Was ist eigentlich eine Autobiografie?

Das autobiografische Schreiben, heißt es in Frédéric Beigbeders Roman Der romantische Egoist, „ist kein Vergnügungsausflug, es sei denn, man steht auf Sadomasochismus. Es ist Kunst am Körper: jeder Satz ein Piercing, jeder Absatz noch ein Tattoo auf der Schulter“. Beigbeders Alter Ego Oscar Dufresne zufolge ist eine Autobiografie „gefährlich und narzisstisch, schmerzhaft für die Menschen, die einem nahestehen, obszön und größenwahnsinnig“. Wer aber nicht den Mut habe, zu verschwinden, müsse sich „exponieren bis zum Explodieren“.

Biografie-Boom

Kein anderes literarisches Genre konnte in den vergangenen Jahren solche Zuwachsraten vorweisen wie das des biografischen Schreibens. Etwa 10.000 Biografien werden jährlich verfasst, weshalb der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder in seinem Tagebuch-Roman Der romantische Egoist von einer Epidemie der schamlosen Beichtenspricht. Das Angebot reicht dabei von der Hollywood-Starbiografie über Fan- und Ad-hoc-Biografien, die oftmals Teil einer Produktpalette sind, bis zur privaten Aufzeichnung der eigenen Erinnerungen.

Die wenigsten Biografien gelangen auch in den Buchhandel, sondern werden für den Freundes- und Familienkreis produziert und in kleinen Auflagen gedruckt. Manch einer will sich seinen Kindern und Enkelkindern erklären und ihnen ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben. Andere sehen sich in einem falschen Licht und möchten das Bild, das man von ihnen hat, revidieren. Wiederum andere meinen, dass sie bestimmte Entscheidungen, die sie in ihrem Leben getroffen haben und die auf Unverständnis oder Ablehnung gestoßen sind, noch einmal rechtfertigen müssten. Und für viele kommt die Erinnerung gerade im Alter zurück, wenn der Job einen nicht mehr ablenkt, die Kinder aus dem Haus sind und man endlich Zeit hat, über sein Leben nachzudenken.

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