Das Kiefergelenk als Dreh-und Angelpunkt

Das Kiefergekenk ist weit mehr als eine gelenkige Verbindung von Unterkiefer und dem restlichen Schädel. Es beeinflusst über Querverbindungen des Nervus trigeminus den gesamten Organismus. 

Die Faszination für das Kiefergelenk und dessen Einfluß auf den gesamten Organismus, entstand aus eigener Erfahrung.

Als ich ca 15 Jahre alt war, bekam ich plötzlich stechende Schmerzen im Bereich des Iliosacral Gelenks (im weiteren Textverlauf als ISG bezeichnet) auf der rechten Seite. Zu der Zeit betrieb ich Leistungssport und die Ärzte und auch Physiotherapeuten waren sich uneinig, ob das ISG blockiert oder überbeweglich ist.

In den darauffolgenden Jahren kamen und gingen die Schmerzen ohn ersichtilichen Grund.

Mit 18 Jahren bemerkte ich, dass sich meine Schneidezähne vom Oberkiefer nach hinten und die des Unterkiefers nach vorne verschoben.

Nach unzähligen Untersuchungen beim Zahnarzt und Kieferorthopäden kam heraus, dass mein Unterkiefer nicht zum Oberkiefer dazu passte. 

Mein Unterkiefer war im letzten Wachsttumsschub nicht mehr mit gewachsen.

Eine Zahnspange alleine konnte den großen Unterschied zwischen Ober- und Unterkiefer nicht wett machen und so musste ich mich einer Kiefer Umstellungsosteotomie unterziehen. 

Davor wurden mir etliche Zähne gerissen , meine Zähne mit einer festen Zahnspange (3 lange Jahre) wieder in eine ordentliche Position gebracht und danach wurde mein Unterkiefer verlängert und mein Oberkiefer vom restlichen Schädel abgetrennt und so geschwenkt, dass mein Biß optimal passt. 

Ein Jahr vor der OP hatte ich schon beim Reden starke Schmerzen im Kiefergelenk . Grausame Kopfschmerzen begleiteten mich wähernd der 3 Jahre , in denen ich die Zahnspange tragen musste.

Das verblüffende war, dass meine stechenden Kreuzschmerzen, nach der OP verschwunden waren und nie mehr wieder aufgetaucht sind. Und die OP ist mittlerweile 20 Jahre her.

Ich begann mich mit dem Kiefergelenk zu beschäftigen und finde die Zusammenhänge immer noch wahnsinnig faszinierend.

Aber wieso beeinflusst das Kiefergelenk den ganzen Organismus? 

Was macht das Kiefergelenk so besonders?

1.) Da wäre die Lage des Gelenks....knapp vor dem Gehörgang.

Treten Spannungen im Kiefergelenk auf, können Ohrgeräusche, verschlagene Ohren, Hörprobleme und auch Schwindel auftreten.

2.) Ähnlich dem Kniegelenk, passen auch die Gelenksflächen des Kiefergelenks nicht optimal zusammen, weswegen ein Diskus diese Inkongruenz ausgleicht. Diese Knackgeräusche entstehen oft durch eine Verlagerung des Diskus.

3.)Eine wichtige Aufgabe des Kiefers ist, dass er bei der Sprachbildung, am Beißen, Kauen und Schlucken beteiligt ist. Gibt es Probleme im Bereich des Kiefergelenks, kommt es zu Problemen in den oben genannten Bereichen. 

Auch gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem Kauen und dem Verdauungssystem.

4.) Durch das Kiefergelenk ziehen unzählige Nervenbahnen.....mehr als sonst irgendeinen Ort im Körper.

5.) Versorgt wired das Kiefegelenk durch den Nervus trigeminus ( 5. Hirnnerv)

Er ist der größte Hirnnerv und hat als einziger Hirnnerv  Querverbindungen zu allen anderen Hirnnerven. ( Die Hirnneven enstpringen direkt im Gehirn und versorgen den Kopf, den Hals und die Organe im Rumpf)

6.) Das Kiefergelnek hat eine direkte Verbindung zum limbischen System (emotionales Gehirn...so beißen wir mit den Zähnen zusammen, wenn wir ein bestimmtes Gefühl, wie z.B. Angst, Wut , Zorn unterdrücken wollen).Auch sitzen viele Schmerzfilter im Bersich des Kiefergelneks. Deshalb spielt es bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung eine so große Rolle.

7.) In den Faszien der Kaumuskulatur wird emotionaler Stress gespeichert.

Symptome bei Dysbalancen im Kiefer- und Kaumuskelbereich:

  •  Lernprobleme (häufig auch bei Kindern mit Zahnregulierung)
  •  Gleichgewichtsstörungen
  •  emotionale Labilität
  •  Erschöpfung
  •  Probleme im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule
  •  Mirgäne
  •  Schulter und Hüftprobleme

Weitere interessante Zusammenhänge:

  •  os temporale (Schläfenbein) steht im Zusammenhang mit den Beckenschaufeln
  •  os occipitale (Hinterhauptbein) steht im Zusammenhang mit dem os sacrum (Kreuzbein)
  •  Mundboden und Beckenboden beeinflussen sich gegenseitig
  •  rechtes Kiefergelenk speichert Emotionen
  •  linkes Kiefergelenk ist eher der Schmerzwahrnehmung zugeordnet
  •  Kiefergelenksblockaden führen zu Schmerzen und Stauungen der unteren Körperhälfte
  • m. masseter (Kaumuskel) beeinflusst m.glutues medius der gegenüberliegenden Seite
  • m.temporalis (Kaumuskel)den gegenüberliegenden m.quadratus lumborum (Muskel der neben der Lendenwirbelsäule liegt und diese stabilisiert)

Das war nur ein kurzer Überblick über das Kiefergelnek und warum es ein so "einflussreiches" Gelenk ist.

Gerade bei unklaren Schmerzen ist es wichtig das Kiefergelenk im hinterkopf zu behalten und dieses in der physiotherapeutischen Behandlung immer mit zu testen und zu behandeln.

Eine absolut wunderbare Möglichkeit Schmerzen und Problemem vorzubeugen bzw wenn schon vorhanden, diese zu lindern, ist YOGA!!!

Im Yoga kann man diesen Bereich durch Bewegung, Atmung und Achtsmakeit ganz toll beeinflussen !!!

Namaste deine Andrea

Quellenangabe:

*Werner Plätze, Taschenatlas der Anatomie, 1 Bewegungsapparat

*Werner Plätze, Taschenatlas der Anatomie1 Bewegungsapparat

* Prometheus, Lernatlas der Anatomie, Kopf und Neuroanatomie* Prometheus, Lernatlas der Anatomie, Kopf und Neuroanatomie

*Skriptum zur Osteopathie Ausbildung, Wiener Schule der Osteopathie*Skriptum zur Osteopathie Ausbildung, Wiener Schule der Osteopathie

* Paracelsus Magazin, Ausgabe 5/2012* Paracelsus Magazin, Ausgabe 5/2012

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