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Fehler sind doof. Oder? (The Happy Weekly 46)

Vor einigen Wochen ist mir im Newsletter ein Fehler passiert. In der Überschrift! Peinlich. Was ich daraus gelernt habe und für mich mitnehme - darum soll es heute im Newsletter gehen. Denn Fehler begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Dich übrigens auch! 

Den Fehler, an den ich mich am besten erinnere, ist übrigens dieser: Ich habe ziemlich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn ein Kundenmagazin begleitet. Texte erstellt, Dienstleister koordiniert, Grafik abgestimmt, den Druckprozess organisiert. Eines Abends rief mich der Drucker nach Abgabe des finalen Dokumentes relativ spät an und fragte - in tiefstem Kölsch -, "ob er dat wirklisch so in dän Druck jäbben soll?" Na klar, wieso nicht? Tja, es war die Weihnachtsausgabe. Oder wie ich auf dem Titel in Schriftgröße 120 festgehalten hatte: Die Weinachtsausgabe. Mann, war mir das peinlich!

Aber auch daraus habe ich etwas gelernt: Tippfehler übersieht man schneller, wenn die Schriftgröße besonders groß ist. In Headlines von Newslettern zum Beispiel. Anscheinend braucht ich nach ca. 16 Jahren einen kleinen Reminder daran. 😉

Fehler = Helfer !

Shit happens. Und nichts, absolut gar nichts kann daran etwas ändern. Nicht die akribischste Vorbereitung, nicht das sorgfältigste Üben - nix. Wir machen alle Fehler. Manche fallen mehr auf als andere, aber alle haben eines gemeinsam: Wir entwickeln uns mit ihnen weiter.  Und trotzdem haben wir ein sehr, sehr merkwürdiges Verhältnis zu Fehlern.

Um jeden Preis Fehler vermeiden - das klingt nur auf den allerersten Blick nach einer guten Strategie, zumindest für viele kreativere Berufe, die in den Bereich der "Knowledge Work" fallen. Denn wenn wir das schaffen, dann machen wir nur noch das, was wir zu 100% perfekt beherrschen. Wie langweilig! Wir lernen am besten, wenn wir an einem bestimmten Teil der Aufgaben erst einmal scheitern - genaugenommen an 15%, haben Psychologen herausgefunden. So sei die Balance zwischen Erfolg und Herausforderung optimal. 

 (Natürlich gibt es auch Berufe, in denen Fehler dramatische Konsequenzen haben können und in denen es auf Präzision und Perfektion ankommt - hier müssen Fehler in einem sicheren Übungsumfeld stattfinden können.)

Ein Growth Mindset entwickeln

Fehler zu machen ist also nicht nur etwas vollkommen Normales, sondern auch noch etwas Gutes? Wieso haben sie denn dann so ein mieses Image? Die meisten von uns sind mit einem sehr starken Fehlerfokus groß geworden: Richtig gelöste Aufgaben erfüllen die Erwartung, falsche Ergebnisse werden hervorgehoben. Kein Wunder, dass wir diese Strategie aus der Schule auch als Erwachsene beibehalten. Das Problem: Der Lernprozess wird so überhaupt nicht sichtbar. Wir bleiben in einem "Fixed Mindset" hängen, das uns schulterzuckend feststellen lässt: "Das kann ich einfach nicht." 

Nö, einfach vielleicht nicht, das stimmt. Aber richtiger wäre zu sagen: "Das kann ich NOCH nicht. Und ist das, was man als "Growth Mindset" bezeichnet. Die Instagram-Queen des Growth Mindsets ist übrigens Caroline von St. Ange - besser bekannt als @learnlearning.withcaroline. Auch wenn Sie eigentlich über schulisches Lernen schreibt und spricht, kann man auch als Erwachsener vieles bei ihr mitnehmen. Ein stärkeres Growth Mindset zum Beispiel!

Ich mache Fehler, also wachse ich

Apropos Instagram: So viele perfekte Inhalte. So viel Können und Wissen. Und so wenig Sichtbarkeit für Lernprozesse, für das Werden und Entstehen von Dingen oder Fähigkeiten. Ästhetisch ansprechende Herstellungsprozesse dürfen stattfinden - aber bitte im Zeitraffer, um in die 3-Sekunden-Hook-Regel zu passen. (Innerhalb der ersten 3 Sekunden muss ein Video/Post dein Interesse geweckt haben, damit du weiterliest.) 

Dabei geht leider mehr verloren, als nur ein paar Sekunden: Unser Gefühl für Lernprozesse, unser Verständnis dafür, dass vor der perfekten Tanzchoreografie unzählige misslungene Versuche stehen. Das Wissen, dass für das eine perfekte Foto 325 weitere, weniger gute auf SD-Karten und in Handyspeichern schlummern, ist zwar theoretisch vorhanden - aber wir SEHEN es eben nicht.

Und deshalb denken wir: Aber alle anderen können das doch auch?! Ja, können Sie. Nach vielen, vielen Stunden Üben, Proben und unzähligen Fehlversuchen. Und du kannst das auch - wenn du bereit bist, erst einmal Fehler zu machen.

So war meine letzte Woche:

Gelesen | Nachdem ich letzte Woche ja Annie Erneaux zurück ins Bücherregal verbannt haben, habe ich mit einem neuen Buch begonnen, das direkt viel mehr auf meiner Wellenlänge lag: Ich lese Aufklärung von Angela Steidele. Kann man natürlich überhaupt nicht vergleichen, aber passt im Moment einfach besser zu mir. Ich mag ihren Schreibstil sehr - und das Thema. Über die Frauen berühmter Männer hat übrigens Renate Feyl auch eine ganze Reihe von sehr schönen Büchern geschrieben, die ich gerne gelesen habe! Und während ich euch gerade den Link herausgesucht habe, stelle ich fest: Das letzte Buch von ihr kenne ich noch gar nicht! 

Gehört | Ich habe einen schlimmen Ohrwurm. Also schlimm im Sinne von hartnäckig - der Song ist ziemlich cool. Ich habe Zeit auf TikTok verbracht, und dort führt aktuell kein Weg an Meghan Trainor vorbei. Der Ausschnitt aus "Made you Look" zu dem das halbe Internet gerade tanzt, hat definitiv Ohrwurmcharakter und hat mich am Dienstag viele Stunden im Auto begleitet. (Wer auf der A3 eine abwechselnd fluchende und singende fast-Mittvierzigerin gesehen hat - that's me... 😜)

Getan | Ich habe unsere Küchenschubladen sortiert und den Gefrierschrank aufgeräumt. Ich weiß, ich bin ein bißchen bekloppt - aber manchmal habe ich nach vollen Tages, das Bedürfnis Ordnung zu schaffen. In Schubladen - und dadurch irgendwie auch in meinem Kopf. Und es funktioniert: Überall wieder ausreichend Platz vorhanden! 

Gegessen | Endlich wieder gesünder. Immer wenn es hektisch wird, fällt meine Ernährung ein bißchen hinten über - ich bin leider sehr anfällig, in Stresssituationen Quatsch zu essen, im irrigen Glauben, dass man sich damit etwas Gutes tut. Seit Mitte der Woche bin ich wieder in meine Food-Routine zurückgekehrt - und das tut tatsächlich sehr gut.

Gelernt | "...Even with my hoodie on, bet I made you look..." Während ich das diese Woche mehrer hundert Male vor mich hingesummt habe, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ob das wohl mal jemand untersucht hat? Die Auswirkung von Musik auf die Stimmung der Hörenden? Mir macht der Song wirklich schnell gut Laune (...was bei der Verkehrslage am Dienstag auch DRINGEND nötig war!) - und natürlich gibt es dazu Studien - ziemlich spannende sogar! (👉🏻 Sehr spannender Artikel über Musik und Gefühle!)Und es gibt sogar eine "Formel" für den ultimativen Gute-Laune-Song! Das wusste ich vorher noch nicht!

Gelacht |  Wisst ihr, dass mir diese Kategorie irgendwie schwer fällt? Man lacht doch so oft - oder? Warum kann man sich dann nicht dran erinnern? Ich finde es erschreckend, wie schnell Witziges oder Lustiges - wenn es nicht total außergewöhnlich ist - in Vergessenheit gerät. Vielleicht muss ich mir das nächste Woche einfach mal direkt aufschreiben, um es in Erinnerung zu behalten. Also: Ich bin mir ganz sicher, ich habe diese Woche gelacht. Aber leider weiß ich gerade nicht, worüber.

Gefreut | Auf ein schönes Wochenende - mit Frühstücken gehen und Freunden, und darauf, dass in einer Woche der Advent beginnt: dieses Jahr wird das MEINE  Zeit - mit ganz vielen schönen Momenten. Ich lasse mich 2022 nicht stressen und werde die Wochen genießen. Im Zweifel mit gekauften Keksen. In jedem Fall aber ohne komplizierte Plätzchen- oder sonstige Rezepte! Mein Motto dieses Jahr: Erleben statt vorbereiten!

Wie ich das genau umsetzen möchte, Job und Privates unter einen Hut bringen, und meine Weihnachtszeit 2022 deutlich stressfreier und entspannter gestalten will: darum soll es nächste Woche im Happy Worklife Paper gehen! Hier gilt: Tausche Text & Tipps gegen einen Kaffee. 😊

Habt ein erholsames Wochenende - und startet am Montag gut in die neue Woche!

Viele Grüße,

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