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Buch «Was steckt in unserer Kleidung?»

Bei Nahrungsmitteln ist es schon gang und gäbe, dass man sich darüber Gedanken macht, wie sie angebaut werden, woher sie kommen und wie sie verpackt sind. Die Kleidung hinterfragt man noch kaum in dieser Weise: Woraus sind die Stoffe, womit werden sie gefärbt und wie und wo werden sie verarbeitet?  Rebecca Burgess, gelernte Weberin und Naturfärberin, zudem Vorsitzende des “Carbon Cycle Institute“ in Kalifornien, zeigt schonungslos auf, was wir unbedacht auf unserer Haut tragen und was in der Textilindustrie alles schiefläuft. Aber es geht auch anders.   Die Einleitung stimmt ins Thema ein. Es ist ein persönliches Statement der Autorin und gibt einen Einblick, wie sie zu ihrem Engagement für umweltverträgliche Kleidung kam. Sie erklärt auch den wichtigen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Kleidung. Ihr grosses Anliegen: Transformationen des Textilsystems, das alles umfasst – von der Faserproduktion bis zur Konsumation.   Im ersten Kapitel schildert Burgess, wie üblicherweise Kleidung hergestellt wird. Heute ist sie zum Wegwerfartikel geworden. Überwiegend werden synthetische Fasern verwendet, die sowohl bei der Herstellung als auch als Abfall die Umwelt schwer belasten. Gefärbt wird mit chemischen Farbstoffen vielfach aus fossilen Kohlenstoffquellen, die für die Gesundheit bedenklich sind und die Gewässer verschmutzen. Nicht zu vergessen sind die häufig menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den zentralisierten Textilmanufakturen wie beispielsweise in Indien. Doch es gibt Auswege aus dieser Misere! Das zweite Kapitel handelt davon. Insbesondere über die Fibershed-Bewegung, die Rebecca Burgess ins Leben gerufen hat. Hauptziel ist, die Herstellung von Textilien zurück in die Regionen zu holen; mit der Nutzung von bioregionalen Möglichkeiten der Gewinnung von Fasern bis zur Verarbeitung zu Kleidungsstücken. Dies bedingt auch eine enge Beziehung zwischen allen Beteiligten.   Eine nachhaltige und solidarische Landwirtschaft gehört selbstverständlich dazu. Gesunde Fasern – sei es von Tieren oder Pflanzen – können nur auf gesunden Böden entstehen. Das dritte Kapitel stellt in diesem Zusammenhang den Soil-to-Soil-Zyklus vor. Die Herstellung von kompostierbarer Kleidung schliesst den Kreis. Der Boden ist Burgess ohnehin ein wichtiges Anliegen. Die vorherrschende Bewirtschaftung setzt immer wieder CO2 frei. Die Autorin stellt Anbaumethoden vor, die den Kohlenstoff-Pool im Boden vergrössern und die Wasserspeicherfähigkeit verbessern. Kapitel vier widmet sich der synthetischen Biologie, eine Kombination aus Ingenieur- und Biowissenschaft. Im Vordergrund steht die Manipulation der DNA, um funktionale Stoffe für Kleidung herzustellen. Da ist die Verbindung zu gentechnisch veränderten Organismen – kurz GVO – schnell klar. Die ganze Problematik wird kurz aufgezeigt, insbesondere auch die Macht und Machenschaften dieses Industriezweiges sowie die Schönfärberei der Verantwortlichen.   Die letzten drei Kapitel wenden sich der Umsetzung der Vision eines nachhaltigen und fairen Textilkreislaufes zu. Zum einen werden die pflanzenbasierten Fasern wie Baumwolle, Flachs, Hanf und weitere vorgestellt, zum anderen die Gewinnung von Tierfasern von Schafen, Alpakas, Ziegen und mehr. Grosse Bedeutung kommt auch den Manufakturen zu. Das Fibershed-Modell bietet dazu ein Partner*innenprogramm an, um die gegenseitige Unterstützung bei Planung und Umsetzung anzubieten. Inzwischen gibt es Bewegungen an verschiedenen Orten weltweit. Auch im deutschsprachigen Europa gibt es seit Winter 2021 das Fibershed DACH, das Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst.   Rebecca Burgess steckt den Rahmen in ihrem Buch weit. Dies ist angemessen, um die Zusammenhänge besser verstehen zu können. So ist es nicht nur ein Buch über Kleidung, sondern auch über nachhaltige Landwirtschaft und nicht zuletzt ebenso ein Beitrag zur Klimadiskussion.

Rezension: Christina Imobersteg

Autor Rebecca Burgess / Courtney White 

Verlag Löwenzahn 

Umfang 351 Seiten 

ISBN 978-3-7066-2961-4 

Preis Fr. 33.20 (UVP)

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