Erfahrungen aus erster Hand

Wer die Brauchbarkeit einer Erfahrung testen will, dem empfiehlt der Rhetorik-Professor Gert Ueding, sie „in der distanzierenden Form der Er-Erzählung aus auktorialer Perspektive“ zu erzählen und anschließend in die Ich-Form zu transponieren. Die Erzählung in der dritten Person verschafft dem Autor eine Distanz, die er mitunter benötigt, um herauszufinden, ob seine Geschichte für einen bestimmten Zusammenhang sachlich bedeutend und für eine größere Anzahl von Lesern interessant ist — oder ob sie nur dem Zweck dient, sich selbst damit zu schmücken und ins Licht zu setzen. Von einem Autobiografen erwartet man schließlich keine eitle Selbstbespiegelung, sondern dass er für die Wahrheit der Erzählung einsteht, sozusagen ihr Augenzeuge ist, und wirklich etwas mitzuteilen hat. Und zwar „aus erster Hand“, und nicht vom Hörensagen.

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