgt.

Das Unternehmen, uns menschliche Akteure verträglicher in unserer lebendigen Umwelt zu positionieren, fordert auch ein neues Selbstverständnis. In das Ringen darum tritt Catherine Raven mit einer überraschenden und völlig eigenständigen Stimme: Einer, die auch dort das Ziel findet, wo man sich einfach nur gern an einer fröhlichen, lehrreichen Tiergeschichte erfreut. An Substanz und Botschaft fehlt es ihr darüber kein Stück.

Rezension: Sacha Rufer

Autor Catherine Raven 

Verlag S. Fischer 

Umfang 411 Seiten 

ISBN 978-3-10-397096-8 

Preis Fr. 31.90 (UVP)

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