Subjektive Geschichtsschreibung

Die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Ruth Klüger hat die Autobiografie einmal als „subjektivste Form der Geschichtsschreibung“ bezeichnet und dies damit begründet, dass sie in der Regel Gefühle und Gedanken enthalte, die nicht nachgeprüft werden könnten. Deshalb würde sie auch oft mit dem Roman verwechselt.

Was sich auf den ersten Blick als Kritik liest, kann aber auch ganz anders — und trotzdem im Sinne von Ruth Klüger — interpretiert werden: als Definition eines Genres, das sich von staubtrockener Geschichtsschreibung dadurch unterscheidet, dass hier ein Ich-Erzähler tatsächlich Erlebtes und historische Ereignisse lebendig miteinander verbindet, und das in einer Art und Weise, die sich so spannend liest wie ein Roman. Gleichwohl geschieht das nach bestem Wissen und Gewissen und sollte, wenn möglich, mit Hilfe von Fakten untermauert werden.

Die hier zitierten oder erwähnten und im Literaturverzeichnis aufgeführten (Auto-) Biografien unterscheiden sich zum Teil sehr voneinander, sowohl inhaltlich als auch formal. Aus gutem Grund: sie sollen die Vielfältigkeit der Formen und das Spektrum der Geschichten verdeutlichen, Ihnen aber auch als Anreiz dienen. Denn eine Autobiografie mag zwar die subjektivste Form der Geschichtsschreibung sein, sie ist aber auch diejenige, die uns am meisten berührt und fesselt.

Scheuen Sie sich nicht, bei namhaften Autoren abzugucken, wie oder womit die ihre Autobiografie beginnen. Lassen Sie sich von Profis inspirieren, wenn Sie jemandem ein Denkmal oder sich selbst ins rechte Licht setzen wollen. Lernen Sie von den Besten, wie man sein Leben in Worte kleidet. Und lassen Sie sich vor allem nicht irritieren oder davon abhalten, Ihren Teil zu einer offiziellen oder offiziösen Version beizutragen.

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